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In Fraureuth nichts Neues...

Higher Art of Rebellion Tour

Agathodaimon, Siebenb├╝rgen, Graveworm, Gardens of Gehenna

Ort: Fraureuth / Ratskeller
Datum: 04.03.2000


Um die Live-Umsetzung der beiden neuesten Alben von Siebenb├╝rgen bzw. Agathodaimon zu begutachten, machten wir (Wehrmut und Deadleft) uns im Protzer auf den Weg nach Fraureuth. Rechtzeitig an der Ortsgrenze von Chemnitz begann es dann auch, wie schon vor einigen Wochen bei der Fahrt nach Leipzig, zu schneien, was zwar einerseits uns die Sicht etwas erschwerte, andererseits aber auch zu lustigen Bremsman├Âvern und argen Fl├╝chen ├╝ber vorausfahrende Wochenendausfl├╝gler aus der Provinz f├╝hrte. Jene schienen von den Wetterverh├Ąltnissen v├Âllig ├╝berw├Ąltigt und zuckelten auf schnurgerader Strecke 'gem├╝tlich' im Schrittempo durch endlose D├Ârfer. Trotzdem stieg unser Puls nicht ├╝ber eisige 60 bpm, schlie├člich geh├Âren wir ja als Black Metal H├Ârer zur Elite der Menschheit. Wehrmut lie├č sich dann vor den Toren von Fraureuth auch nicht von meiner (Deadleft) Ortsunkenntnis und allgemeine Orientierungslosigkeit verwirren und lotste mich souver├Ąn zum Ratskeller. Sein Vorschlag, doch einen Parkplatz im Kreuzungsbereich zu besetzen ('Da parkt doch jeder'), mu├čte ich jedoch aus moralischen Gr├╝nden (┬ž 12 Abs. 3, Satz 1, StVO) ablehnen. Ich entschied mich dann schlie├člich f├╝r eine extrem absch├╝ssige Stellfl├Ąche, an der sich der Protzer aber trotz anders lautender Bef├╝rchtungen mit unb├Ąndiger Kraft festpfropfte bzw. festfror.
Nachdem wir noch schnell ein paar ├╝berlagerte Knoppers-Tafeln bzw. tschechischen Deli-Riegel in uns hineingeschlungen hatten, eilten wir auch schon, von den winterlichen Temperaturen zu hohem Tempo getrieben, in den Ratskeller. In diesem hatten sich zu diesem Zeitpunkt erst wenige Besucher eingefunden, was sich aber im Verlaufe des Abends ├Ąndern sollte. Nach kurzem Warten betraten Gardens of Gehenna die B├╝hne und erfreuten uns eine halbe Stunde lang mit tonnenschwerem Doom Metal, der bei der Masse jedoch kaum Anklang zu finden schien.
Bei den dann folgenden Graveworm besserte sich das aber schon erheblich, Wehrmut glaubte sogar in diesen 45 Minuten den Stimmungsh├Âhepunkt des Abends erlebt zu haben. Bei den ├Ąu├čerst eing├Ąngigen und melodischen Kompositionen war das aber auch nicht weiter verwunderlich. Es gibt wohl kaum eine Band, die den komplexophoben Mainstream treffsicherer bedient als Graveworm.

