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Sanity

'Schattensymphonie' oder: Der Weg zum Erfolg


Sanity gelten zu Unrecht immer noch als Geheimtip. Dabei haben die Berliner mit ihren ersten beiden Alben 'Sinister Reflections' und 'Nocturnal Poems' eindruckvoll bewiesen, da├č diese Band zu Au├čergew├Âhnlichem imstande ist. Jetzt wurde endlich auch ein Label auf Sanity aufmerksam. Mit MMJ Records im R├╝cken wird am 15. November 2000 'Schattensymphonie: The Harmonic Enchantment of a Medieval Scaffold' ver├Âffentlicht. Und eines darf man nach den ersten H├Ârproben vorwegnehmen: Sanity ist damit etwas wirklich Gro├čartiges gelungen. Mit S├Ąnger und Gitarrist Florian Weishaupt sprach Deadleft.


Deadleft: Wie seid ihr mit dem Ergebnis von 'Schattensymphonie' zufrieden?

Florian: Schattensymphonie ist vollkommen. Ich habe nichts daran auszusetzen, dieses Album ├╝bertrifft alle meine Erwartungen. Die Kompositionen, die Instrumentation, die Aufnahmen, die Soundqualit├Ąt, das Artwork und Layout, all dies erf├╝llt meine Idealvorstellungen einer symphonischen Blackmetal-Scheibe. Nein, tats├Ąchlich, ich bin ob dieser Ergebnisse wahrlich zufrieden.


'Schattensymphonie' erscheint um einiges eing├Ąngiger und kompakter als die ersten beiden Alben. War diese Entwicklung eine rein rationale Entscheidung oder hat sie sich gewisserma├čen einfach so aus einem Gef├╝hl ergeben?

Ich m├Âchte auf diese Frage mit der Schilderung der Historie von Sanity beginnen. Unser erstes Album 'Sinister Reflections', vereinte zwei Jahre musikalisch-experimentellen Schaffens. In den Jahren 1996 bis 1998 n├Ąherten wir uns dem schwarz- und todesmetallischen Gefilden mit dem Eifer, etwas Neues zu schaffen, dagewesene Strukturen zu sprengen und komplexe Werke zu komponieren. So z.B. 'Cryonic Zombie', ein 15 min├╝tiges Epos, der in Anlehnung an die Barockmusik von durchkomponierter Struktur ist, also kein Strophe-Refrain-Schema beinhaltet, sondern eine einzige Entwicklung. Das ist nat├╝rlich f├╝r den Zuh├Ârer unglaublich anstrengend, obwohl es wahrlich viel zu entdecken und analysieren gibt...
Wir waren uns dieses Effektes bewu├čt, doch war es uns wichtig, auch diese Songs f├╝r die Ewigkeit festzuhalten. Ausserdem machten wir gerade aufgrund dieser Andersartigkeit des Albums - vielerorts wurde es sogar mit einem Soundtrack verglichen - auf uns aufmerksam. Wir bekamen ├╝berwiegend gute Kritiken, auch wenn wie angedeutet das Werk zu komplex war, um die Masse zu ├╝berzeugen.

Mit dem zweiten Album 'Nocturnal Poems', das schon ein Jahr sp├Ąter erschien, schliffen wir die Ecken und Kanten des ersten Albums heraus, wurden schneller und symphonischer. Dies war eine rationale Entscheidung. Wir hatten uns mit Experimenten im ersten Album ausgetobt und konnten nun eing├Ąngigere Hymnen schreiben. Werke, die mitrei├čen und in sich geschlossen sind. Lieferten wir im ersten Album noch acht Tracks auf 68 Minutenn, so waren es nun schon 14 Tracks auf 72 Minuten. Ein ordentlicher Batzen f├╝r eine Blackmetalband. Durch dieses Album wurden MMJ Records aus dem Ruhrgebiet auf uns aufmerksam. Zu diesem Zeitpunkt liefen auch schon die Vorbereitungen f├╝r die 'Schattensymphonie' auf Hochtouren (Jaja...jedes Jahr ein Album ...) Nachdem wir die ersten beiden Alben in Eigenregie im Tonstudio meines Bruders Phil (Drums) produziert hatten und auch selbst vertrieben, arbeiten wir nun mit MMJ Records zusammen. Die Aufnahmen machten wir diesmal im 'Soundforge'-Studio von Andreas Hilbert (Golem). Wir wussten, dass er bekannt ist f├╝r seinen fetten Sound, doch bei uns hat er sich selbst ├╝bertroffen. Zudem charterten wir einen Grafiker (Marco Thiel), der f├╝r uns das Cover des Jahres (!) entwarf. Andreas verhalf uns zu einem gro├čartigen Sound und unser Graphiker Marco Thiel zu einem vollkommenen Layout. Danke Euch, Jungs!

