Tod und Verderben seit MCMXCVI! Suchen | Kontakt | Impressum
Kopfbild
Startseite | T | Thorns | Thorns

.:: True :: UnTrue ::.

» Schnellauswahl «
A B C D
E F G H
I J K L
M N O P
Q R S T
U V W X
Y Z Andere
Splits Sampler

Berichterstattung
  · Konzertberichte
  · Konzertfilme
  · Gespräche
  · Hören & Sehen
  · Streitfälle

Vönger
  · Kommerz   · Personal
  · Marschmusik
  · Selbstdarstellung
  · Familienalbum
  · Karriere

» Schnellsuche «

Thorns # Thorns

Cover: Thorns # Thorns

Auf dem Emperor-Thorns-Spiltalbum aus dem Jahre 1998 waren nach langer Pause die ersten Lebenzeichen von Thorns zu hören. Neben den beiden beachtlichen Neukompositionen 'Melas Khole' und 'The Discipline of Earth' wußte vor allem die Neueinspielung von 'Ærie Descent' zu begeistern. Der unglaublich kalte Gitarrensound und der elitäre Anstrich entschädigte ein wenig für das lange Warten. Zwei Jahre später erschien dann auf der Label-Compilation von Moonfog einen neue Version von 'You that Mingle May', das bis dahin nur den Besitzern der Grymyrk-Rehearsel-Tapes bekannt gewesen sein dürfte, und 'Stellar Master Elite'. Parallel dazu wurde zudem - 11 Jahre nach der Bandgründung - das Debüt-Album in Aussicht gestellt, welches dann auch tatsächlich im darauffolgenden Jahr erschien.
Auf 'Thorns' verschmilzt boshafter Black Metal mit der unmenschlichen Kälte des Industrial zu einer Synthese von bisher noch nie gehörter Qualität. Das Gitarrenspiel wechselt in beängstigender Leichtigkeit zwischen rauschhaften Riffteppichen und abgehackt stampfenden Dröhnen. Letzteres dürfte dem Hörer vor allem im zweiten Stück 'World Playgorund Deceit' bleischwer in den Ohren liegen. Die Mischung aus ungeschliffener Rohheit und mechanischer Präzision, die stets das Gefühl von Unantastbarkeit aufkommen läßt, dürfte in dieser Form unerreicht sein.
Spätestens während des dritten Stücks 'Shifting Channels' wird man dann das erste Mal einer geradezu unheiligen Allianz gewahr: nach unheilvoll leisen und düsteren Klängen wird die trügerische Ruhe rhythmisch vom Geräusch aufeinander krachenden Metalls unterbrochen. Kurz darauf gesellen sich tonnenschwere Gitarren hinzu, die sich mal zäh über das stählerne Gerüst ergießen, mal für einige Take aussetzen, um dann wieder in eigenartig hintergründigem Stakkato zuschlagen. Am Ende beschwören die Klänge vom Anfang wieder für einige Sekunden Ruhe herauf.
Eine Ruhe die nicht lange anhält, denn mit 'Stellar Master Elite' untermauern Thorns anschließend gewaltsam ihren Anspruch auf Unangreifbarkeit. Der selbstherrliche Text in Verbindung mit dem fräsenden Riffing macht 'Stellar Master Elite' zu einem bemerkenswert herrischem Stück. Auch der Gesang von Satyr, Chef bei Satyricon und dem Label Moonfog, läßt keinen Zweifel am elitären Selbstverständnis der Band. Neben ihm kommen auf diesem Album auch noch Aldrahn von Dødheimsgard (DHG)und das einzig verbliebene Thorns-Gründungsmitglied Snorre zum Einsatz am Mikrofon. Die Stimmen der drei fügen sich äußerst gewinnbringend in den Thorns-Sound ein, unterscheiden sich jedoch nur graduell. Allein die Leistung von Snorre im letzten Stück ragt heraus. Dazu aber später mehr.
Das nun folgende zweiteilige 'Underneath the Universe' beginnt - ähnlich wie 'Playground Deceit' - mit düsteren und gleichförmigen Klängen und wird dann nach einer Minute durch ein langsam einsetzendes Intermezzo aus diabolisch-monotonen Gitarren und Hellhammers beinahe militärischem Schlagzeugspiel unterbrochen, bevor der Raum wieder von dunklen Schwaden synthetischer Klänge erfüllt wird. Nach insgesamt über sieben Minuten kündet ein zaghaft anschwellender Ton von Unheil und wird, kaum hat man ihn inmitten der Monotonie bemerkt, von rhythmischen Gitarren und Schlagzeug, apokalptischen Synthesizer und fauchenden Stimmen erdrückt. Am Ende verblasst das Rhythmus-Gespann aus Schlagzeug und Gitarren und die Synthesizerklänge beschließen triumphierend ein grausames Stück.
'Interface of God' ist danach um einiges dynamischer als die vorherigen Titel, wirkt zu Beginn des letzten Drittels geradezu leichtfüßig. Diese Leichtigkeit wird aber alsbald wieder von der unbarmherzigen Radikalität des mechanischen Gitarren- und Schlagzeugspiels niedergestampft, um jener Boshaftigkeit Platz zu schaffen, die bis zu diesem Zeitpunkt das gesamte Album beherrscht hat.
Der Höhepunkt dieser Stimmung wird pünktlich im letzten Stück erreicht. 'Vortex' beginnt mit einem leisen gewitterwolkenartigen Klangteppich. Nach kurzer Zeit setzen rhythmische Klänge ein. Zunächst abgrundtief vom Synthesizer, kurz darauf mechanisch auch vom Schlagzeug. Gleichzeitig erfüllt eine dunkle, beschwörende Stimme den Raum, begleitet von aufflammenden maschinellen Tönen. Alsbald werden auch dezent grollende Gitarren im Klangdickicht hörbar. Nach einigen Takten verschwinden Sie wieder, setzen wieder ein und gehen unvermittelt in einen hypnotischen Sturm aus bleiernen Riffs über. Doch ähnlich unberechenbar wie die Gitarren einsetzen, lassen sie wieder Raum für das tranceartige Gespinst aus Dunkelheit, Rhythmus und Stimmen. Nach einem letzten, ausgedehnten Tosen der Gitarren, zum Ende hin beleitet von rasend donnernden Basedrums, lassen einige wenige Keyboard-Klänge das Stück und das Album in Ruhe vergehen. Grandios.
Thorns haben mit ihrem Debut ein originelles, ja geradezu unverwechselbares und intensives Album geschaffen, das für mich zu den besten Veröffentlichungen des Jahres 2000 zählt. Es mag neben Satyricons 'Rebel Extravaganza' als Beweis dafür gelten, daß Black Metal mit einer wohldosierten Prise Maschinenkälte einen fruchtbaren Nährboden für hervorragende Musik ergeben kann.

Deadleft am 10.04.2004




Titelliste

01. Existence
02. World Playground Deceit
03. Shifting Channels
04. Stellar Master Elite
05. Underneath The Universe
06. -part 2
07. Interface To God
08. Vortex


Spielzeit

48:11 min


Erscheinungsjahr

2001


Label



Vergleichbarer Ohrenschmaus



Splits mit Thorns



.:: zurück :: nach oben ::.

© 1996-2012 Vönger
erstellt durch dunkelland - metalArt
Unser RSS-Feed Get Firefox