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Freßt Mutter Marias Scheiße, ihr Techniker!

Bifrost Festival 2008

Grabak, Paragon Belial, Tavaron, Cerberus, Gargantum, Impurety

Ort: Oberhausen / Helvete
Datum: 22.03.2008


Nach langer Konzertabstinenz war es wieder an der Zeit, die Ohren mit Live-Musik zu verwöhnen. Dazu wurde das Bifrost Festival in Oberhausen auserkoren, an dem neben einigen von mir bekannten Musikkappellen auch Paragon Belial teilnahmen, deren Album 'Hordes of the Darklands' ich seit langem in Ehren halte. Bei österlichen Minusgraden betrat ich pünktlich und für zehn Euro die Lokalität in Oberhausen. Es offenbarte sich mir ein großzügiger Pub mit Billard und Fußballkicker. Der Konzertsaal befand sich im Keller des Wohnhauses und war für die Größe angemessen.
Wie schon traurige Regelmäßigkeit, so begann auch hier das Konzert zirka eine Stunde verspätet. Die erste Gruppe Impurety wollten später anfangen, da nur wenig Publikum anwesend war. Durch diese Quengelei zog sich der Beginn bis 20.00 Uhr hin und kostete die nachfolgenden Gruppen Spielzeit. Als sie dann loslegten, spielten die Jungs ein szenetypisches Gemenge aus vorwiegend Black Metal, jedoch ohne sonderliche Akzente zu hinterlassen. Gleiches galt auch für die darauffolgenden Gargantum. Diese waren etwas härter in der Spielart, jedoch konnten sie das Publikum, welches sich nicht sonderlich vermehrt hatte, nicht zum Headbangen animieren. Zwar wurden provokativ zwei frisch geschlachtete Tierschädel präsentiert um die Stimmung zu heben, allerdings war die Musik nur Durchschnitt.
Die durch den verzögerten Anfang entstandene Zeitnot wurde dadurch beglichen, daß bei den kommenden Gruppen - welche technisch um Längen besser waren - gekürzt wurde. Im Schnitt mußten 2-3 Stücke pro Band entfallen damit der ursprüngliche Zeitplan annähernd eingehalten werden konnte. So erging es auch Cerberus, die zu Beginn auch noch technische Probleme mit dem Sound hatten. Sie kürzten ihre Setlist um vier Stücke und spielten nur noch rund 30 Minuten - wogegen sich die vorigen und nachfolgenden Gruppen zuweilen auf knapp 50 Minuten ausdehnen konnten. Nachdem einer der drei Techniker hinterm Pult es geschafft hatte, auch das zweite Mikrofon in Gang zu setzen, konnte die Gruppe anfangen. Seit meinem letzten Konzert mit der Gruppe hatte sich ein zweiter Sänger hinzugesellt, allerdings fehlte hier das Cello, welches neuerdings auch zur Band gehört. Nichtsdestotrotz bestritt Cerberus das Konzert in routinierter Weise und konnte mit dem variablen, teils emotional wehklagendem Gesang zumindest Teile der Besucher begeistern. Von den etwa 130 Personen zogen es die meisten vor, lieber in der Kneipe zu Saufen. Im Saal waren dann maximal 50 Leute, wobei viele davon auch die Musiker selbst oder deren Freunde waren.

