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Tod durch Ertrinken!

Party.San Open Air X (2)

Manos, Dark Funeral, Grave, Ensiferum, Misery Index, Vomitory, Hatesphere, Heaven Shall Burn, The Duskfall, Incapacity, Unleashed, Carpathian Forest, Dismember, Zyklon, Pungent Stench, Haemorrhage, Flescrawl, Cryptic Wintermoon, Negator, Endstille, Gorerotted, Sinners Bleed, Purgatory, Disfear, Golem, Suffering Souls

Ort: Bad Berka / Flugplatzwiese
Datum: 12.08.2004 bis 14.08.2004


Donnerstag
Da waren wir also wieder, kaum vom Party.San 2003 zurück und schon ging es mit dem 2004er weiter. Das Billing hätte aus schwarzmetallischer Sicht besser sein können, aber man fährt ja nicht wegen der Musik sondern wegen der familiären Stimmung zum PSOA.
Also planten wir (Heiko und ich) schon am Donnerstag unser Zelt in Bad Berka aufzuschlagen, damit wir ja nichts verpassen, und Deadleft wollte am Freitagabend dazu stoßen. Nachdem mir in der Nacht zum Donnerstag auf Grund eines Wohnungseinbruches meine 'Party.San Einsatz-Tasche' inklusive sämtlicher Utensilien wie Shirts, Digicam oder Ohropax abhanden gekommen war, musste der Start am Donnerstagmorgen um einige Stunden verschoben werden. Als wir dann, nach getätigtem Einkauf, den Weg gen Bad Berka einschlugen, hatte die Uhr schon zehn geschlagen. Suchtbedingt und wegen Glasverbot auf dem Gelände brauchte Heiko noch Dosenbier, was wir dann auch an der dritten besuchten Tankstelle gefunden haben. Das war zu meinen Jugendzeiten noch einfacher...

Als wir gegen Mittag ankamen stellten wir zu unserem Entsetzen fest, dass schon alles, bzw. das, was letztes Jahr noch als Zeltgelände galt, voll belegt war. Die Besucher waren dank der günstigen Festivaltermine schon letztes Wochenende vom Wacken Open Air angereist und bevölkerten nun seit Tagen die Wiese. Nachdem ich mir meinen Presseausweis abgeholt hatte, fuhren wir zum Eingang, wo wir dann gründlich auf Glasausrüstung hin untersucht wurden. Danach konnten wir in das Gelände fahren, fuhren so dahin und waren auch schon wieder vom Gelände runter. Es war einfach nichts mehr frei. Die Kontrolleuse am Eingang staunte nicht schlecht, als sie uns wieder in der Reihe der Wartenden sah. Daraufhin wurde dann der vordere Teil des Platzes geöffnet, so dass wir unsere Zelte aufschlagen konnten. Nach einer kurzen Positionierungsphase der zwei Fahrzeuge schafften wir es dann auch, die mitgebrachte Plane zwischen beiden zu spannen, so dass wir uns darunter in Sicherheit bringen konnten. Die Sonne schien noch ziemlich stark. Noch.
Den Rest des Nachmittags verbrachten wir mit dem üblichen Festivalunternehmungen: Saufen (Heiko), Rauchen (Heiko), Bauch raushängen lassen (beide). Hier stört es keinen, hier ist man zu Hause bei 'seiner' Familie. Am frühen Abend machten wir noch einen Spaziergang über das Gelände, welches sich nun schon mit mehr Besuchern gefüllt hatte, als letztes Jahr Leute da gewesen waren. Das Maisfeld vom letzten Jahr, bevorzugter Treffpunkt allmorgendlicher Notwendigkeiten, musste einem zweiten Zeltplatz weichen. Und das am Donnerstag, wo eigentlich noch kein offizieller Festivalbeginn ist, sondern nur Musik für die gemacht wird, die schon da sind. Aber das wird sich wohl die nächsten Jahre ändern.

