Tod und Verderben seit MCMXCVI! Suchen | Kontakt | Impressum
Kopfbild
Startseite | Konzertberichte | No Mercy Festival Part III

.:: True :: UnTrue ::.

» Schnellauswahl «
A B C D
E F G H
I J K L
M N O P
Q R S T
U V W X
Y Z Andere
Splits Sampler

Berichterstattung
  · Konzertberichte
  · Konzertfilme
  · Gespräche
  · Hören & Sehen
  · Streitfälle

Vönger
  · Kommerz   · Personal
  · Marschmusik
  · Selbstdarstellung
  · Familienalbum
  · Karriere

» Schnellsuche «

Genie und Wahnsinn...

No Mercy Festival Part III

Morbid Angel, Emperor, Impaled Nazarene, Limbonic Art, The Crown, Peccatum

Ort: Glauchau / Alte Spinnerei
Datum: 10.04.1999


Auf den Tag genau ein Jahr nach dem zweiten No Mercy Festival fand im thüringischen Glauchau die dritte Auflage des erfolgreichen Events statt, was natürliche bedingungslose Vönger-Präsenz nach sich zog. Nachdem im letzten Jahr noch sechs Vönger-Members mit von der Partie waren, bestand die diesjährige Abordnung aus nur zwei Personen: Christ und mir (Deadleft). Der Rest war entweder zu blöd sich eine Eintrittskarte im Vorverkauf zu besorgen (nix für ungut, Frank, an der Abendkasse hätte es noch reichlich Karten gegeben...) oder überhaupt an nur einer einzigen Band interessiert bzw. 'unpässlich' war. Also machten wir uns im Prøtzer auf den langen Weg in die alte Spinnerei nach Glauchau. Auf der Fahrt bastelte Christ noch eilig ein paar Vönger-Propaganda-Flyer, der überschüssige Verschnitt wurde dabei 'überraschend' von einem 'Wind'stoß durchs geöffnete Fenster mitten auf die A4 geweht. Am Veranstaltungsort angekommen, stellten wir anhand der Parksituation fest, daß die angekündigten Bands in der Summe ein großes Publikum abdecken. Das Innere der Alten Spinnerei war diesem Publikumsansturm aber nicht gewachsen, der Saal viel zu klein, die Raumaufteilung vor allem im Eingangsbereich zu verwinkelt. So schön eine, den ganzen Raum umlaufende, Galerie auch sein mag, in der Stadthalle Werdau oder in einem ähnlich großen Saal wäre die Veranstaltung wohl besser aufgehoben gewesen.

Lord PZ von Peccatum
Lord PZ von Peccatum



Der Merchandisingstand war in seiner Auswahl und den Preisen einfach nur lächerlich, lediglich drei CDs, ein PicLP und zwar vielfältige aber maßlos überteuerte Textilien wurden dort angeboten. Nachdem wir uns für die Fotos positioniert hatten, betraten auch schon Peccatum die Bühne und zeigten eine interessante 30-minütige Show, die auf zweispältige Reaktionen im Publikum stieß. Die Band um Ihriel und Lord Pz spielte avantgardistisch angehauchten, kompositorisch verzwickt-unkonventionellen Metal mit hochfrequentem Frauengesang und einer Kreischstimme, angereichert mit Anleihen aus dem Gothic- und Black-Metal. Obwohl ich mich mit dieser Art von weiblichem Gesang, auch provoziert durch den inflationären Gebrauch in zahllosen Black- und Gothic-Produktionen, nur schwerlich anfreunden kann, war der Auftritt ein gelungener Auftakt. Selbst Ihsahn persönlich ließ sich herab und steuerte einige Gesangseinlagen bei. Zudem konnte die Band durch ein für dieses Musikgenre eher unübliches Bühnengebaren überzeugen: Vor allem Lord Pz und Ihsahns Frau Ihriel vermochten dem Auftritt durch ihre gekonnt eingestreuten theatralischen Einlagen noch in seiner Attrktivität zu steigern. Doch nicht jeder konnte sich mit diesen ungewöhnlichen Klängen anfreunden, einige suchten noch während der Show das Weite.

Bei Limbonic Art standen wir dann beide ganz vorn und ergaben uns sofort dem astralen Sog von Daemon und Morfeus. Eingeleitet wurde dieser mit 'In Abhorrence Dementia' in durchaus brachial-dämonischer Weise. Es ist zwar fraglich, ob ein solch verhältnismäßig brutaler Song als Introduktion dramaturgisch gut wirkt, beim Publikum kommt es aber meistens gut an. Der Sound war außerordentlich gut, Gitarren, Keyboard, Drumcomputer und weiblicher Gesang glänzend voneinander zu unterscheiden. Gespielt wurden größtenteils Songs von 'In Abhorrence Dementia', doch mit 'Moon in the Scorpio' und dem Schlußsong 'Darkzone Martyrium' wurde, zur Freude vieler Fans, auch vom Debut zitiert. Vermißt habe ich aber die wolfsheulenähnlichen Vocals von diesem Album, trotzdem, erfreuen konnte man sich dennoch an den Stücken. Überhaupt wurden einige Keyboardparts von der ersten Scheibe in moderner, eher dem zweiten Longplayer zuzuordnenden, Weise interpretiert. Der Stimmung tat dies keinen Abbruch, nicht wenige zeigten sich sichtlich begeistert von dieser wirklich einzigartigen Gruppe.