Paragon Belial
Paragon Belial



Um 23.00 Uhr folgte die vierte Gruppe des Abends: Tavaron. Ihre Marketingstrategie beruhte auf der Wirkung von Blut (oder ähnlichen Flüssigkeiten). Die Bandshirts sind weiß mit Blut, die Internetseite sowie die Texte schwimmen auch darin und der Sänger besudelte sich während des Auftritts mit demselben. Von der 2004er CD 'Suizid' war mir die Musik schon bekannt, allerdings ist sie dort etwas langsamer als auf dem Konzert. Die neuen Stücke handeln denn auch von Schmerz, Tod und allerlei Torturen. Die ersten Headbanger trauten sich dann auch vor die Bühne und kreisten das Haupt zu den teils schleppenden, teils schnellen Elementen der Stücke. Während des Abends filmten zum Teil drei Kameras die Auftritte der Bands. Daraus soll dann eine Dokumentation entstehen, welche mit den Klischees der Szene aufräumt. Zumindest hatten auch sie Probleme mit der kargen Beleuchtung der Bühne. Die Scheinwerfer waren über den Köpfen der Musiker angebracht, wodurch nur das Schlagzeug gut ausgeleuchtet werden konnte (hätte man es denn gemacht) und die Musiker am Bühnenrand blieben im Dunkeln stehen. Die Kameraleute hatten dann ein selbst mitgebrachtes kleines Spotlicht aufgestellt, um filmen und fotografieren zu können. Mir blieb nur übrig am Spotlicht zu schmarotzen oder die Musiker mit meinem Blitzlicht zu betäuben...
Nun kamen Paragon Belial auf die Bühne. Wie schon eingangs erwähnt, der eigentliche Grund meines Kommens. Die ersten Minuten auf der Bühne wurden damit verbracht, daß immer wieder die Techniker angetrottet kamen und meinten, die Baßgitarre wäre zu laut und daß sich die Anwohner schon beschwert hatten und die Polizei vor der Tür stehe. Das muß dann aber schon durch die Gruppen davor verursacht worden sein, denn Paragon Belial hatten noch kein einziges Stück gespielt. Nach jedem Zurückdrehen der Regler kam der Techniker zurück und wollte noch mehr abgeregelt wissen, so daß am Ende die Baßgitarre auf halber Lautstärke und ohne Bässe lief. Vielleicht lag es auch subjektiv daran, daß Paragon Belial einen anderen Verstärker benutzten. Verärgert, jedoch mit stoischer Ruhe und Galgenhumor nahm es Sänger Andras hin und begann das Konzert mit dem Schlachtruf der letzten CD: 'Freßt Mutter Marias Scheiße!'. Mit Titel wie 'Black Tears of diabolical Rage' und 'Coming of a new Dynasty' vom ersten Album konnte die Truppe nicht nur mitgebrachte Fans aus dem 'Darkened Nocturn Slaughtercult'-Dunstkreis begeistern, sondern auch noch einige der zu so später Stunde übrig gebliebenen Besucher. Der rauhe und doch eingängige Sound der Stücke übertrug die Atmosphäre des alten Black Metals in den Raum - allerdings ohne die Langeweile von monotonen 'Oldschool'-Alben. Auch die Lieder des kommenden Albums klangen ähnlich, wobei meiner Meinung nach nicht ganz so rotzig wie das alte Material. Die Gruppe könnte man aufgrund ihrer Existenz seit 1994 schon zu einer Allstar-Band zählen, wenn man sich dazu auch die anderen Projekte bzw. ehemaligen Bands der Mitglieder ansieht: Bethlehem, Shining, Kadathorn, DNS. Für mich die beste Band des Abends und auch musikalisch eine gute Umsetzung der CD. Leider mußten auch sie einige Stücke entfallen lassen, um den verkorksten Spielplan einzuhalten. Zum Schluß gab es mit 'Necromancer of the dark Valley' jedoch noch eine würdige Zugabe.
Den Schluß vor fast leerem Saal machten Grabak. Während man bei anderen Gruppen zum Teil alle Instrumente heraushören konnte, verschlechterte sich der Sound zum Ende des Konzertabends hin zusehends. Mitunter konnte man den Gesang von Grabak gar nicht mehr vernehmen und die Instrumente vermischten sich zu einem Black Metal-Klangbrei. Aber auch hier galt: Professionalität obsiegt und so wurde der Auftritt routiniert dargeboten. Die Headliner wollten gerne noch mehr von ihrem Grunz-Kreisch-Metal unters Volk bringen, aber um 2.00 Uhr wurde das Konzert dann vom Veranstalter beendet.
So bleibt denn die Erkenntnis, daß das Helvete im Inneren ein gut strukturierter Klub für Metalabende ist, aber bei der Licht- und Technikausstattung einiges im Argen liegt. Die Bands sind jedenfalls um einiges an Erfahrung reicher und ich bin ohne neues Paragon Belial-Album nach Hause - weil das erst im Mai erscheint.

Wehrmut am 24.03.2008




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