Zurück am Wohndomizil zogen dunkle Wolken auf und das nicht nur, weil uns die Musik dieses Abends (Suffering Souls, Golem, Disfear, Purgatory) nicht sonderlich zusagte, sondern auch weil Regen einsetzte. Und das nicht zu knapp. Zum Konzertbeginn um 21.00 Uhr regnete es schon eine Weile und nun kam auch noch starker Wind auf, so dass die ganzen Pavillon-Besitzer, zu Recht, Angst bekamen. Da standen sie nun, nass und verärgert über das Wetter und hielten ihre Pavillons fest, was jedoch meist wenig nützte. Da wir nun beschlossen hatten, nicht in das Partyzelt zu gehen (schlechte Musik und Wetter), machten wir es uns unter der Plane gemütlich. Manchmal hatte ich Angst, dass die Leute die am Pavillon hingen rüber kämen und uns verprügeln würden, so wie wir da saßen: schön im Trocknen auf Stühlen, ein reich gedeckter Tisch mit Suppen, Brot und Wurst, dazu feinste Getränke und eine Petroleumlampe, die eine heimelige Stimmung fabrizierte. Die Musik, bzw. das was wir neben dem Gewitter noch hörten, war das übliche Death Metal- und Grindcore-Geknüppel. Nach Augenzeugenberichten soll das Zelt jedoch gut gefüllt gewesen sein und denen, den diese Musik zusagt, soll es auch gefallen haben.
In Ermangelung an Alternativen und wegen allgemeiner, arbeitsbedingter Müdigkeit beschlossen wir dann, jeweils den eigenen Schlafsack zu konsultieren um am nächsten Tag fit zu sein. Auch in der Hoffnung, der Regen möge verstummen. Wohlweißlich zogen wir es jedoch vor, im Auto zu schlafen.

Ensiferum
Ensiferum




Freitag
Dies stellte sich am nächsten Morgen als gute Entscheidung heraus als wir sahen, was der Regen angerichtet hatte. Um uns herum waren die Pavillons verschwunden, alle Zelte durchnässt und die Leute krochen mit nassen Sachen aus selbigen. Man sah überall zu trocknende Kleidungsstücke hängen, liegen, flattern und durch die morgendliche Sonne konnten auch einige wieder von Nässe befreit werden. Auch unseren Zelten erging es nicht besser: tassenweise mussten wir das Wasser aus ihnen schöpfen.
Da das besagte Maisfeld verschwunden und somit außer Reichweite war, sich jedoch das am Vortag Getrunkene seinen Weg durch den Körper bahnte, musste ich auf das nächstgelegene Dixie-Klo und dort sehen, dass sich dessen Inhalt schon auf gleicher Höhe befand wie die Sitzgelegenheit. Nun, ich musste mich zum Glück nicht setzen, was hier wegen dieser mittlerweile ebenen Fläche auch keinesfalls möglich gewesen wäre. Auch die Atmosphäre in dem Häuschen veranlasste mich, meine Geschäfte lieber auf den Klos im VIP-Bereich zu tätigen. Den Umweg nahm ich gern in Kauf, zumal die Dixies dort sauber und sogar noch mit vollständigen Klopapierrollen ausgestattet waren. Für Festivalverhältnisse ein Hochgenuss! Zwar hatte diese Misere auch die Party.San Crew erkannt und am Morgen schon die Dixie-Austausch- und Reinigungswagen geholt, aber von der Anzahl der schon eingetroffenen Personen und den damit verbundenen 'Abfällen' waren sie wohl trotzdem überrascht. Wegen der überfüllten Klos und weil es wohl in der Natur des Männchens liegt, wurde gerade dort, wo man sich befand, uriniert, was in dieser Menge nicht besonders angenehm ist. Vielleicht wird es ja nächstes Jahr mehr Toiletten geben...
Auf dem Rückweg aus dem VIP-Bereich sah ich dann auch, wie das dritte Zeltlager auf der anderen Straßenseite geöffnet wurde und da fragte ich mich langsam, wie viel Leute denn noch kommen würden. Am Ende des Festivals werden es 6000 gewesen sein, was soweit ich mich erinnere 1000 mehr sind als letztes Jahr. Zurück bei den Autos versuchten wir das Beste aus der Situation zu machen was jedoch nur schwer gelang, da gegenüber die Metal-Spaß-Fraktion samt Stereokassetten/-CD-Abspielgerät und dem 'Holzmichellied' aufwartet. Da mussten wir natürlich mit Skepticism und Winter kontern. In freudiger Erwartung harrten wir der Öffnung des Festivalgeländes, um endlich die vielen Verkaufsstände begutachten zu können. Wie bereits erwähnt, waren meine Festival-Shirts weg und zum Glück hatte ich in meiner Notausstattung, wie es sich gehört, noch einige schwarze Sachen. Aber so ganz ohne Logos auf den Shirts fühlt man sich doch irgendwie nackt, also versuchte ich geeignete Waren zu kaufen. Das war allerdings ein unlösbares Unterfangen denn das was mir vorschwebte (einfaches Logo einer guten Band ohne viel Schnickschnack und vor allem bunten Bildern) gab es nicht. Beziehungsweise gibt es so etwas mittlerweile nur als Girlie-Shirt. Bedauerlich, jetzt muss man sich solche Shirts schon selbst herstellen.

