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Satyricon # Volcano

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Der VorgĂ€nger 'Rebel Extravaganza' stieß bei den Hörern auf ein geteiltes Echo. WĂ€hrend die einen den kalten Sound und die ungewohnten Songstrukturen nicht mit dem VermĂ€chtnis der ersten beiden Alben verbinden konnten, feierten die anderen das Album als neue Interpretation des Black Metal. Ich, der ich die einen verstehen und den anderen zustimmen kann, habe mir Großes von 'Volcano' versprochen und wurde in breiter Linie enttĂ€uscht.
Das erste StĂŒck 'With Ravenous Hunger' lĂ€ĂŸt dabei noch auf einen wĂŒrdigen Nachfolger hoffen: Nach einer Einleitung aus maschinellen Sounds, unheilvollem Grummeln und der Ansage 'By my signal: unleash hell!' empfĂ€ngt den Hörer ein eiskalter Gitarrensound. Satyrs Stimme trĂ€gt kein Erbarmen in sich und auch die hintergrĂŒndigen Effekte können ĂŒberzeugen. Doch schon in diesem StĂŒck wird der große Schwachpunkt von 'Volcano' deutlich: Die Songstrukturen sind zu konventionell, die Arrangements vorhersehbar. Dabei gefallen mir die langsamen Passagen, bei denen eine hypnotische Anmutung mitweht, sehr gut. Nur der aggressionsgeladene Refrain und sein mehr gesprochener als gesungener Gesang mit abwechselnd verzerrter und klarer Stimme will nicht dazu passen. Er wirkt wie eine schroffe Insel in einem Meer aus fließenden Gitarren.
'Angstridden' enthĂ€lt auch wieder einige hörenswerte Stellen. Das eine oder andere Riff, die weibliche Stimme gegen Ende, das beispiellos gute Einflechten beklemmender Sounds. Nur insgesamt ergibt dieser Song keinen Sinn. Die Stimme Satyrs dominiert hier untypisch und begrĂ€bt den zerklĂŒfteten Aufbau unter sich. 'Fuel for Hatred', von vielen als 'ultimative Abgehnummer' oder Ă€hnlich gefeiert, gehört zum Schlechtesten, was ich je von Satyricon gehört habe. Ein simpel konstruiertes StĂŒck mit viel Schwung und einer gehörigen Portion Rock 'n' Roll. Hört sich gut an, ist auch gut gemacht. Aber es berĂŒhrt mich nicht im geringsten. Eine stampfende Nummer voll kalkulierter Aggression und einem Refrain, der, wie sagt man so schön, ins Ohr geht. 'Fuel for hatred / Air raid siren / Fuel for Hatred / To mankind'. Wo ist das hintergrĂŒndig Diabolische, wo das Überraschungsmoment? Heraus sticht nur das langsame Riff im Mittelteil, der mir den Punkt zeigt, an dem Satyricon hĂ€tten ansetzen sollen.
Über 'Suffering the Tyrants' ist wenig zu sagen: Die Gewalt frĂŒherer Tage wirkt weichgespĂŒlt, die langsamen Passagen sind in ihrer EinfĂ€ltigkeit ein mĂŒder Abklatsch vergangener Zeiten. Der folgende Song 'Possessed' ist ein rhythmischer, riffbetonter Bastard aus Thrash Metal und zaghaften modernen EinflĂŒssen (man achte auf den leicht lĂ€cherlich wirkenden Keyboard-Akkord nach der dritten Strophe). Immerhin kann Frost ein wenig von seinem Können zeigen, seine PrĂ€zision ist beeindruckend. Ganz im Gegensatz zur Komposition.
'Repined Bastard Nation' ist keinen Deut besser. Zwar erinnern mich die Gitarren nach der ersten Strophe stark an Thorns, bei denen Satyr bekanntermaßen auch mitgearbeitet hat, und die Strenge der Rhythmusgitarre in Kombination mit der flirrenden Leadgitarre hat durchaus ihren Reiz. Auch spĂ€ter bekommt man mehr als nur akzeptable Gitarrenarbeit zu hören. Dennoch hilft das diesem Song nur wenig. Geradezu unertrĂ€glich nĂ€mlich ist das eröffnende und im weiteren Verlauf immer wieder auftauchende Riff. In der Musik kann man mit Wiederholungen viel erreichen. Hier wird allerdings ein schöner Ansatz und damit das ganze StĂŒck zerstört.
Nach all diesen EnttĂ€uschungen ist 'Mental Mercury' ein wahrer Lichtblick. Hier gibt es endlich wieder all das, was ich an 'Rebel Extravaganza' so zu schĂ€tzen weiß: Treibende Gitarren untermalt von Frosts hyperschnellem Schlagzeigspiel, punktgenaue und wirkungsvolle Breaks, tranceartige langsame Passagen mit sehr dezentem aber effektivem Keyboardeinsatz. Meisterhaft.
Der letzte Song 'Black Lava' ist ein fast viertelstĂŒndiges Monstrum, daß, wie der Titel bereits andeutet, trĂ€ge und schwer dahin fließt und viel ertragenes Leid wieder vergessen lĂ€ĂŸt. Simple, schwermĂŒtige Riffs und endlich mal ein Refrain, den man immer wieder hören möchte: 'Black lava / Drifting down the mountainside / Black lava / You can't fight'. Diese Zeile beschreibt dieses StĂŒck sehr treffend. ZĂ€h und unerbittlich ist der Gitarrenstrom und pechschwarz. Eine besondere Überraschung hĂ€lt dann noch Anja Garabarek bereit. Ihr stimmlicher Kurzeinsatz ist das originellste und beste, daß ich in der Musik seit langem aus einer weiblichen Kehle vernommen habe. Kurz mußte ich an die IslĂ€nderin Björk denken, aber ganz so ungezĂŒgelt klingt es dann doch nicht. Wie der letzte Vers ihrer ersten Strophe 'Hellbound me / On a throne of gold' förmlich mit dem Rhythmus verschmilzt und das letzte Wort dabei in den Gitarren zerfließt: Grandios! Der Übergang schließlich zur ersten und letzten Wiederholung des Refrain ist gewissermaßen der vorweggenommene, ĂŒberaus schöne Höhepunkt dieses Albums. 'Black lava / Drifting down the mountainside / Black lava / You can't fight', weil es so schön war.
GlĂŒcklicherweise vermögen die letzten beiden Songs dieses Album noch zu retten. Obwohl, manch einer mag das vielleicht anders sehen, denn die anderen StĂŒcke - von 'Repined Bastard Nation' mal abgesehen - sind durchaus gut gemacht und finden sicherlich ihre Fans. Nur, ich kann diesem Rest wenig abgewinnen. Zu einfach gestrickt und auf traditionellen Metal vergangener Tage bauend, das ist es nicht, was Satyricon in der Vergangenheit ĂŒber andere Bands gehoben und zu etwas Besonderem gemacht hat. Die Produktion ist im ĂŒbrigen nahezu perfekt und auch die Leistung von Schlagzeuger Frost verdient Hochachtung. Neben Hellhammer und Trym gehört er ganz sicherlich zu den Besten im extremen Metal.

Deadleft am 26.05.2005




Spielzeit

54:35 min


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