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Auf Krawall geb√ľrstet!

SunnO)))-Konzert "Monoliths & Dimensions"

SunnO))), Maja S.K. Ratkje, Lasse Marhaug

Ort: Oslo / Chateu Neuf
Datum: 21.01.2010


Wie zuf√§llig ergab sich auf dem Weg zu einer Gesch√§ftsreise in Norwegen die M√∂glichkeit, den beiden SunnO)))-Konzerten in Oslo beizuwohnen. Also verband ich die Arbeit (Konzertbericht) mit dem Vergn√ľgen (Norwegenreise) und machte mich nach Norwegen auf. Durch Vorbereitungsarbeiten und die Packerei erst um 2.30 Uhr im Bett, musste ich schon 5.00 Uhr an diesem Donnerstag wieder aus den Federn, da der Reisebeginn anstand. Nach einer Reise kreuz und quer durch Deutschland und Norwegen, war ich dann gegen 19.00 Uhr in der Unterkunft in Oslo. Mein Gl√ľck war, dass das Konzert an diesem Tag bestuhlt war, so dass man sich nicht aufs Stehen konzentrieren musste sondern im Sitz bequem den Kl√§ngen lauschen konnte. Da w√ľrde es auch nicht auffallen, wenn man mal kurz 'die Augen ausruht'.

Der Konzertbeginn war mit 21.30 Uhr veranschlagt, so dass ich kurz vorher am Veranstaltungsort eintraf. Das Chateu Neuf war das Haus der Studentenschaft (Det Norske Studentersamfund) und hatte mehrere Konzertbereiche. An diesem Tag wurde der gro√üe Saal genutzt, in dem einem Amphitheater gleich die Sitze um die B√ľhne verteilt waren. Das Publikum war bunt gemischt ‚Äď von 15 bis 60 Jahren (obwohl der Einlass eigentlich erst ab 20 Jahren erlaubt war) und vom Punk √ľber Normalos bis zu Personen aus der oberen Schicht oder metallische Prominenz war alles vertreten. Der am typischen √Ąu√üeren erkennbare Metaller machte in etwa nur 10 Prozent aus. Auch der Frauenanteil war angenehm hoch. 21.45 Uhr wurden dann endlich die T√ľren ge√∂ffnet, aber zun√§chst lie√ü man nur die Leute in den Saal einstr√∂men, die alle ihren Wein oder das Bier mit an den Platz nahmen. Es dauerte dann noch einmal eine halbe Stunde, bis die Vorband erschien.

Diese bestand aus zwei Personen (Maja S.K. Ratkje & Lasse Marhaug), die sich hinter ihrem Pult platzierten und dann geschlagene 30 Minuten nur Ger√§usche fabrizierten. Sie kratzten auf dem Mikrofon herum, schlugen auf Haushaltsgegenst√§nden, schrieen oder nutzen ihre Mischpulte, um T√∂ne diverser Art zu erzeugen. Da ganze wurde dann noch durch den Computer gejagt und ordentlich verzerrt und verrauscht. Ich kenne Leute, denen diese Art von Musik (ja, diese 'Ger√§uschmusik' ist ein eigenes Genre) gef√§llt ‚Äď aber ich hatte so meine Probleme dem Krawall zu folgen. Die ersten zwei Minuten war es ja noch ganz nett, als die junge Dame ins Mikro br√ľllte. Da hatte ich mich schon auf ein wenig Doom gefreut. Aber der Krawall nahm kein Ende und lie√ü auch kein Konzept erkennen. Erst nach zehn Minuten wurde es langsamer und eing√§ngiger und man konnte erahnen, dass die junge Dame mehr oder weniger f√ľr die 'Melodie' zust√§ndig war und der Topfklopfer f√ľr den Rhythmus. Am Ende wurde es dann aber wieder wirr und sie maltr√§tierte eine Kinderdrehleier, w√§hrend er alles am Set zerlegte. Manchmal schaute ich mich um und suchte nach einer versteckten Kamera. Ich dachte, vielleicht sagt gleich jemand 'Hurz' und alles stellt sich nur als Schelmerei dar, aber dem war nicht so. Eine halbe Stunde krach und daf√ľr bekommt man auch noch Geld ‚Äď ich glaube ich habe den falschen Beruf! Die Zuschauer nahmen den Auftritt mit stoischer Ruhe hin, wobei einigen doch anzusehen war, dass sie diesen Radau zur gen√ľge von zu Hause kennen, wenn die eigenen Kinder Weltuntergang spielen.