An diesem Freitag begann dann um 14.45 Uhr mit Sinners Bleed die erste Band des Tages zu spielen. Die Musik war guter, druckvoller Death Metal der zu begeistern wusste. Auf Grund der Tatsache dass es die Opener waren und weil gerade die Verkaufsstände begehrte Plätze darstellten, waren noch nicht allzu viele Zuschauer anwesend, aber der harte Kern (ca. 300 Leute) jubelten der Gruppe zu, die ihren Auftritt gut vollzogen. Ausgestattet mit meiner alten Analogausrüstung zog ich dann vor die Bühne, um einige Bilder zu machen. Allerdings war ich durch die Digicam in letzter Zeit recht verwöhnt gewesen und hatte die gute alte Praktica seit dem letzten Party.San nicht mehr in der Hand gehabt. Nach gut zwei Bildern gab ich auf; die Kamera samt Objektiv war doch zu schwer für so etwas. Wie habe ich das früher nur hinbekommen, ganze Filme auf Konzerten damit zu verschießen?
Nach dem Auftritt wandten wir uns wieder den Verkaufsständen zu. Angefangen von 5 Euro Billigshirts mit entsprechend schlechtem Aufdruck, über diverse Shops (Nuclear Blast, GUC, Ketzer Rec., Grau Mailorder...) bis zu den üblichen Ständen wie Tattoo und Schmuck war wieder alles vertreten. An Speisen gab es die Brutzel Bude, den Hähnchen-Wagen, Crêpes-Stände und das Grill-Paradies.

Die zweite Band war Negator, wie Sinners Bleed aus Deutschland. Sie spielten bedeutungslosen Black Metal, den wir uns beim Einkaufen antaten. Danach kamen Cryptic Wintermoon, von denen wir uns mehr erwartet hätten. Ihren Black Metal hatten wir wohl besser in Erinnerung. Während des Auftrittes fing es dann wieder zu regnen an, weshalb wir es vorzogen ein gepflegtes Mahl am Wagen einzunehmen. Während wir unsere 5-Minuten-Suppen aßen, spielten auf dem Gelände Fleshcrawl auf. Soweit wir es hörten, wieder einmal eine Band, die nicht unser Interesse traf.
Zu Haemorrhage aus Spanien wollte ich wieder zugegen sein. Diesmal bin ich jedoch durch den normalen Eingang ins Gelände und nicht durch den VIP-Bereich. Die Leibesvisitation kannte ich ja schon aus den Jahren zuvor, allerdings wurde mir nun mein 5,8 cm großes Victorinox Taschenmesser 'Classic' zum Verhängnis, welches ich immer am Schlüsselbund trug. Ich hätte es nun entweder abgeben müssen mit wenig Hoffnung, es dann später wieder zu sehen, oder es aber zum Zelt zurück bringen sollen. Da mir nun schon mein richtiges Messer durch den Diebstahl abhanden gekommen war, zog ich es vor, es nicht abzugeben. Allerdings wollte ich auch nicht wieder zum Wagen, denn dann hätte ich womöglich den schon fortgeschrittenen Auftritt Haemorrhages verpasst. Also bin ich, mit Messer, durch den VIP-Bereich zur Bühne. Es ist zwar löblich, dass es diese Kontrollen gibt und keine Messer mit in den Festivalbereich dürfen, aber dann sollte es das auch am VIP-Eingang geben, dort konnte ich nämlich ungehindert hereinmarschieren. Ein VIP-Bändchen am Arm reicht also scheinbar aus, um mit großen Bomben im Gepäck Backstage zu gehen, aber wegen des kleinen Messers am Haupteingang gibt es Ärger.
So konnte ich dann noch ein paar Liedern der Band lauschen, welche eine gute Show ablieferten. Der blutüberströmte Sänger widmete dann noch mit den Worten 'Fuck Posers' einen Song an Spears, Aguilera und 'childfucking Michael Jackson', bevor der Auftritt mit Zugaberufen endete. Allerdings wurden keine gespielt, da der Zeitplan von der Party.San Crew streng überwacht und eingehalten wird.