Nun zur musikalischen Entwicklung: F├╝r die 'Schattensymphonie' steigerten wir unsere Geschwindigkeit auf bis zu 13 Bassdrumschl├Ąge pro Sekunde und intensivierten nochmals die klassische Orchestration. Hier agiert nun klar ein Orchester in perfekter Symbiose zur aggressiven Blackmetalband. Um das Album in ein symphonisches Konzept einzubetten, f├╝gten wir zudem noch drei rein klassische Intermezzi hinzu. Eine weitere Entwicklung stellt die Gitarren- und Riffarbeit dar, an der wir hart gearbeitet haben, um eine weitere Ebene in der Musik zu definieren.


Kommen wir zu den Texten. Ich habe den Eindruck, da├č sich die behandelten Themen bei einigen Titeln nur noch schwer in den Bereich 'Fantasy' einordnen lassen. Vielmehr kommen aktuelle gesellschaftliche Probleme zur Sprache, es ist von Dekadenz die Rede, von todbringenden Maschinen und der Tod grinst aus beinah jeder Zeile. Wie kam es zu dieser Entwicklung?

...ich mu├č jetzt grad mal ├╝berlegen...hmmm...also 'Das Beil' ist doch eigentlich recht fantasy-m├Ą├čig, 'Highland Epos' strotzt nur so vor epischer Kraft..., aber ich wei├č was Du meinst... 'Insomnia', 'December' und 'The Linear Scaffold'. Unsere Textentstehung ist eine sehr undefinierte Sache... meist vermittelt mir der fertige Song eine Stimmung und diese setze ich dann lyrisch um. Es sind alles Geschichten, die die Musik untermalen, die Musik ist also der Soundtrack f├╝r die Texte...kann man so sagen ...ja...
Du mu├čt wirklich mal mitlesen, das ist sehr spannend (*grins*), im Studio hat sich Phil richtig gegruselt, als ich 'Das Beil' eingeschrien (!) habe...Hehehe...
Tja, mit dem Tod in jeder Zeile, das ist auch so ne Sache...ich wei├č nicht wie das so kommt, aber irgendwie kracht das mehr, wenn ich so etwas schreibe. Ich meine h├Âr Dir die Musik an, ist das Musik f├╝r Liebestexte oder Funstuff? Die Gesellschaftskritik ist eher unabsichtlich, da dies z.B. bei 'Insomnia' einfach gut in das Bild pa├čte, von atomarer Verseuchung zu sprechen. An sich ist es jedoch immer die Musik, die im Mittelpunkt steht.


Habt ihr euch beim Song 'The Linear Scaffold' vom Titel des Solefald-Debuts inspirieren lassen?

Nein, das ist eine wirklich seltsame, fast ├╝berirdische Geschichte. Ich schrieb also diesen Song und beim Komponieren fiel mir auf einmal dieser Titel ein, er dr├╝ckte genau das aus, was dieses Lied mir vermittelte. Nicht die Worte, sondern der Zusammenklang. Dies war BEVOR Solefald ihr Debut rausbrachten. Was glaubst Du, wie ich beim Schm├Âkern des Last Episode-Kataloges aus allen Wolken gefallen bin?! Es ist statistisch gesehen echt unm├Âglich. Denn ├╝berleg doch mal, die Wortzusammenstellung ergibt keinen Sinn: 'Linear Scaffold' - 'Lineares Schaffot'. Was soll das sein? Ich wei├č es nicht, frag doch mal Solefald. Nunja, jedenfalls ist das alles sehr, sehr merkw├╝rdig... (listen ... it's trying to tell us sometin' ... hur...hur...)


