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Mord, PlĂŒsch und Funkenflug

Infernal Gods of War Tour

Mystic Circle, Graveworm, Stormlord, Suidakra

Ort: Fraureuth / Ratskeller
Datum: 08.10.1999


Recht spontan und ohne viel Federlesens entschlosen sich Wehrmut und ich (Deadleft) in einem Anfall von Langeweile, Konzertabstinenz und Kaufeslust dazu, am 8. Oktober in den Ratskeller Fraureuth einzukehren, um die 'angesagtesten' Last Episode-Bands zu begutachten. Die Reise ins finst're Vogtland war zugleich auch Premierenkonzertfahrt fĂŒr Wehrmuts neuen Streitwagen 'Vlötsa', der sich vor allem durch seinen RĂŒckenfurunkel-und-HĂ€morrhoiden-Massage-Teppich auf dem Fahrersitz von den anderen Streitwagen unterscheidet. WĂ€hrend der Fahrt, auf der wir eine ungewöhnlich hohe PolizeiprĂ€senz feststellten, analysierten wir die Praxistauglichkeit der Economy/Uneconomy-Anzeige, deren zwiespĂ€ltiges Flackern wohl mit dazu beitrug, daß sich Wehrmut tiefer denn je in einen seiner gefĂ€hrlichen DesorientiationszustĂ€nde fallen ließ, der dazu fĂŒhrte, daß wir uns inmitten dieser von KriminalitĂ€t, sozialem Abschaum und Umleitungsschildern gebeutelten Region verfuhren und nicht nur Umwege fahren mußten, sondern an einem Punkt auch zum Umkehren gezwungen waren!

Beim Einlaß im Ratskeller erfuhren wir dann auch von der Fachkraft fĂŒr Ticketsystemdistribution, daß diverse Morddrohungen bisher Unbekannter gegen Mystic Circle, Grund fĂŒr die erhöhten Sicherheitsmaßnahmen wĂ€ren. So war leider auch das MitfĂŒhren von Fotokameras nicht gestattet aber durch eine 'göttlich' FĂŒgung haben wir doch welche bekommen. Eher im Scherz fragte sie uns, ob wir 'was gegen Mystic Circle' hĂ€tten, worauf wir uns gerade noch so die in diesem Fall so treffende Antwort 'NatĂŒrlich, Flammenwerfer, Splittergranaten und Daumenschrauben' verkneifen konnten. Nachdem wir ihr versichert hatten, keine Waffen mitzufĂŒhren, wurden wir auch schon an den Fachmann fĂŒr Leibesvisitation verwiesen, der uns verdĂ€chtig grĂŒndlich durchsuchte. Schnell noch am Ticketabreißer, dem Stempelmann und den Flyer-Verteil-Vasallen vorbei, und schon waren wir - nach kurzer AngebotsprĂŒfung am ersten Verkaufsstand - inmitten zwei weiterer MerchandisestĂ€nde. Auch dort kamen wir nicht umhin, die Offerten auszuloten, entschlossen uns letztendlich aber doch dafĂŒr, erst einmal die gerade beginnenden Suidakra zu bestaunen. Deren Musik erschien uns gar nicht mal so ĂŒbel, vor allem gitarristisch zeugte sie von einem gewissen Anspruch, der vor allem die Interessen von Freunden des traditionellen Heavy-Metal hinreichend bedient haben dĂŒrfte. Ach ja, die Keyboarderin war, trotz ihres Mystic-Circle-SpaghettitrĂ€ger-Oberteils, auch nicht hĂ€ĂŸlich. Applaus gab es trotzdem nur spĂ€rlich, was vor allem daran lag, daß sich zu diesem Zeitpunkt wohl gerade mal 150 Leute im Ratskeller eingefunden hatten.