Nun sollte auch schon Deadleft am Gelände eintreffen, so dass ich an der Straße wartete. Zum einen hätte er uns nie auf dem Gelände gefunden und zum anderen wäre er wohl auf den dritten Zeltplatz verwiesen worden, der nun schon, für party-sanische Verhältnisse, riesige Ausmaße angenommen hatte. Wir beschlossen nun, mein nasses Zelt ab- und seins aufzubauen. Es war aber Eile geboten, denn es fingen gerade Pungent Stench an, eine Band, denen ein gewisser Ruf vorauseilt. Als das Zelt dann endlich stand sind wir zur VIP Kasse, um auch seinen Presseausweis abzuholen. Auf dem Weg dahin tönte gerade 'Klyster Boogie' über den Zaun hinweg. Als wir dann damit fertig und vor der Bühne waren, hörten wir nur noch die Akkorde des letzten Stückes und sahen, wie eine Gitarre penetriert wurde. Tja, Pech gehabt! Aus anderen Quellen hörte ich aber, dass der Auftritt hätte besser sein können. Vielleicht sind die neuen Pungent Stench auch nicht mehr das, als was sie einst galten.

Den ersten Headliner für alle Black Metaller auf dem Festival stellten Zyklon aus Norwegen dar. Die Band aus dem Dunstfeld von Emperor begann 20.45 Uhr mit ihrem Auftritt und nunmehr war das Gelände gut gefüllt. Jedoch jetzt, eine Woche nach dem Festival, habe ich keine Erinnerung mehr an den Auftritt. Auf Grund der Tatsache, dass ich mir auch nichts notiert habe schließe ich, dass die Band bzw. die Erwartungen in den Auftritt überbewertet waren. Sie boten einen genretypischen Mix aus Black und Death Metal, jedoch ohne herausragende Glanzpunkte.
Nun folgten Dismember, Heroen alter Death-Metal-Scheiben. Ohne wirklichen Zugang und Bezug zu ihren Stücken flog der Auftritt an mir vorbei, zumindest bis wieder der Regen einsetzte. Also zurück zum Zelt und abermals Nahrung aufnehmen.

Pünktlich zum Höhepunkt, dem Auftritt von Carpathian Forest, hörte der Regen wieder auf und wir begaben uns zur Bühne. Hautnah im Fotograben könnte ich Nattefrost, den Napoleon des Black Metal, in wirklicher Aktion erleben. Seine Stücke hatten Kraft und Energie, genauso wie er selbst. Es gab ja einige Gerüchte um seine Auftritte, nach denen er auf der Bühne recht ungehalten wurde. Nun ja, die Show von ihm war nun nicht sonderlich provokativ, auch wenn er zwei 'angeblich' polnische 'Tänzerinnen' besorgt hatte, die sich auf der Bühne sowohl gegenseitig als auch Teile der Musiker liebkosten. Eine davon soll eine 16 jährige und bekokste Freundin Nattefrosts sein, jedenfalls wurden sie mit 'Samantha and Tori' vorgestellt. Neben diesen Einlagen verfing sich dann noch seine Knochenkette im Mikrophonständer, woraufhin er diese wütend auf den Boden warf und zertrat, nur um die Überreste dann ins Publikum zu werfen. Die Fans dankten es ihm. Mit Ausrufen wie 'Ich bin spermageil' (auf Deutsch) und anderen, die ich zwar nicht verstand, jedoch alle irgendwie 'Sperma' beinhalteten, hielt er die Zuhörerschaft bei Laune. Image ist eben alles. Nach einer Stunde (die beiden Headliner eines Abends haben 60 Minuten Spielzeit, alle anderen Bands 45) war der Auftritt auch schon zu Ende und für mich zählte er bis dahin, und auch für das gesamte Festival, zu den besten.