SunnO)))
SunnO)))



Nach diesem verl√§ngerten Soundcheck der aufgebauten Verst√§rker dauerte es zirka 20 Minuten, bis das Pult der Musiker beiseite ger√§umt war und Sunn endlich kommen konnten. Doch zuerst wurde die Nebelmaschine angeworfen und die blies erstmal. Sie blies und blies und blies geschlagene weitere 15 Minuten, bis im Konzertsaal auch wirklich niemand mehr etwas sehen konnte. Danach verstrichen weitere 15 Minuten mit sonoren Ges√§ngen der Gruppe vom Band, die sich teilweise wiederholten. Aus dem Nebel h√∂rte man dann endlich ein Fiepen und Knacksen, als die beiden Gitarren eingest√∂pselt wurden und hieran setzten sofort die tiefen Gitarrengewitter ein. Die Beleuchtung war sp√§rlich und ich somit froh, dass ich in der zweiten Reihe zumindest so nah an der B√ľhne sa√ü, dass ich durch den Nebel noch etwas sah. Gespielt wurde an diesem Abend das 'Monoliths & Dimensions'-Album mit einer quadrofonischen Beschallung im Saal. Anfangs fand ich den Auftritt ein wenig fad, da das typische Gef√ľhl der Unterwerfung des eigenen K√∂rpers an die Verst√§rker der Band nicht aufkam. Es war laut, es war Sunn und der K√∂rper vibrierte ‚Äď aber es war nicht √ľberragend. Vielleicht m√∂chte man immer mehr, wenn man Sunn schon einmal live gesehen hat. Jedenfalls kam nach einer Weile dann auch Attila auf die B√ľhne und sang so vor sich hin. Etwa zur H√§lfte des Konzertes drehte die Gruppe noch etwas weiter am Regler und pl√∂tzlich wurde es angenehm laut. Jetzt merkte man, wie die Lunge zusammengepresst wurde und man Probleme beim Atmen bekam. DAS war der Druck, der kommen muss bei solch einem Auftritt. Hier setzen dann auch ab und an die Melodien des Posaunisten ein, die das ganze Treiben ein wenig auflockerten. Attila hingegen begab sich zum dritten Mal hinter die B√ľhne um sich umzuziehen und kam im letzten Drittel der Show als Baum verkleidet auf die Trib√ľne. Etwas skurril sah es ja schon aus, aber wer Attila und die Band kennt (Aufnahme des Gesangs f√ľr das St√ľck 'Bathory Erzs√©bet' in einem Sarg liegend etc.) wird es nicht verwundern. Da stand er also nun, mit √Ąsten behangen und wei√üem Glibber im Gesicht. Von vorn fiel es gar nicht auf, aber als er sich zur Seite dreht sah man, dass auch noch ein ausgestopfter Vogel mit eingearbeitet war. Er sang meist nur 'Megszents√©gtelen√≠thetetlens√©gesked√©seitek√©rt', was aber selbst im Ungarischen nur eine Wortklauberei darstellt und dem l√§ngsten m√∂glichen Wort entspricht. In etwa in der Art, wie das l√§ngste deutsche Wort (z.B. Grundst√ľcksverkehrsgenehmigungszust√§ndigkeits√ľbertragungsverordnung). Gegen 1.15 Uhr endete der Auftritt, bei dem ohne Unterlass die Gitarren und Verst√§rker gequ√§lt wurden.

Das Publikum verzog sich dann auch schnell in die K√§lte und trat den Heimweg an, so wie auch ich. Da die letzte U-Bahn schon weg war und der Nachtbus auf sich warten lie√ü und f√ľr umgerechnet zirka sechs Euro doch ein teures Vergn√ľgen ist, bin ich dann noch gut 45 Minuten durch Oslo gelaufen. √úberraschend war, dass an einem Donnerstag um diese Zeit doch noch recht viele Personen auf der Stra√üe waren. Dann hie√ü es schnell ins Bett und endlich ausschlafen, bevor dann einige Stunden sp√§ter das n√§chste SunnO)))-Konzert anstand.

Wehrmut am 27.01.2010




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