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Solefald # Neonism

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Nach dem großartigen Debüt der Band habe ich dem zweiten Album mit großen Erwartungen entgegengesehen. Schon im ersten Song erkennt man Solefald mit Leichtigkeit wieder. Nach spannungsgeladenen Keyboardakkorden entlädt sich ein Sturm aus tosenden Gitarren und teils hysterischem Geschrei, teils melodischem Gesang. Gleichzeitig offenbaren sich große Unterschiede, die sich im weiteren Verlauf des Albums bestätigen. 'Flourescent (The Total Orchestra)' ist wesentlich eingängiger, roher und zorniger als alles was auf 'The Linear Scaffold' zu hören war. Neben dem Zorn, in dem wesentlich mehr Bosheit mitschwingt als auf dem Vorgänger, tritt hier auf 'Neonism' ein ironischer Grundton von bisher beispiellosem Ausmaß.
Getreu dem Titel nehmen Solefald den Hörer musikalisch wie auch textlich auf eine Reise durch westliche Kultur und Kulturindustrie, durch eine Welt aus Kommerz, Konsum und Großstadtlicht. Dabei ist die Band nicht weniger unkonventionell als auf dem Debüt. Nur verfolgt man hier einen völlig anderen Ansatz. Ob elektronische, verzerrte Sounds ('CK II Chanel N° 6'), gepitchte Keyboardteppiche oder Gesang, der variabler und höhnischer nicht hätte ausfallen können ('Proprietors of Red'), Solefald nehmen keine Rücksicht auf Althergebrachtes. Auch wenn die Texte stellenweise viele Deutungen zulassen oder sich einer Deutung entziehen, 'Neonism' verstehe ich als eine Anklage gegen das Moderne und die westliche Kultur- und Konsumindustrie. Neben dem unfaßbar vielseitigen und verächtlich-wütenden 'Proprietors of Red' ist 'Backpacka Baba' für mich der Höhepunkt des Albums. Ein bitter ironischer Song, in dessen Leichtfüßigkeit ich mit der Zeit etwas unheimlich Erdückendes erkannt habe. 'White man came across the sea / To change my under-developed diaper / White man came across the sea / To wipe my ass with tabloid paper', noch nie habe ich Zeilen dieser Art bei einer Metalband gelesen. Fabelhaft.
Solefald haben nichts von ihrem Anderssein eingebüßt; wer eine Neuauflage des Debütalbums erwartet, wird aber enttäuscht sein. Weil genau das mein Ausgangspunkt beim Hören dieses Albums war, hat es sehr lange gedauert, bis ich 'Neonism' zu schätzen gelernt habe. Auf 'Neonism' mixen Solefald Elemente aus Black- und Death Metal sowie aus einer ganzen Reihe anderer musikalischer Richtungen - so zum Besipiel Trip-Hop in 'Speed Increased to Scaffold' - mit schrägen Melodien und einer gehörigen Portion Wahnwitz. Dazu kommt eine punkige Note, die sich auch in der dreckigen und seltsam matschigen Produktion niederschlägt. Darin könnte man tatsächlich eine der wenigen Unzulänglichkeiten sehen. Ich bin mir jedoch noch nicht sicher, ob nicht gerade dieser klangliche Schmutz hervorragend zum Konzept und Ton dieses Albums paßt.

Deadleft am 26.05.2005




Spielzeit

50:19 min


Erscheinungsjahr

1999


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Label



Vergleichbarer Ohrenschmaus



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