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Real Darkness

Extravaganza 2000 Tour

Satyricon, Behemoth, Hecate Enthroned

Ort: Leipzig / Hellraiser
Datum: 22.01.2000


Da kommen Satyricon nach jahrelanger Konzertabstinenz mal nach Sachsen und keinen scheint's zu interessieren! Erst nach tagelangen Verbalduellen konnte ich (Deadleft) zumindest Wehrmut für einen kleinen Abstecher in die zweitgrößte Stadt Sachsens erwärmen. So starten wir also am frühen Abend des 22. Januar 2000, gemütlich in die luxuriösen Polster von Prøtzer gelehnt, zur Fahrt nach Leipzig. Die Fahrt gestaltete sich recht abwechslungsreich, da wir zunächst in peitschenden Regen, danach in dichten Nebel und schließlich noch in ein Schneetreiben gerieten. Untermalt mit heimeliger Black Metal Musik konnte es also gar nicht stimmungsvoller zugehen. Treugläubig folgten wir den spärlichen Hinweisen, die man uns zum Anfahrtsweg gegeben hatte und fanden uns prompt auf einer einsamen Straße wieder, die wir in Ermangelung weiterer Hinweise auf und ab fuhen bis wir an eine Tankstelle kamen, in der wir nach Rat fragen wolten. Als Wehrmut das Tankstellengebäude betrat und gerade ansetzen wollte, seine Frage bös artikulierend und laut schreiend (schließlich ist er ja, genau wie ich, ein truer Black Metaller) zu formulieren, beschrieb ihm die Tankwärtin auch schon den Weg zum Hellraiser. Räteselhafterweise mußte sie irgendwie angesichts der Kleidung von Wehrmut unser Ansinnen erahnt haben.

Jetzt war es ein leichtes, den Weg zu finden und alsbald befanden wir uns nach Zahlung von DM 30,- im Innenraum des sagenumwobenen Clubs. Nach kurzer Inaugenscheinnahme der Räumlichkeiten kehrten wir noch einmal zum Eingang zurück und befestigten die Vönger-Propaganda gut sichtbar an der Wand. Das Hellraiser selber ist großzügig dimensioniert und kann mit gleich zwei Bars aufwarten. Die Wände sind an einigen prominenten Stellen mit hübschen Airbrush-Motiven aus der nordischen Mythologie verziert und auch sonst scheint das Hellraiser zu einem der besseren Clubs für Metalkonzerte zu gehören. Wie wir dann feststellen mußten, hatten wir aufgrund von Falschinformationen Hecate Enthroned schon verpaßt. Aber angeblich soll's nicht schlecht gewesen sein.

Als auf der Bühne langsam Anzeichen für den Auftritt der zweiten Supportband sichtbar wurden, positionierte ich mich vorn an der Bühne, um eine möglichst gute Ausgangsposition für die Fotos zu haben. Kurze Zeit später betraten auch schon Behemoth die Bühne und metzelten eine reichliche halbe Stunde ihr Programm herunter. Da wir beide diese Band nur vom Hörensagen kennen, können wir nicht sagen, wie sie normalerweise auf ihren Alben klingen, doch das, was wir da zu hören bekamen, war nicht gerade schlecht. Einige Songs, meinem Vernehmen nach vom aktuellen Album 'Satanica', haben mir ansatzweise sogar recht gut gefallen. Den ca. 800 Anwesenden ging es offensichtlich ähnlich, denn die aufkommende Stimmung verursachte flächendeckendes Headbanging und reapektablen Jubel zwischen den einzelnen Songs. Auch Sänger Nergal schien bester Laune und verhalf dem Abend zu seinem ersten Höhepunkt. Als nach den pflichtgemäßen Zugaben die letzten Töne verklungen waren, wartete wohl der Großteil mit wachsender Spannung auf Satyricon. Nach einem kleinen Abstecher zum Merchandisingstand bezogen auch wir wieder unsere Positionen: Wehrmut in der Halbdistanz und ich in Fotoreichweite.