Siebenb├╝rgen
Siebenb├╝rgen


Bei Siebenb├╝rgen konnte man dann ganz gut den Unterschied zwischen den ersten drei Alben und 'Delictum' erkennen: Die Songs von der aktuellen Ver├Âffentlichung klangen allesamt rockiger und im Ganzen weniger erm├╝dend als der ganze Rest. Trotzdem wirkte der Auftritt der Schweden alles andere als ├╝berzeugend: Der Bassist benutzte beharrlich nur die oberste Saite und die mitgereiste S├Ąngern Kikki stellte ihre Live-Unf├Ąhigkeiten unter Beweis. Neben dem ├╝blichen Siebenb├╝rgen-Vokal-Fanatismus, versuchte Kikki uns offenbar mit ihrem Trockenschwimmer├╝bungen gleichenden Herumgefuchtel schwindlig zu machen, gab dann aber gl├╝cklicherweise nach der H├Ąlfte des Auftritts aufgrund akuter Stimmprobleme auf. Anscheinend hatte auch der unerm├╝dliche Konsum von omin├Âsen Halsw├Ąsserchen nichts daran ├Ąndern k├Ânnen. Als Siebenb├╝rgen dann die B├╝hne verlie├čen, entfuhr irgendjemandem ein halblautes und -herziges 'Zugabe', was die Band auch zu unserer Best├╝rzung prompt zum Anla├č nahm, noch ein oder zwei weitere 'Bonbons ihres K├Ânnens' zu pr├Ąsentieren. Aber irgendwann hatte das auch ein Ende und kurz darauf folgte auch der Auftritt der Headliner dieses Abends.

Allerdings mu├č man feststellen, da├č Agathodaimon live, im Vergleich zu den Alben, viel von ihrer musikalischen Faszination einb├╝├čen. Dies scheint aber die grunds├Ątzliche Crux von vorwiegend metallischer Musik zu sein: Sobald eine Band die B├╝hne betritt, ├╝bernehmen die Gitarren im Soundgef├╝ge das Zepter und lassen es auch nie wieder los. F├╝r die anderen Melodieinstrumente bleibt da meist wenig oder sogar ├╝berhaupt kein Platz. Trotzdem boten die Mainzer eine Stunde lang einen abwechlungsreichen Gig mit drei S├Ąngern. Vor allem der aus Rum├Ąnien zur├╝ckgekehrte Vlad konnte mit einer in h├Âchstem Ma├če leidenschaftlichen Show ├╝berzeugen. Ihm wurde dann auch eine besondere Ehre zuteil: Im Publikum wurde von drei besonders begeisterten Fans unabl├Ąssig eine Rum├Ąnien-Flagge mit Anti-Kreuz-Kritzelei geschwenkt. Im Gro├čen und Ganzen war das Konzert nicht viel mehr als ein weiterer Eintrag in unser Tour-Tagebuch. Auch Fotos haben wir eher wenige geschossen. Immerhin h├Ąngt jetzt aber neben den Einkaufszetteln von Mutti und Schlachtanleitungen f├╝r tschechische Jungfrauen eine Eintrittskarte mehr an der heimischen Pinnwand.
Auf dem R├╝ckweg zum Auto zitterte sich dann Wehrmut einer gehbehinderten Gro├čmutter gleich ├╝ber die vereiste Stra├če und erntete daf├╝r auch nur ein h├Âhnisches Grinsen von mir. Auf der R├╝ckfahrt ├╝berkam uns dann irgendwie der Wahnsinn: Wehrmut nahm mal eben eine Burzum-Kassette zum Entspannen aus meinem Auto-Archiv und ├╝berantwortete sie nichtsahnend dem Autoradio. Schnell stellten wir aber fest, da├č die Musik definitiv nicht von Burzum stammen konnte. Alsdann verstrickten wir uns in immer wirrer werdende R├Ątsel- und Interpretationsversuche. Zun├Ąchst glaubte Wehrmut XIV Dark Centuries erkannt zu haben, was ich aber vehement bestritt. Nachdem wir zur├╝ckgespult hatten, meinte ich, da├č wir es mit dem Rising Moon Demo zu tun h├Ątten. Letztendlich stellte sich nach ca. 30 Minuten heraus, da├č es sich um den Stoermflood-Song vom Bardenkreis-Sampler handelte. Unser Disput wurde erst unterbrochen, als wir wieder in Chemnitz angekommen waren. Als wir dann dieses Review schrieben, entflammte der Zwist erneut und wird wohl auch nie im gegenseitigen Einvernehmen beigelegt werden.

Wehrmut am 05.06.2005




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