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Devin Townsend # Physicist

Cover: Devin Townsend # Physicist

Jau Leute, der Meister hat wieder zugeschlagen! Gespannt war ich ja schon lange, was Devin nach seinem freiwilligen Aufenthalt in der Klappse aus seinem verworrenen Hirn rausschütteln würde.
Das Ergebnis: das Warten hat sich gelohnt! 'Physicist' ist wieder eine Offenbarung ohne Ende. Es ist einfach überwältigend, was der Kerl da unter seinem Solo-Projekt für einen gelungenen Stil-Mischmasch auf Silber bannt.
Angekündigt wurde ja schon länger, dass die neue Solo-Scheibe die Melodien von 'Infinity' mit der Härte seiner Industrial/Thrash-Band Strapping Young Lad kombinieren wuerde. Wobei IMHO auch auf den Strapping-Scheiben immer eine superfette Portion Melodie vorhanden war.
Schon der Opener 'Namaste' bricht aus allen Richtungen auf den Hörer ein, die Klangspuren addieren sich in ungeahnte Höhen - aus der vollen Breitseite sind einzelne Stimmen kaum noch auszumachen. Ein gigantischer Klang steht taktelang im Raum und scheint gar nicht aufzuhören. Devins Stimme gesellt die Lead-Vocals dazu, die über alldem thronen. Dazu ein absolut obergeiler Refrain - der Kerl hat eine Stimme, das ist einfach nicht mehr wahr. Gene Hoglan von seiner Strapping Young Lad Mannschaft sorgt für amtliches Turbodrumming feinster Sorte. Die ersten Songs haben eine ungewohnte Härte für Devins Solo-Projekt. Fresse nee, wenn das das kreative Solo-Projekt sein soll, dann wird uns mit der nächsten Strapping Young Lad Scheibe ein finaler Schlag erwarten - wobei ich schon nach 'City' kaum mehr kontrollierbare Härte für möglich halte.
Erst 'Material' lockert die brachialen Gitarren durch fast popartige Melodien und Hooks auf, und in 'Kingdom' fängt er endlich an, anstrengend zu werden. Anstrengend im positiven Sinne, denn ein Grossteil des Infinity-Materials wartete auch viele Runden darauf, entdeckt zu werden.
Völlig im Stil von Strapping Young Lad geht's weiter - totales Geprügel, komplex im Rhythmus, derber Lärm mit derbem Gebrülle. 'Death' ist mit Abstand das härteste Stück Krach, welches Devin jemals unter seinem eigenen Namen veroeffentlichte. Abgefahren. 'Devoid' oder 'The Complex' dürften darüberhinaus einige Live-Qualitäten besitzen.
Erst gegen Ende holt Devin wieder seine verspielten Hooks raus. 'Irish Maiden' ist schweinecool, und das blöde Gequäke am Anfang verbunden mit den arabisch/indiemässigen/poppigen Vocals müssten Starrkopf-Metaller eigentlich hassen - wenn es nicht so gekonnt und bekloppt rüberknallen würde!
Devin beendet die CD noch in diesem, Infinity am nächsten kommenden, Stil und wird immer beruhigender in seinen Klanggefügen. Nach dem brachialen Anfang findet man etwas Ruhe, wobei der Kontrast sehr hart ausfällt. 'Planet Rain' trägt einen weit, weeeeeiiiiit weg....
Einen Bonustrack gibt's dann auch noch, aber - ehrlich gesagt - ist er mir nach 5-maligem Hören immer noch zu abgedreht. Ich bin gewiss kein Primus-Fan, aber diese kranke Schnapsidee hätte teilweise auch von einem Les Claypool stammen können. Egal. Irre ist irre, und genial ist genial. Devin ist beides, und hier wird nicht gemeckert.
Zu erwähnen wäre noch die absolut fantastische Produktion dieser Scheibe sowie eine Menge an Bonus-Material (Statements, Infos, Fotos etc.) auf dem CD-ROM-Track, die ihresgleichen sucht! Wer aber mit diesem Werk seinen Devin-Townsend-Erstversuch startet, muss einiges an Geduld mitbringen. Sie ist intensiver als 'Infinity', wenn auch nicht ganz so verspielt. Aber in jedem Fall eine Scheibe, die die Musikszene bereichert.

Stefan Machwirth am 09.04.2004




Erscheinungsjahr

2000


Label



Vergleichbarer Ohrenschmaus



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