Wir nutzten die Umbauphase, indem wir uns hemmungslos am Verkaufsstand austobten und infolge dessen zwei TontrĂ€ger und zwei Magazine erwarben, die wir hernach im Streitwagen sicher deponierten. Auf dem RĂŒckweg befestigten wir noch die Vönger-Propaganda an strategisch gĂŒnstiger Stelle und waren alsbald - nach erneuter Leibesvisitation - wieder im Ratskeller. Dort gerieten wir in eine mehr oder weniger lebhafte Diskussion mit einem erheblich bierseligem Metaller ĂŒber den Unterschied zwischen der Kommerzialisierung von Samael und Immortal. Die Aussprache dieses Zeitgenossen war infolge des Alkoholkonsums sehr nebulös, weshalb wir auch hin und wieder Probleme hatten, seinen ErzĂ€hlungen zu folgen. Von Wehrmuts altem Samael-Longsleeve war er indessen so begeistert, daß er es ihm wohl am liebsten vom Leib gerissen hĂ€tte.

Dannach bestiegen die geschminkten Mitglieder von Stormlord die BĂŒhne und erfĂŒllten die RĂ€umlichkeiten abermals mit lauter Musik. Besonders lustig war der beleibte Bassist anzusehen, dessen lockiger Wuschelkopf in Verbindung mit seinem Facepaint fĂŒr unfreiwillige Komik sorgte. Er war es auch, der am eifrigsten auf der BĂŒhne sprang, und sich ein um's andere Mal in Manier eines Frotteurs an den Leadgitarristen schmiegte. An sich war die Musik nicht schlecht, das Keyboard zauberte ĂŒppige und vor allem recht abwechslungsreiche Klangteppiche in die ansonsten eher harten Kompositionen. Bloß mit dem Sound konnte man nicht zufrieden sein: Die Gitarren waren leider viel zu leise und kaum herauszuhören. Somit gingen sicherlich viele unterhaltsame Melodien im GerĂ€uschwust unter. Trozdem, die Italiener zeigten einen beachtlichen Einsatz und konnten immerhin eine Handvoll Applaus ernten.

Nach diesem Auftritt, entdeckten wir in der ĂŒberschaubaren Menge eine Vönger-Leserin, die uns auch bisweilen mit Reviews versorgt. Nachdem sie, ob unserer bloßen PrĂ€senz, in Ohnmacht hĂ€tte fallen mĂŒssen (was sie aber trotz guten Zuredens nicht tat), wendeten wir uns Gravenworm zu, die, um es schon mal vorweg zu nehmen den eindeutigen Höhepunkt des Abends markierten. Auch wenn wieder die Gitarren wieder viel zu leise waren, schafften es die Deutschen, das spĂ€rliche Publikum zu reanimieren. Einige der bis dato lethargisch am Saalboden festgepfropften Konzertbesucher verspĂŒrten durch die eingĂ€ngigen und druckvollen Melodien, die kreisch-gröhl Stimme und mehreren Plastikbechern Billigbieres das Verlangen, ihre Körper in HĂŒftgegend rhythmisch zu Beugen & Strecken, was zumindest ein gewisses Konzertfeeling vermittelte. (Wer diese Band noch nicht kennt, sollte zumindest mal ein Ohr riskieren!)

Pyrotechnik vom Feinsten bei Mystic Circle
Pyrotechnik vom Feinsten bei Mystic Circle