Ein grimmiger Frost
Ein grimmiger Frost



Mit 'Immortality Passion' begannen Satyr und Co. dann auch ihre ca. 90-minütige Show. Satyr hatte unglücklicherweise sein von der MLP 'Intermezzo II' herrührendes und für meine Begriffe recht originelles Make-up gegen eine stark abgespeckte Variante ausgetauscht, die nur noch aus einem roten Augenrahmen auf weißem Grund bestand. Abgesehen vom Opener und einigen wenigen anderen Stücken von 'Nemesis Divina', dem Debut und 'Dark Medieval Times' spielten Satyricon mit Vorliebe Material vom aktuellen Longplayer 'Rebel Extravaganza'. Und genau daran schienen sich einige im Publikum zu stören. Als Satyr in fast schon gewohnt herablassender Art einen dieser 'Kritiker' zu gehen aufforderte, keifte inmitten von zahlreichen Pfiffen doch tatsächlich einer den bedeutungsschweren Satz: 'Das ist unsere Szene!!'. Satyricon erdreisteten sich also tatsächlich nach Deutschland zu kommen, die hiesige Szene zu infiltrieren und, unfassbar! ihr neues Album zu promoten. Klar, etwas ausgewogener hätte die Songauswahl schon ausfallen können, schließlich sind vor allem die ersten drei Alben für den Status der Band verantwortlich. Aber deswegen gleich die deutsche Szene in Gefahr schweben zu sehen, erscheint mir etwas lächerlich. Zumal Satyr mittlerweile für seine Egozentrik bekannt sein dürfte. Der Großteil konnte sich jedoch nicht so recht für das zugegebenermaßen modernere Material begeistern und so kam erst etwas Stimmung auf, als 'Hvite Krists Dod' und wohl die Bandhymne schlechthin 'Mother North' gespielt wurden. Mir jedenfalls gefiel das, was Satyricon darboten außerordentlich gut. Auch der Sound war nahezu makellos, lediglich das Keyboard war unhörbar. Da dieses aber ohnehin nicht die tragende Rolle im (neuen) Sound von Satyricon spielt und die Gitarren, wie auch das Schlagzeug und - nach anfänglichen Problemen - der Gesang im Gegenzug einfach göttlich abgemischt waren, war der Hörgenuß für mich persönlich perfekt. Satyrs eigentümliche Bewegungen ließen ihn zwar einerseits wie einen kleinen trotzigen Wurzelzwerg erscheinen, der mich desöfteren an Michael Stipe von R.E.M. erinnerte, andererseits paßte genau das nahtlos in seine kleine selbstgeschnitzte Extravaganz. Nach ungefähr der Hälfte der Spielzeit verließ die Band die Bühne und kehrte von den Ambient-Klängen aus 'Blessed from Below' und einigen ordentlichen Lichteffekten begleitet wieder zurück. Für dieses Stück übernahm auch Satyr persönlich die Gitarre und bewies, daß er die Stücke live auch selber spielen könnte. Und auch Frost trat eindrucksvoll den Beweis an, daß er tatsächlich in der Lage ist, in Quasi-Lichtgeschwindigkeit Schlagzeug zu spielen. Lediglich der Geschwindigkeitsoberhammer 'The Scorn Torrent' hätte noch zur endgültigen Heiligsprechung gefehlt. Neben diesem Stück habe ich zwar auch noch den für mich besten Song von 'Rebel Extravagaganza' 'Supersonic Journey' vermißt, aber den meisten wird wohl schon der ganze Rest mehr als genug gewesen sein. Für mich dagegen war es mit Abstand das gelungenste Konzert seit der Emperor-Tour 1997. Wehrmut war übrigens auch nicht gerade von den 'neuen' Satyricon begeistert und bedauerte schon, 30 DM für sowenig Vergnügen bezahlt zu haben und vernahm das 'rumgepoppe' gelangweilt aus der letzten Ecke des Konzertsaales.

Zurück auf dem Hellraiser-eigenen Parkplatz hüllten wir uns in unsere dicken Poserjacken, nahmen ein paar Snacks und Drinks und beschallten die Umgebung mit furchtbar böser Undergoundmusik. Die Rückfahrt übertraf dann in Sachen klimatischer Extremismus die ohnehin schon nervenaufreibenden Hinfahrt bei weitem. Durch heftigste Schneefälle und erneut aufkommenden Nebel sank die Sichtweite mehr als einmal gen Null, weshalb wir aber lustige Ratespiele nach dem Muster 'Wer sieht, wo die Straße aufhört und der (zugeschneite) Straßengraben anfängt?' spielen konnten. Auch wenn man sofort eine Vollbremsung einleitet, wenn für uns relevante Wegweiser im gleißenden Licht der Scheinwerferphalanx auftauchten, mußte kurz darauf auch gleich wieder der Rückwärtsgang eingelegt werden, um wieder zur Kreuzung zurück zu gelangen.
In jedem Fall hat es und aber wach gehalten und sicher nach Hause sind wir obendrein gekommen.

Deadleft am 04.06.2005




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