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Mayhem # Grand Declaration of War

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Mit der Veröffentlichung des Debuts 'De Mysteriis Dom Sathanas' 1993 schien die kurze aber heftige Karriere von Mayhem auch schon beendet. Die Ermordung Euronymous' bedeutete gleichzeitig auch die Auflösung der Band, ein zweites Studioalbum schien undenkbar. Doch fünf Jahre nach dem Wiederaufleben der Band und sieben Jahre nach 'De Mysteriis Dom Sathanas' liegt nun endlich der Nachfolger vor. Und der ist in gewissem Sinne extrem aber gleichzeitig auch streitbarer denn je.
Das erste Stück 'A Grand Declaration of War' beginnt mit dem letzten Riff von 'Wolf's Lair Abyss' und definiert das Mini-Album von 1997 nachträglich zum ersten Teil eines dreiteiligen Konzepts, das jetzt auf 'Grand Declaration of War' fortgesetzt und abgeschlossen wird. Dieses erste Stück ist ein seltsam konstruiert wirkendes Intro mit marschierendem Schlagzeug und einer von Maniacs krächzender Sprechstimme vorgetragener 'Kriegserklärung'. 'In the Lies Where Upon you Lay' trägt auch jenen prologhaften Charakter in sich und fällt vor allem durch Maniac auf, der seine Zeilen zumeist mit einer gewaltigen Überdosis Pathos in der Stimme vorträgt. 'A Time to Die' ist dann ein sehr kurzes und extrem schnelles Stück, das in seinem verkrampft technischem Anspruch lediglich einem nützt: Hellhammer. Das letzte Stück des zweiten Teils 'View from Nihil' beginnnt mit militärischem Rhythmus und einer megaphonartig proklamierenden Sprechstimme. Danach entwickelt es sich mit flottem und technischem Riffing und kunstvollen Schlagzeugfiguren zum großen Bruder von 'A Time to Die'. Die ersten vier Stücke auf diesem Album haben einen großen Schwachpunkt: Sie wirken in ihrer Komposition regelrecht konstruiert und gewissermaßen seelenlos. Darüber können auch die hervorragenden Einzelleistungen der einzelnen Musiker nicht hinwegtäuschen.
Der mit 'Il Principe' überschriebene dritte Teil beginnt mit 'A Bloodsword and a Colder Sun', welches gleichzeitg auch das erste fehlgeschlagene Mayhem-Experiment auf diesem Album bezeichnet. Mit synthetisch-monotonem Rhythmus, einigen wenigen Effekten, kurzen Riffs und einer mal flüsternden mal roboterhaften Stimme haben Mayhem ein in Ansätzen zwar maschinell-kaltes, nichtsdestotrotz aber mißratenes Stück geschaffen. Vielleicht liegt es an dessen Uneindeutigkeit. Die Atmosphäre in 'A Bloodsword and a Colder Sun' bewegt sich irgendwo zwischen industrieller Emotionslosigkeit und flüsternd-betulicher Sanftheit. Mit dem nun folgenden 'Crystallized Pain in Deconstruction' begeben sich Mayhem wieder auf gefährliches Terrain. In diesem Stück versucht sich Maniac im Sprechgesang, wie man ihn von zahllosen HipHop-Alben kennt. Garm von Arcturus hat auf dem Remix-Album bewiesen, daß das durchaus funktionieren kann. Maniac hingegen zerstört das Potential durch den extrem pathetischen Anstrich in seiner Stimme. Glücklicherweise nimmt dieser Sprechgesang nicht allzu viel Raum in diesem Stück ein. Übrig bleibt dann ein abermals gekünstelt wirkender Song mit Maniacs keifender Stimme, leicht apokalyptisch-chaotischem Einschlag und exzellentem Schlagzeugspiel. Das vorletzte Stück 'Completion in Science of Agony' stellt für mich den unbestrittenen Höhepunkt des Albums dar. 'Completion in Science of Agony' ist ein unglaublich intensiver, doomiger Song mit transparenter Struktur und atemberaubend düsterer Atmosphäre. Immer wenn man glaubt, den Trauermarsch überstanden zu haben, schleppt sich das Stück mit einigen wenigen Riffs weiter, um dann eine zunehmend boshafte aber nichtsdestotrotz unaufdringliche Stimmung heraufzubeschwören. Nach einer weiteren Kunstpause füllt sich der Raum plötzlich mit rhythmischen, unendlich kalten Maschinengeräuschen, nach einigen Momenten dann zusätzlich mit einem choralen Gesang und Maniacs keifender Stimme. Zum Schluß setzen noch einmal alle Instrumente ein und beschließen einen großartigen Song in einem würdigen Finale. Das Schlußlicht 'To Daimonion' entpuppt sich nach einem kurzen Vocoder-Intro als punkig angehauchter Rausschmeißer, der in seiner - für dieses Album untypischen - Schlichtheit zum Schluß hin noch einmal kurz Freude bereitet.
Nur halbherzig versteckt findet man dann noch einen zweiten Teil zu 'Completion in Science of Agony', denn man sich aber auch hätte sparen können. Die zirka zweiminütige Sequenz - als eigenständigen Titel kann man es nicht bezeichnen - wirkt aus dem Zusammenhang gerissen und bietet nichts Neues.
Neben 'Completion in Science of Agony' hat dieses Album noch einen zweiten großen Pluspunkt: Hellhammer präsentiert hier gewissermaßen sieben Lehrstücke der Schlagzeugspielkunst und kann damit ausführlich seine Ausnahmestellung im Black Metal unter Beweis stellen.
Was ist also von Mayhem der späten Achtziger/frühen Neunziger übrig geblieben? Mehr als man zunächst glauben mag. Sicherlich, musikalisch hat das zweite Album wenig mit den ersten Veröffentlichungen zu tun. Doch wie Mayhem damals mit 'Deathcrush' dem etablierten Death Metal einen gewaltigen Fausthieb verpaßten, so bieten sie im Jahr 2000 mit 'Grand Declaration of War' eine Alternative zum gemeinhin akzeptierten Black Metal Einheitssound an. Und ähnlich wie 1986 zeigen Mayhem wieder ihre Einzigartigkeit und Rebellion, indem sie all jene vor den Kopf stoßen, die ein Album mit den typischen Zügen der Band erwartet oder ersehnt hatten.

Deadleft am 09.04.2004




Titelliste

01. A Grand Declaration Of War
02. In The Lies Where Upon You Lay
03. A Time To Die
04. View From Nihil
05. Il Principe


Spielzeit

45:52 min


Erscheinungsjahr

2000


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