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Thorns # Thorns

Cover: Thorns # Thorns

Auf dem Emperor-Thorns-Spiltalbum aus dem Jahre 1998 waren nach langer Pause die ersten Lebenzeichen von Thorns zu hören. Neben den beiden beachtlichen Neukompositionen 'Melas Khole' und 'The Discipline of Earth' wußte vor allem die Neueinspielung von 'Ærie Descent' zu begeistern. Der unglaublich kalte Gitarrensound und der elitĂ€re Anstrich entschĂ€digte ein wenig fĂŒr das lange Warten. Zwei Jahre spĂ€ter erschien dann auf der Label-Compilation von Moonfog einen neue Version von 'You that Mingle May', das bis dahin nur den Besitzern der Grymyrk-Rehearsel-Tapes bekannt gewesen sein dĂŒrfte, und 'Stellar Master Elite'. Parallel dazu wurde zudem - 11 Jahre nach der BandgrĂŒndung - das DebĂŒt-Album in Aussicht gestellt, welches dann auch tatsĂ€chlich im darauffolgenden Jahr erschien.
Auf 'Thorns' verschmilzt boshafter Black Metal mit der unmenschlichen KĂ€lte des Industrial zu einer Synthese von bisher noch nie gehörter QualitĂ€t. Das Gitarrenspiel wechselt in beĂ€ngstigender Leichtigkeit zwischen rauschhaften Riffteppichen und abgehackt stampfenden Dröhnen. Letzteres dĂŒrfte dem Hörer vor allem im zweiten StĂŒck 'World Playgorund Deceit' bleischwer in den Ohren liegen. Die Mischung aus ungeschliffener Rohheit und mechanischer PrĂ€zision, die stets das GefĂŒhl von Unantastbarkeit aufkommen lĂ€ĂŸt, dĂŒrfte in dieser Form unerreicht sein.
SpĂ€testens wĂ€hrend des dritten StĂŒcks 'Shifting Channels' wird man dann das erste Mal einer geradezu unheiligen Allianz gewahr: nach unheilvoll leisen und dĂŒsteren KlĂ€ngen wird die trĂŒgerische Ruhe rhythmisch vom GerĂ€usch aufeinander krachenden Metalls unterbrochen. Kurz darauf gesellen sich tonnenschwere Gitarren hinzu, die sich mal zĂ€h ĂŒber das stĂ€hlerne GerĂŒst ergießen, mal fĂŒr einige Take aussetzen, um dann wieder in eigenartig hintergrĂŒndigem Stakkato zuschlagen. Am Ende beschwören die KlĂ€nge vom Anfang wieder fĂŒr einige Sekunden Ruhe herauf.
Eine Ruhe die nicht lange anhĂ€lt, denn mit 'Stellar Master Elite' untermauern Thorns anschließend gewaltsam ihren Anspruch auf Unangreifbarkeit. Der selbstherrliche Text in Verbindung mit dem frĂ€senden Riffing macht 'Stellar Master Elite' zu einem bemerkenswert herrischem StĂŒck. Auch der Gesang von Satyr, Chef bei Satyricon und dem Label Moonfog, lĂ€ĂŸt keinen Zweifel am elitĂ€ren SelbstverstĂ€ndnis der Band. Neben ihm kommen auf diesem Album auch noch Aldrahn von DĂždheimsgard (DHG)und das einzig verbliebene Thorns-GrĂŒndungsmitglied Snorre zum Einsatz am Mikrofon. Die Stimmen der drei fĂŒgen sich Ă€ußerst gewinnbringend in den Thorns-Sound ein, unterscheiden sich jedoch nur graduell. Allein die Leistung von Snorre im letzten StĂŒck ragt heraus. Dazu aber spĂ€ter mehr.
Das nun folgende zweiteilige 'Underneath the Universe' beginnt - Ă€hnlich wie 'Playground Deceit' - mit dĂŒsteren und gleichförmigen KlĂ€ngen und wird dann nach einer Minute durch ein langsam einsetzendes Intermezzo aus diabolisch-monotonen Gitarren und Hellhammers beinahe militĂ€rischem Schlagzeugspiel unterbrochen, bevor der Raum wieder von dunklen Schwaden synthetischer KlĂ€nge erfĂŒllt wird. Nach insgesamt ĂŒber sieben Minuten kĂŒndet ein zaghaft anschwellender Ton von Unheil und wird, kaum hat man ihn inmitten der Monotonie bemerkt, von rhythmischen Gitarren und Schlagzeug, apokalptischen Synthesizer und fauchenden Stimmen erdrĂŒckt. Am Ende verblasst das Rhythmus-Gespann aus Schlagzeug und Gitarren und die SynthesizerklĂ€nge beschließen triumphierend ein grausames StĂŒck.
'Interface of God' ist danach um einiges dynamischer als die vorherigen Titel, wirkt zu Beginn des letzten Drittels geradezu leichtfĂŒĂŸig. Diese Leichtigkeit wird aber alsbald wieder von der unbarmherzigen RadikalitĂ€t des mechanischen Gitarren- und Schlagzeugspiels niedergestampft, um jener Boshaftigkeit Platz zu schaffen, die bis zu diesem Zeitpunkt das gesamte Album beherrscht hat.
Der Höhepunkt dieser Stimmung wird pĂŒnktlich im letzten StĂŒck erreicht. 'Vortex' beginnt mit einem leisen gewitterwolkenartigen Klangteppich. Nach kurzer Zeit setzen rhythmische KlĂ€nge ein. ZunĂ€chst abgrundtief vom Synthesizer, kurz darauf mechanisch auch vom Schlagzeug. Gleichzeitig erfĂŒllt eine dunkle, beschwörende Stimme den Raum, begleitet von aufflammenden maschinellen Tönen. Alsbald werden auch dezent grollende Gitarren im Klangdickicht hörbar. Nach einigen Takten verschwinden Sie wieder, setzen wieder ein und gehen unvermittelt in einen hypnotischen Sturm aus bleiernen Riffs ĂŒber. Doch Ă€hnlich unberechenbar wie die Gitarren einsetzen, lassen sie wieder Raum fĂŒr das tranceartige Gespinst aus Dunkelheit, Rhythmus und Stimmen. Nach einem letzten, ausgedehnten Tosen der Gitarren, zum Ende hin beleitet von rasend donnernden Basedrums, lassen einige wenige Keyboard-KlĂ€nge das StĂŒck und das Album in Ruhe vergehen. Grandios.
Thorns haben mit ihrem Debut ein originelles, ja geradezu unverwechselbares und intensives Album geschaffen, das fĂŒr mich zu den besten Veröffentlichungen des Jahres 2000 zĂ€hlt. Es mag neben Satyricons 'Rebel Extravaganza' als Beweis dafĂŒr gelten, daß Black Metal mit einer wohldosierten Prise MaschinenkĂ€lte einen fruchtbaren NĂ€hrboden fĂŒr hervorragende Musik ergeben kann.

Deadleft am 10.04.2004




Titelliste

01. Existence
02. World Playground Deceit
03. Shifting Channels
04. Stellar Master Elite
05. Underneath The Universe
06. -part 2
07. Interface To God
08. Vortex


Spielzeit

48:11 min


Erscheinungsjahr

2001


Label



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