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Ardulph Ardebahr Wald # Secrets of Wahrendorff / Schaebtums Grächtnis

Cover: Ardulph Ardebahr Wald # Secrets of Wahrendorff / Schaebtums Grächtnis

Selten habe ich beim Hören eines Albums so lachen müssen. Oft geschieht das ja nur aus reiner Schadenfreude oder nur aufgrund der dargebotenen Lächerlichkeiten, im Falle von Ardulph Ardebahr Wald aber lag meine Heiterkeit in der unverholenen Freude über eine rundum überzeugende Persiflage begründet.
'Secrets of Wahrendorff....' enthält 11 zumeist mysteriös melancholische Songs, die mich zuweilen an Bethlehem erinnern. Dies ist zum einen dem allgegenwärtigen, schleichenden Wahnsinn, und zum anderen den bisweilen psychopathischen Vocals zuzuschreiben. Das erste Stück mit dem durchaus bezeichnenden Titel 'Latente Suizidalität' ist ein langsamer, gemütlich melodischer, aber depressiver Song mit eben latent selbstzerstörerischem Charakter. Das darauffolgende Stück 'Lagerarbeit' besticht durch seine zum Wahnsinn treibende Atmosphäre, die ich der mal leidenden, mal herrisch-grausamen Stimme und dem finsteren Gitarrenteppich zuschreibe. Im Ganzen bei weitem nicht so intensiv wie die Kompositionen von Bethlehem, aber trotzdem durchaus beachtlich. Das dritte Stück 'Black Hate Deathbringer of Dark Evil And War' ließ mich erstmals in schallendes Lachen ausbrechen. Der ganze Song mit einer Länge von immerhin über sieben Minuten hat quasi nur eine einzige Textzeile: 'Seit 05.45 Uhr wird zurück geschossen', die jedoch ständig wiederholt wird. Dieses Zitat wurde schlicht und einfach in einen Fluß sich wiederholender Riffs eingebettet und macht zusammen mit dem Titel diesen Song für mich zu einem prächtigen Hohnlied auf den extremen Black Metal. Als nächstes muß der Viking oder Pagan Metal dran glauben: 'Storm of Blast (Of Thor's Hammer)' (sic!) bietet streng genommen grottenschlechte Chorgesänge, eine Spur Bombast und auch sonst alle Belanglosigkeiten einer drittklassigen, pathostriefenden Veröffentlichung dieses Subgenres. Schöne Parodie. 'Gandalf - Thy Mighty Pénes' (sic!!) überrascht dann mit einer wahrlich rotztriefenden Stimme. Im Ernst, der Sänger in diesem Stück hört sich an, als wäre sein ganzer Mundraum mit einer Masse gefüllt, die sich bei anderen Menschen in weitaus geringeren Mengen in der Nase befindet. Auch hier schimmert wieder diese, für 'Secrets of Wahrendorff...', wohl typische Verrücktheit und Unernsthaftigkeit durch, die mir recht amüsante Minuten beschert hat. Nach diesem Akt von erbarmungsloser Stimmbandverachtung muß 'Das Grächtnis', zumindest meinem Vernehmen nach, ganz ohne Text auskommen. Alle folgenden Titel sind dann gänzlich ohne Gesang.
Auf das Instrumental 'Norsehorsed' folgt mit 'Overstolz (I Will Horberize You)' das vielleicht beste gesanglose Stück. Die ungewöhnlichen und wirren Gitarrenleads grenzen es eindeutig vom Rest ab. Obwohl, 'Ritual: 20 Quadratkonsch' ist auch in jedem Fall absolut eigenständig: Fast neun Minuten ausschließlich wabernde und sich kaum weiterentwickelnde synthetische Klänge mit dezenten Glockenschlägen. Bizarr und ermüdend. Titel Nummer 10 'The Laughter of Köthenwald' ist nur zwölf Sekunden lang und enthält meinem Empfinden nach elektronisch verzerrtes Lachen. Das letzte Stück 'Latente Suizidaltät II' verdient den Zusatz der römischen Zahl in keinster Weise. Es ist schlicht und ergreifend nur eine Kopie des ersten Songs. Ich habe keinen Unterschied feststellen können. Möglicherweise ist das auch als kleiner Seitenhieb auf die hin und wieder zu beobachtende Remix-Wut einiger Bands zu verstehen. Und in die wirre kleine Welt von Ardulph Ardebahr Wald paßt es allemal. Um eines klar zustellen: Die musikalische Seite dieser Welt ist nicht sehr spektakulär. Trotz einigen ganz interessanten Einfallen und gut gelungenen Passagen mangelt es noch an Abwechlung und Mut zur Innovation. In Sachen Humor kann es aber wohl kaum jemand gegen diese Band aufnehmen.
Eindeutiger humoristischer Höhepunkt dieser Veröffentlichung ist zweifelsohne die Booklet Gestaltung. Das Inneren beansprucht ein großes Foto, auf dem zwei Schlager-Combo-Musikanten oder aber Pornodarstellern abgebildet sind. Darunter sind die 'Namen' der Musiker von Ardulph Ardebahr Wald zu lesen: A. A. Wald und N. S. Régime. Die Booklet-Rückseite verrät dann mehr über die beiden: A. A. Wald ist demnach 'Verscheucher von Leuten, Suppenkasper u. Hans Kuck in die Luft, Trübsalbläser u. Spielverderber-Petze (verpetzt Leute)' in einer Person. Sein kongenialer Partner N. S. Régime wird wie folgt beschrieben: 'Graf von Habenichts u. Kriegenichts, außerdem rechthaberischer Besserwisser, Steuerhinzerzieher u. Neider, obendrein ewig Gestriger, Narr'. An gleicher Stelle wird auch festgestellt, daß Ardulph Ardebahr Wald 'politische Absichten hegen'. Diese Liste ließe sich noch lange fortsetzen, beinahe jede Zeile auf dieser kleinen Bookletrückseite enthält eine Anspielung auf die ach so bierernste Musikszene.
Summa Summarum: 'Secrets of Wahrendorff / Schaebtums Grächtnis' ist eine gestalterisch sehr amüsante Veröffentlichung mit einigen verwertbaren musikalischen Ansätzen. Nicht mehr und nicht weniger.

Deadleft am 28.03.2004




Titelliste

01. Latente Suizidalität
02. Lagerarbeit
03. Black Hate Deathbringer of Dark Evil and War
04. Storm of Blast (Of Thor's Hammer)
05. Gandalf - Thy mighty Penés
06. Das Grächtnis
07 . Nordhorsed
08. Overstolz (I will horberize you)
09. Ritual: 20 Quadratkonsch
10. The Laughter of Köthenwald
11. Latente Suizidalität II


Spielzeit

63:06 min


Erscheinungsjahr

1999


Label

Eigenproduktion


Vergleichbarer Ohrenschmaus



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