Nach diesem musikalischen Highlight, sollte nun der Auftritt mit dem grĂ¶ĂŸten Unterhaltungswert folgen. Am Eingang hatten sich, offenbar zum Schutze Mystic Circles mehrer Polizisten versammelt, die durch zwei finster drein blickende Bodyguards links und rechts am BĂŒhnenrand ergĂ€nzt wurden. Zum Auftakt der Show wurde ein ĂŒbermannsgroßes Holzkreuz auf die BĂŒhne gezerrt, vor dem sich Graf von Beelzebub in typischer Jesus-Christus-Pose aufstellte. Ich mußte beinahe lauthals loslachen, als ich ihn da so erbĂ€rmlich angenagelt und mit hĂ€ngendemn Kopf hĂ€ngen sah. Nicht nur das auf haarlosem selbigen zwei schwarze Teufelshörnchen aufgeklebt waren, er wurde auch noch von rotem Licht derart effektiv angestrahlt, daß man glatt ĂŒberzeugt war, den Leibhaftigen bzw. einen debilen Kinderkasper vor sich zu haben. Letzterer Eindruck wurde noch durch einen offensichtlich aus geschĂ€umten Gummi bestehender Schulterpanzer verstĂ€rkt (siehe auch GWAR), der unentwegt herumschwabbelte. Die restliche Band ging bei dieser geballten Boshaftigkeit und visuellen Blasphemie völlig unter. Zu recht! Denn Graf von Beelzebubs satanischer Glanz ĂŒberstrahlte sie alle. Nachdem das Intro 'The Daemon's Call' vom aktuellen Album 'Infernal Satanic Verses' zu Ende war, stieg der Graf hinab und spielte fortan mit unbĂ€ndigem Eifer und verachtenden Trotz. Zu Beginn war der Sound, wie schon beim letzten Mal an gleicher Stelle, hoffnungslos ĂŒbersteuert, was sich im Laufe der Show aber etwas besserte. Leider aber nicht in dem Maße, wie es notwendig gewesen wĂ€re. Die Melodien der Gitarren waren quasi unhörbar, selbst das Schlagzeug klang erbĂ€rmlich. Nach der ersten halben Stunde waren gerade mal noch 80 Personen anwesend, die sich offensichtlich nur sehr vereinzelt fĂŒr die Geschehnisse auf der BĂŒhne begeistern konnten. Der Graf und seine Mannen spielten unbeirrbar und meistens unter Abwesenheit von Melodie. Wie ĂŒblich wurde mal ein SchĂ€del herumgezeigt, ein paar Feuerwerkskörper abgebrannt und etwas Feuer gespuckt, zumeist aber nur böse in die 'Menge' gestiert. Im BĂŒhnenhintergrund waren zwei Gitterroste aufgestellt worden, auf denen ein umgedrehtes Kreuz bzw. ein umgedrehtes Pentagramm befestigt waren. Irgendwann kam mal ein 'BĂŒhnentechniker' auf die BĂŒhne gesprungen, goß jede Menge Lampenöl oder Spiritus oder sonstwas in die, an den oberen Gitterrostkanten befestigten, Rinne, worauf aus selbiger ein paar FlĂ€mmchen loderten. Das hat mich besonders beeindruckt. Ob des mangelndes Respekts mĂŒde oder von der 'Performance' geschafft verschwand die Band nach ca. einer dreiviertel Stunde Spielzeit plötzlich ohne vorherige Anzeichen im Backstagebereich. Als sie nach ca. 3 Minuten wieder erschienen, waren mittlerweile die HĂ€lfte der noch verbliebenen Konzertbesucher gegangen, wodurch noch ca. 40 Mann (inklusive der Vorbands im Publikum) dem weiteren Verlauf zusahen. Der Höhepunkt des 2. Teiles bestand im Bespucken eines Kreuzes durch den Grafen persönlich und in einer wirklich gönnerhaften Zugabe fĂŒr die letztlich noch ca. 30 verbliebenen Zuhörer. Von Beelzebub war sich am Ende noch nicht mal zu schade dafĂŒr, unserer weiter oben erwĂ€hnten Vönger-Gespielin einen roten PlĂŒschteufel zuzuwerfen, wie es sonst nur kleine MĂ€dels zu tun pflegen, wenn sie ihren mĂ€nnlichen Idolen etwas Aufmerksamkeit abringen wollen. Am Ende sei noch bemerkt, daß zumindest der links stehende Bodyguard weitaus bedrohlicher aussah als Beelzebub und seine Gesellen zusammen. Musikalisch waren Mystic Circle also mal wieder nichts wert, unterhaltsam, weil furchtbar amĂŒsant, war es aber dennoch.

Deadleft am 04.06.2005




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