Die dannach auftretende Band The Crown konnte uns dagegen weniger begeistern: Schwedischer Black/Death-Metal mit vokalistischen Hardcore-Anleihen lagen nicht wirklich in unserem Geschmacksspektrum. Der Sänger schien bester Bierlaune und pries ständig die dessen Qualität ('Cheers') und die der deutschen Konzertlandschsaft ('Germany is fucking great'). Während der ganzen Show legte sich die komplette Band gut ins Zeug und headbangte im metallischen Takt. Die Resonanz war nicht schlecht, doch gegen Ende des Gigs schien ein allgemeines Stimmungstief durch die Reihen zu gehen.

Die für Absu eingesprungene finnische Extrem-Band Impaled Nazarene und vor allem deren Sänger hatte dannach sichtliche Konditionsprobleme während der Show. Mika stand ständig Schweiß auf der Stirn und seine Zunge vollführte nach fast jedem Textabschnitt hechelnde Bewegungen. Musikalisch sind Impaled Nazarene recht heftig, trotzdem aber nicht uninteressant: Black Metal im Geschwindigkeistrausch mit rotziger Punk-Attitüde und leichtem Grindeinschlag. Das Publikum zeigte sich nur mäßig begeistert, doch als die Band die Bühne verließ, kehrte wieder Leben in die Spinnerei ein. Denn nun sollte der mächtige Kaiser den Saal erbeben lassen. Auch wir sicherten uns sofort Plätze direkt vor der Bühne und beobachteten gespannt die Vorbereitungen auf der Bühne. Nach einem kurzen Intro war es dann soweit, Emperor betraten die Bühne und legten mit 'Curse You all Man!' sofort glühende Kohlen in die erwartungsvoll lodernden Seelen aller anwesenden Emperor-Fans. Ohne Übergang ging es sofort mit 'Decrystallizing Reason' weiter, ehe Ihsahn das tosende Publikum begrüßen konnte. Doch mit jedem gespielten Song wuchs in mir das Grauen und der Zorn, machte mich das, was ich hören mußte schier wahnsinnig. Der Sound bei diesem Auftritt war das allerhinterletzte überhaupt. Man stelle sich 'With Strength I Burn', neben 'The Loss and Curse of Reverence' wohl einer der besten post-eclipse'schen Songs überhaupt, mal ohne Leadgitarre vor. Eben jenes Instrument ließ sich nämlich gerade mal so erahnen. Aber auch nur, wenn man genau wußte, an welcher Stelle man den Einsatz der Lead-Gitarre zu erwarten hatte. Desweiteren war das Keyboard völlig unhörbar, geanuso wie die Backgoundvocals des Bassisten und des eigens dafür mit Kopfmikrophon ausgestatteten Keyboarders. Somit waren die Rhythmsugitarre von Samoth und das Schlagzeug die einzigen Instrumente, die man wohlwollend als Indizien für die musikalische Präsenz hätte bezeichnen können. Egal ob 'Inno a Satana', 'Sworn', oder 'Night of the Graveless Souls' vom Split-Album mit Enslaved, sämtliche Songs wurden ihrer gewaltigen Atmosphäre und des Ausdrucks vollkommen beraubt, jeder Hörgenuß vergällt. Eigentlich galt mein Interesse im Vorfeld der Live-Umsetzung der auf 'IX Equilibrium' eingesetzten Gitarreneffekte, aber rückblickend wäre ich froh gewesen, wenigstens einmal einen kompletten Song in vollständig akustisch erkennbarer Emperor-Besetzung gehört zu haben. Gut, Ihsahn selber stelle eindrucksvoll unter Beweis, wie gut es um seine vokalistischen Fähigkeiten bestellt ist, vor allem bei den klaren Gesangslinien überzeugte er durch ein enormes Stimmvolumen.

Maßlos enttäuscht zog ich dann mit Christ über den Parkplatz und klemmte die extra vorher angefertigte Propaganda unter zahllose Scheibenwischer. Als wir wieder zurückkamen, hatten die Headliner des heutigen Abends Morbid Angel schon angefangen zu spielen. Der Weg zur Bühne war völlig von den Massen verstellt, weshalb wir es uns ersparten, nocheinmal zu versuchen zur Bühne zu gelangen. Morbid Angel spielten spieltechnisch vielseitigen Death-Metal mit aberwitzig abwechslungsreichem Drumming, einer höllisch tiefen und kraftvollen Stimme und unendlich vielen Gitarrensolis. Letztere waren in ihrer Schnelligkeit und Präzision wirklich ein Schmaus für Augen und Ohren, zumal auch der Sound druckvoll und hübsch differenziert rüber kam. Nach wenigen Songs aber zogen wir uns dann zurück und traten die Heimreise an, während der ich Christ für Arcturus ('...ich wußte gar nicht, daß die so gut klingen') und Burzum ('so'n dominantes Keyboard find' ich geil...') begeistern konnte.

Resumée für diesen Abend: 1. Limbonic Art sind einfach göttlich und 2. selbst die begnadetsten Musiker (zu denen ich die von Emperor zähle) können gegen einen schlicht grottenschlechten Sound nichts ausrichten. Für den Fan muß das es einer Verarschung gleichkommen, da man sich das Eintrittsgeld auch hätte sparen können.

Deadleft am 05.06.2005




::: zur Galerie (6 Bilder) :::


.:: zurück :: nach oben ::.


» Lies dies! «

» Kauf mich «

» Deine Karriere «

© 1996-2012 Vönger
erstellt durch dunkelland - metalArt
Unser RSS-Feed Get Firefox