Wie entsteht eigentlich ein Sanity-St├╝ck? Sind alle Bandmitglieder am Komponieren beteiligt?

Nein. Komponieren tun nur Phil und ich. Benjamin hat beim Debut einen Song beigetragen 'Herren der Nacht', doch danach nicht mehr zur Feder bzw. zur Gitarre gegriffen...schade... Wenn wir komponieren, so ├╝berwiegend am Computer mit unserem Synthesizer. Dort wird alles arrangiert und orchestriert und dann auf die Gitarren ├╝bertragen oder entsprechend etwas Passendes f├╝r die Gitarren erarbeitet. Sicher, ab und zu sind mir auch schon Songs auf der Gitarre eingefallen, so z.B. 'Blutrausch' von der 'Schattensymphonie'. Es sieht jedoch immer so aus, da├č Phil oder ich ein St├╝ck fertig macht und dann den anderen beibringt, also nix Session, dabei kann ich nicht arbeiten. Wenn man nicht weiterkommt, dann geht's nat├╝rlich schon mal ab in den Keller und dann wird mit den Drums und Gitarre zusammen ausprobiert, kommt alles vor, aber ist nicht die Regel.


Was h├Ârt ihr selber f├╝r Musik? Woher bezieht ihr musikalischen Anregungen?

Oh, im wesentlichen Metal aller Art, Black Metal vornehmlich. Doch Klassik ist eine ebenso wichtige Quelle, gerade die Romantik gibt mir viel. Inspiriert wurden wir durch etliche K├╝nstler. Zu meinem Faves z├Ąhlen eindeutig Elend, Arcturus, Bloodthorn, Dimmu Borgir, Emperor, Mystic Circle und Rhapsody, aus der Gregorianik Guillaume de Machau mit seiner Messe de Notre Dame und Malers wundersch├Âne Symphonien.


Wie seid ihr zu eurem Label gekommen? Habt ihr flei├čig Promos verschickt oder ist man an euch herangetreten?

Nun ja, sicher verschickt man ab und zu mal ein paar Promos, doch MMJ sind von alleine an uns herangetreten. Der Track auf dem Ablaze-Sampler hat sie auf uns aufmerksam gemacht. Ich denke, wir fahren beide sehr gut mit dem Deal, MMJ ist ein t├╝chtiges Label mit weitreichenden Kontakten. So gibt es schon Gespr├Ąche ├╝ber Liefer- und Lizenzvertr├Ąge weltweit.


Was machen die Menschen bei Sanity in ihrem Leben jenseits der Musik? Geht ihr eigentlich ganz normalen Berufen nach oder widmet ihr jede Sekunde der Musik?

Ich studiere Wirtschaftsingenieurwesen an der TU Berlin und werde demn├Ąchst mein Diplom machen, Phil ist Toningenieur und studiert Elektrotechnik. Benjamin ist gelernter Industrieelektroniker und studiert nun Technische Physik/Medizintechnik. Ausserdem haben wir noch andere Musikprojekte am Laufen, was uns ebenfalls besch├Ąftigt. Dazu einen gro├čen Freundeskreis und viel Sex, dabei jedoch immer laut Metal h├Ârend, also jede Sekunde Musik... Hehehe....


Wie sieht die musikalische Zukunft von Sanity aus?

Ja, wir haben schon konkrete Pl├Ąne, das n├Ąchste Album, welches 2002 herauskommen wird, wird voraussichtlich ein Doppelalbum werden. Daf├╝r werden wir mit einem Chor und einem Orchester zusammenarbeiten. Denn mal ehrlich, Metal und Orchester kennt man ja schon, aber nicht Black Metal. Also eine neue Herausforderung, und f├╝r wen besser geeignet, als f├╝r eine symphonische Blackmetalband wie Sanity. Im November wird nun das neue Album 'Schattensymphonie: The Harmonic Enchantment Of A Medival Scaffold' europaweit ver├Âffentlicht. Dazu starten wir eine grosse Promoaktion um das Ding richtig zu pushen. Im Fr├╝hjahr ist eine Tour durch Europa geplant. Daran d├╝rften sich bei dem erwarteten Erfolg des Albums noch einige andere Touren anschliessen, die jedoch noch nicht geplant sind. Zudem hei├čt es auch schon wieder ran an die Instrumente und flei├čig komponieren, damit wir den Fans auf dem n├Ąchsten Album auch was bieten k├Ânnen.