Nun kamen Unleashed, die Band die mich zum Metal gebracht hat; wenn auch anfangs nur durch das Instrumental 'Across the Open Sea'. So waren denn auch meine Erwartungen hoch gesteckt und ich war gespannt auf die Gruppe, die nun nach einiger Pause wieder aktiv geworden war. Nun ja, mich konnte der Auftritt nicht überzeugen, zumal mir nur einige Lieder von Unleashed gefallen und gerade die nicht gespielt wurden. So wartete ich bis zum Ende der Zugaben, aber mein Unleashed-Hit, 'I am God', wurde schlichtweg unterschlagen. Dabei ist das Stück doch so gut...
Aber egal, dem restlichen und zahlreichen Auditorium gefiel die Show. Die Band verstand es, die Fans zu begeistern, rief immer wieder zu Chören auf, erzählte kleine Geschichten und bedankte sich für die Unterstützung im nunmehr 15. Jahr. Bei 'Death Metal Victory' sang jeder mit, der den Text kannte. Einen Death Coversong ('Evil Dead') widmete man noch den verstorbenen Chuck Schuldiner und Quorthon. Damit endete der Freitag. Aber kein 'I am god'! Grund genug um ins Bett zu gehen und mich in den Schlaf zu weinen...


Samstag
Nachdem wir gepflegt gefrühstückt hatten, beschlossen wir, in einem nahe gelegenen Restaurant der besonderen Art Einkunft zu halten. Zum einen um sich mal mit Seife zu waschen (der diesjährige Badbesuch fiel wegen des Wetters aus), vornehmlich jedoch um die sanitären Anlagen nutzen zu können. Wie nicht anders zu erwarten, waren wir nicht die einzigen Festivalbesucher die dies vor hatten, auch die Jungs von Vomitory kehrten ein. Nachdem dies nun erledigt und wir entleert waren, kehrten wir zum Gelände zurück. Die ersten beiden Bands des Tages, Gorerotted und Incapacity, ließen wir während der zweiten Einkaufstour Revue passieren und warteten auf Endstille. Der deutsche 'Marduk-Klon', wogegen sie sich natürlich beharrlich wehren, bot soliden und druckvollen Black Metal. Nicht mehr und nicht weniger. Angesichts des Gehörten kann ich mir den Hype um die Band nicht erklären, aber Heiko meinte, die Alben wären ausgefeilter. Solange ich das nicht bestätigen kann, lass ich das mal so im Raum stehen. An diesem Tag kam auch die Sonne wieder zum Vorschein und brutzelte die Festivalbesucher, worauf die Band dann auch mehrmals mit norddeutschem Akzent meinte 'Leck mich am Arsch ist das heiß!'. Recht hatten sie, aber allemal besser als Regen.

Nach dem Auftritt ging Heiko wieder zum Auto um sich seelisch auf den Auftritt von Graveworm vorzubereiten, dem er schon seit Tagen entgegenfieberte. Wir versuchten immer noch geeignete Textilartikel zu finden, jedoch ergebnislos. Da mussten gekaufte CDs über diese Misere hinweghelfen. Während des Stöberns hörten wir The Duskfall und eine Band die deutsch konnte, obwohl es sich ablaufplanmäßig um Hatesphere aus Dänemark handeln müsste. Als sie dann noch verkündete, dass Graveworm wegen einer Wirbelverletzung ausfielen, war Heiko am Boden zerstört. Nachdem er sich, unterstützt durch eine Zigarre, wieder gefangen hatte, gingen wir zurück um Vomitory aus Schweden zu sehen. Dort erfuhren wir dann, dass es sich bei der erwähnten Band um Heaven Shall Burn handelte, eine Gruppe die auch schon auf dem allerersten Party.San zu gegen war.
Jedoch konnten auch Vomitory bei uns nicht recht punkten, so dass wir wieder zum Wagen gingen und die üblichen Festivalgespräche fortführten: Frauen, Musik, Darmprobleme und Norwegen. Aber auch die Heisenbergsche Unschärfenrelation kam nicht zu kurz. So verflog auch der Auftritt von Misery Index, Grindcore aus den zurzeit allseits beliebten USA, in Windeseile.

Ein weiterer Höhepunkt aus meiner Sicht war Ensiferum. Nachdem die Band aus Finnland einen neuen Sänger hat, boykottiert Heiko diese wegen des 'Eierkneifgesangs', so dass wir nur zu zweit zum Konzert gingen. Deadleft, auch nicht sonderlich zugeneigt zu den Humppa-Rhythmen á la Finntroll, stand eher regungslos da und starrte nach vorn, während sich die Menge begeisterte. In der ersten Reihe sahen wir dann auch die Leute mit ihren aufblasbaren Gummischwertern, -äxten, -helmen und -schilden, welche uns damit schon zuvor auf dem Zeltplatz drangsalierten. Der neue (Interims-) Sänger, Petri Landroos von Northern, hat zusammen mit den Bandmitgliedern eine gute Show hingelegt. Die Melodien lockerten die Mischung aus Grindcore-, Death- und Black Metal-Bands etwas auf und die Menge dankte es ihnen mit Begeisterung.
Obwohl uns die danach auftretenden Grave, durch einige gute Stücke in Erinnerung waren, gingen wir wieder zum Auto, um uns auf den samstäglichen Headliner Dark Funeral vorzubereiten.

