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Satyricon # Rebel Extravanganza

Cover: Satyricon # Rebel Extravanganza

Was konnte man nach den letzten beiden Mini-Alben 'Megiddo' und 'Intermezzo II' erwarten? Bestimmt nicht wenige hatten sich auf ein, den derzeitigen Industrial-Str├Âmungen nicht vollends verschlie├čendes, modernes Album mit maschinellen Einschl├Ągen oder Ambient-Einfl├╝ssen eingestellt. Auch ich hatte zugegebenerma├čen diese Hoffnungen. Eine Band, die ein Album wie 'Nemesis Divina' geschaffen hatte, m├╝├čte doch mit etwas Gl├╝ck und erw├Ąhnten Zuateten, das Standardwerk des 'industrialisierten' Black Metals vor der Jahrtausendwende schaffen!? Doch weit gefehlt. Satyricon und speziell Satyr lassen sich weder von Fans noch von irgendjemandem sonst limitieren. Satyr selbst ist es, der den jeweils neuen Sartyricon-Standard festlegt. Er allein bestimmt den Kurs und die Geschwindigkeit. Schon der Titel 'Rebel Extravaganza' auf eine Weigerung hin, Weisungen von au├čen zu akzeptieren. Die darauf enthaltene Musik steht dem in nichts nach.
Satyr inszeniert seine Vorstellungen, und nur diese, mit einfachen aber unglaublich wirkungsvollen Mitteln. Die Gitarrenriffs, eine der tragenden S├Ąulen auf diesem Album, erreichen keine neuen Dimension der Komplexit├Ąt. Vielmehr ist es hier gelungen, durch den Wechsel von geschickt, weil ungew├Âhlich, arrangierten Titeln wie 'Filthgrinder' und eigentlich simplen, aber umso durchschlagenderen Songs wie 'Havoc Vulture', ein abwechslungsreiches und durch und durch h├Ârenswertes Album zu schaffen. Den H├Âhepunkt findet 'Rebel Extravaganza' meiner Meinung nach im sechsten St├╝ck 'Supersonic Journey'. Hier finden sich die gr├Â├čten Parallelen zu 'Nemesis Divina', die zusammen mit den nichtsdestotrotz zu sp├╝renden modernen Elementen ein wirklich beachtliches Konglomerat aus fr├╝h-Sartyriconscher Atmosph├Ąre und neuzeitlicher Extravaganz ergeben.
In diesem Zusammenhang sei erw├Ąhnt, da├č, wer sich viele Effekte gew├╝nscht hat, auf diese zwar nicht v├Âllig verzichten mu├č, sich jene aber erarbeiten mu├č. Neben einigen wenigen Keyboardeins├Ątzen ('Prime Evil Renaissance') und Gitarreneffekten ('A Moment of Clarity') sind vor allem diverse Stimm-Effekte offensichtlich. Satyr bedient sich in dieser Hinsicht verschiedener Verzerr-Effekte, die aber quantitativ hinter dem typischen narrativ-gepressten Gesang zur├╝ckstehen. Die zeitweise zu h├Ârende unverzerrte, tiefe Stimme Satyrs und das experimentelle Instrumental 'Down South, Up North' erinnern ├╝brigens frappierend an Thorns auf deren Spilt-Album mit Emperor, was allerdings kaum verwundert, schlie├člich ist eben gerade Satyr vollertiger Mitstreiter bei dieser Band.
Zwar gibt es hinsichtlich der Atmosph├Ąre mit 'Supersonic Journey' noch einen, den Fr├╝hwerken in Ans├Ątzen verwandten Song, im Ganzen aber betrachtet, vollzieht sich auf 'Rebel Extravaganza' ein Wechsel, weg vom Mystischen hin zur musikalischen Umsetzung von St├Ąrke und Willenskraft. Satyr pr├Ąsentiert sich mit dieser Ver├Âffentlichung als selbstbewu├čter und unbeugsamer Mensch, der seine (fragliche) ├ťberlegenheit stets ├╝berlegt zu untermauern versucht. Er ist d├╝rfte sicherlich kein in allen Belangen umg├Ąnglicher Mensch sein, ein interessanter ist er aber wahrscheinlich allemal.
Den erw├Ąhnten Eindruck von Kraft auf 'Rebel Extravaganza' erw├Ąchst zu einem nicht unerheblichen Teil aus dem Drumming von Frost. Sein mechanisch wirkendes Spiel unterst├╝tzt den Gesamtsound auf vorbildliche Weise. Allein aber die Geschwindigkeit ist schier unglaublich und d├╝rfte sogar den bisherigen inofiziellen Rekordhalter 'Battles in the North' von Immortal in den Schatten stellen. An dieser Stelle sei einmal der Genu├č des letzten St├╝ckes 'The Scorn Torrent' zu empfehlen: Ein wirklich gro├čartiger Titel, in allen Belangen. Doch das hier, sofern man Frost Glauben schenken mag, garantiert mit seinen eigenen Armen, und nur diesen, erzeugte Tempo, ist schlicht und einfach ├╝berw├Ąltigend.
Die Produktion ist abermals sehr gut ausgefallen, erreicht aber meines Erachtens nach nicht ganz die Klasse des Vorg├Ąngers. Die einzelnen Gitarrensoli stehen f├╝r meinen Geschmack etwas zu sehr im Hintergrund. Dies ist aber bis jetzt der einzige Kritikpunkt an diesem Album, selbst das Artwork ist ein wahrer Augenschmaus. Diesbez├╝glich empfehle ich, wenigstens mal einen Blick auf die LP-Variante zu werfen. Man mu├č dort zwar leider auf einige wirklich gute Bilder verzichten, daf├╝r ist aber das Cover, f├╝r das ein anderes Bild, als f├╝r die CD-Variante benutzt wurde, neben dem offensichtlichem Gr├Â├čenvorteil, besonders gelungen, da hier der Bandschriftzug und der Albumtitel nicht so viel Platz wie auf dem normalen Booklet einnehmen. Bei erw├Ąhnter LP wird ├╝brigens der Song 'The Scorn Torrent' auf einer seperaten, einseitig bespielten 12' mitgeliefert, was mich etwas verwundert hat. Ansonsten bleibt nur zu sagen: 'Rebel Extravaganza' ist ein w├╝rdiger Nachfolger f├╝r 'Nemesis Divina'. In nahezu jeder Hinsicht.

Deadleft am 09.04.2004




Titelliste

01. Tied In Bronze Chains
02. Filthgrinder
03. Rhapsody In Filth
04. Havoc Vulture
05. Prime Evil Resistance
06. Supersonic Journey
07. End Of Journey
08. A Moment Of Clarity
09. Down South, Up North
10. The Scorn Torrent


Spielzeit

64:00 min


Erscheinungsjahr

1999


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