Das klingt ja sehr selbstbewu├čt. Ihr rechnet also mit Erscheinen des dritten Albums mit dem Durchbruch auf breiter Front? Hei├čt das, ihr strebt ganz bewu├čt den Wechsel von der (zumindest kommerziellen) Undergroundcombo zur europaweit erfolgreichen Band mit Major-Deal an?

Wie Du aus meinen ersten Antworten sicherlich mitbekommen hast, sind wir mit dem Album 'Schattensymphonie: The Harmonic Enchantment of a Medieval Scaffold' voll zufrieden und von von dessen Qualit├Ąten restlos ├╝berzeugt. Ich bin wirklich der Meinung, da├č dieses Werk ein ungeheures Potential besitzt. Wir rechnen also tats├Ąchlich mit einem Durchbruch auf weiter Front. Es liegt jetzt alles in den H├Ąnden einer vern├╝nftigen Promotionkampagne mit Tourmanagement. Die musikalischen Argumente sind meines Erachtens ├╝berzeugend, man mu├č es nur der gro├čen Metaller-Front zug├Ąnglich machen und deren Aufmerksamkeitsschwelle ├╝berschreiten. Wir haben mit MMJ Records ein sehr t├╝chtiges Label gefunden und ich hoffe, da├č sie ihrem Kurs weiterhin treu bleiben und die Potentiale aussch├Âpfen.

Zum Wechsel von der Underground-Combo zur Band mit Major-Deal kann ich nur soviel sagen, da├č wir nie angestrebt haben, eine Underground-Band zu bleiben. Wir haben immer das Maximum in Hinsicht auf das Engagement in die Band gegeben, die Kompositionsleistungen, das Promotionmanagement, die 'Kundenorientierung'... Wenn wir die Chance bekommen, zuzuschlagen und das ganz gro├če Ding durchzuziehen, dann schlagen wir auch zu. Erfolg zu haben mit der eigenen Band, mit unseren Kompositionen, mit EXTREM-METAL, das ist doch ein Traum.


Ein Black Metal Album mit Orchester und Chor klingt in der Tat sehr reizvoll. Habt ihr nicht Angst, eine der gro├čen etablierten Bands k├Ânnte euch zuvor kommen?

Ooh ja, ich finde es ebenfalls eine wirklich reizvolle Idee. Ich habe eigentlich keine Angst, da├č uns einer der etablierten Acts zuvorkommt, denn mir f├Ąllt im Moment ehrlich gesagt keine Blackmetal-Band ein, die ein derart gezielt klassisches Arrangement verfolgen. Viele Bands arbeiten zwar heute mit Synthesizer, doch sie benutzen diesen auch als solchen. Bei uns steht jedoch ganz klar die klassische Linie im Vordergrund, angereichert durch Synthi-Effekte. W├╝rden Rhapsody Blackmetal machen, so w├╝rde ich ganz sch├Ân schwitzen (hehe...) aber schau Dich doch mal um ... Auf Anhieb f├Ąllt mir eigentlich nur Bishop of Hexen ein, doch von denen habe ich lange nichts mehr geh├Ârt und ich glaube nicht, da├č da was kommt. Dimmu Borgir und Konsorten benutzen fl├Ąchige Synthi-Sounds oder mal ein paar Melodien, Orgel, Chor, doch das eignet sich eigentlich nicht direkt zur vollst├Ąndigen Orchester├╝bersetzung. Zudem hatten die doch gerade das Abyss Studio von Peter T├Ągtgren gebucht, was darauf hinweist, das sie ein neues Album geplant haben. W├Ąre dies ein klassisches Album, w├╝rde die Werbetrommel doch schon l├Ąngst laufen oder zumindest Geruechte im Umlauf sein. Conclusio: Keine Gefahr...hehehe...


Deadleft am 02.01.2004


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