Zur Geisterstunde begannen die Nordmänner mit ihrem Auftritt und spielten Hits wie 'Vobiscum Satanas', 'Armageddon Finally Comes' oder 'The Secrets Of The Black Arts'. Wobei mir die Coverversion des letzten Stückes von den Blackseed Boys besser gefällt, aber sowohl Deadleft als auch Heiko ließen sich nicht davon überzeugen. Die Show an sich war nicht überragend, wohl auch weil mich Dark Funeral nur am Rande interessiert. Im Vergleich zum letztjährigen Headliner Marduk kein Vergleich! Das war dann auch schon das Ende vom offiziellen Festivalteil, nun folgten nur noch Manos im Partyzelt.
Zehn Minuten früher als ausgeschrieben fingen sie mit ihrer Show an. Eule hatte wieder seine debile Ausstattung dabei und lief von einer Bühnenseite zur anderen und zurück, während er den Bass bediente. Ich hatte sie schon auf dem 2000er Party.San gesehen, als sie für die ausgefallenen Headliner Asphyx/Marduk einsprangen. Im Vergleich zu dieser Show hat mir die letzte besser gefallen, vielleicht lag es auch an der kleinen Bühne. Jedenfalls sind sie der krönende Abschluss so eines Festivals und die Fans im Zelt sahen das auch so. Neben ihren Grindcore-Sachen kamen natürlich die zahlreichen Coverversionen nicht zu kurz und 'Biene M.' musste sogar zweimal gespielt werden. Zwar fiel der Bass öfters aus, aber bei dieser Art von Musik tut das keinen Abbruch. Nach der x-ten Zugabe bin ich dann aufgrund der schlechten Raumluft gegangen, Manos spielten jedoch noch weit länger als bis zu der angekündigten Endzeit von 2.30 Uhr. Die Party im Zelt mit DJs ging sogar noch bis früh um sieben.


Fazit
Rückblickend lässt sich sagen, dass das diesjährige Party.San Open Air nicht so gut war wie im Jahr davor. Das lag zum einen am Wetter (wofür natürlich keiner etwas kann), aber auch an der zu sehr auf Death Metal und Grindcore ausgelegten Musikauswahl. Zudem war wohl die Menge an Leuten nicht eingeplant (siehe Dixies). Komischerweise waren auf dem Festivalgelände kaum mehr Leute als im Jahr zuvor. Vielleicht kamen auch einfach mehr 'allein stehende'. Der Sound war gut, nur stellenweise hat der Wind selbigen verstärkt oder abgeschwächt, wodurch es klang als würde jemand am Mischpult spielen.
Die Organisation war jedoch wieder gut, die Preise haben gestimmt und der Zeltplatz war in Ordnung. Gut auch, dass die Bands pünktlich anfangen und aufhören, nicht wie bei anderen Festivals wo man nur vermuten kann, wer gerade spielt. Die Festivalbesucher waren auch in Ordnung, von den 'Ich-pisse-wo-ich-gerade-stehe'-Leuten und einigen 'Absurdianern' abgesehen.
Ich bin gespannt, wie viele Leute nächstes Jahr kommen werden, dann platzt das PSOA wohl aus allen Nähten. Schon dieses Jahr haben wir einige Bekannte nicht getroffen, obwohl sie auf dem Festival waren. Damit hat das Party.San die Grenze vom gemütlichen Familienfest hin zum Kommerzfestival überschritten. Bleibt zu hoffen, dass nächstes Jahr bessere Bands kommen, denn neben Ensiferum, Carpathian Forest und Manos war für mich nicht viel Gutes zu sehen. Und falls das PSOA das Ambiente verliert, warum sollte man dann noch zu drei Bands kommen? Trotzdem ist das Party.San meiner Meinung nach immer noch das beste Festival in Deutschland.

Wehrmut am 05.06.2005




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