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Made in Germany - Nicht immer Qualität

The Triumph of German Black Metal

Eminenz, Dunkelgrafen, Vilkates

Ort: Chemnitz / Yoyo
Datum: 07.01.1999


Nach einer schier unertr√§glich langen Zeit ohne richtig gute Konzerte war es nun wieder soweit und unsereins fand sich in den neuen R√§umlichkeiten des zum 'Yoyo' mutierten 'Blackout', um den Siegeszug des teutonischen Black-Metal zu verfolgen. Schon hier mu√ü gesagt werden, da√ü die Auswahl eines nicht mehr benutzten Speisesaals der Post als neues Domizil der st√§dtischen Metalgemeinde ein 'Griff ins Klo' war. Als Bar mag sich die Raumaufteilung zwar eignen aber in diesen verwinkelten Kerkerzellen √ľberhaupt Konzerte zu veranstallten, ist organisatorischer, sicherheitstechnischer und unternehmerischer Wahnsinn. Zwar sind uns die bauma√ünahmlichen Zw√§nge nicht bekannt, jedoch direkt nach dem Eingang die B√ľhne (ca. 3x4m) zu positionieren und den Zugang zur Bar und den dahinterliegenden R√§umlichkeiten auf einen winzigen Durchgang von ungef√§hr 2m zu beschr√§nken, entspricht nicht unseren Vorstellungen von einem gem√ľtlichen Konzertambiente, allerdings k√∂nnen wir uns vorstellen, da√ü jeder Frotteur seinen Spa√ü h√§tte.

So kam es denn, da√ü das V√∂nger-Duo (er-ich) sich im Yoyo (schon der Name!!!) einfand. Nach dem Herausgleiten aus dem nun schon 4. V√∂ngerkonzertstreitwagen, einem Nissan Primera, brachten wir noch fix hier und da unsere Propaganda an, um danach den 1. Schock des Abends zu erleben: F√ľr 4 international relativ unbedeutende und -bekannte Bands aus der s√§chsischen Heimat (Eminenz, Dunkelgrafen, Andras & Vilkates) sollten wir die schier unglaubliche Summe von DM 25 zahlen, genausoviel wie einst f√ľr Cradle Of Filth, Dimmu Borgir, Dissection & In Flames! Schon einige Tage vorher durch ein Nachwuchsbandfestival abgeh√§rtet, z√ľckten wir unsere imagin√§ren Macheten, um uns einen Weg durch Dunst- und Bierfahnen zu bahnen, bis wir die Katakomben des Yoyo durchquert hatten und vor diversen Merchandisingst√§nden verweilten. Vorbei an den 'Okkulten Wurzeln des Nat(z)ionalsozialismus' (geh√∂rt dies zwangsl√§ufig zum deutschen Black-Metal?!) kamen wir zum n√§chsten, eigentlichen Stand, wo es interessante Demos und CDs gab. Im Laufe eines Gespr√§chs kam zum Vorschein, da√ü dieser Stand eine Verkauffl√§che von Ars Metalli war. Sogleich z√ľckten wir die V√∂ngerflyer und 'plauschten √ľbers Business', wodurch wir in Zukunft mit Advance-Tapes diverser Bands des Labels und weiteren Informationen versorgt werden.

Vilkates
Vilkates' Aderlass



Gegen 22.00 Uhr betraten Dunkelgrafen (und nicht wie erwartete Vilkates) oppulent geschminkt und b√∂s' dreinblickend das B√ľhnchen und kn√ľppelten die darauffolgenden 45 Minuten ihr ungesch√∂hntes Material in die Trommelfelle der Besucher. Aufrund der geringen B√ľhnenh√∂he (10cm) und des nicht abrei√üenden Stromes aus den hinteren R√§umlichkeiten zu den sanit√§ren Anlagen/Ausgang und retur k√§mpfte ich mich bis nach vorne durch, um einen besseren Platz f√ľr die Fotoaufnahmen zu haben. Von dort hatte man eine gute Sicht auf die Blutorgien von Dunkelgraf (v), der mit damit nicht nur den Boden des Yoyo ben√§tzte, sondern auch die wild headbangenden, ihren oppulenten K√∂rper zur Schau tragenden und vom Teufel gerittenen Fans in den vorderen Reihen. Nachdem Dunkelgrafen mit ihrer Mixtur aus rauhem Sound und einigen sp√§rlichen Keyboardpassagen die Gro√üzahl der Fans begeistern konnte (so z.B. mit 'Bastard Jesus Christus'), verlie√üen sie die B√ľhne, um Eminenz platz zu machen.

Mit 'Praise The Death' er√∂ffneten die Sachsen ihren Auftritt und sofort dr√§ngten sich die ca. 120 Mann vor der B√ľhne, um sich die Songs von Eminenz hereinzuziehen. Der teilweise verspielte und melodi√∂se Sound gepaart mir harten Riffs und gr√∂lender Stimme ist der neue Weg, den die Band eingegangen ist. Desweiteren traten w√§hrend der Songs einige technische M√§ngel auf, wodurch Wackelkontakte an einer Box auftraten und stellenweise das Keyboard und das Mikro ausfielen. Irritiert und finster schauend versuchte Leviathan weiterzusingen und begab sich in die Menge der Fans, damit diese wenigstens einen Bruchteil des Gesangs zu h√∂ren bekamen. Aber nach 5 Songs war ohnehin schlu√ü, da Eminenz seit 2 Wochen einen neuen Drummer hatten und dieser noch nicht alle Titel spielen konnte, weshalb sich die Fans dann aber doch noch eine Lied aussuchen durften, das sozusagen als Zugabe nocheinmal gespielt wurde. Dieser Track war dann 'Heretic' und leider auch wirklich der Endtitel, womit wir dann redlich verbl√ľfft dastanden und uns fragten, ob dies alles f√ľr 25 Mark gewesen war. Mit einem Freund diskutierten wir dann noch √ľber dieses kl√§gliche Werk von einem Konzert, als dann gegen 0.00 Uhr Vilkates die B√ľhne betraten. Eigentlich konnte es nicht mehr schlimmer kommen, aber Vilkates setzte noch eins drauf. Als ob munteres draufloskn√ľppeln nicht gereicht h√§tte, kamen diese Jungens leicht verschminkt daher und nach ein paar Fotos verschwand ich schnell wieder in die hintere Reihen, wo Deadleft schon die Finger im Ohr hatte und sich kr√ľmmend vor Schmerz am Boden befand. Wir versuchten so gut es ging dieses Debakel zu √ľberstehen, jedoch nach einiger Zeit √ľberlegten wir uns Techniken, den Gesang zu unterbinden. √úberschattet und √ľberboten wurde der Auftritt nur noch von zwei Fans im Absurd-Shirt (inklusive Luftwaffenpin), die neben einem Sieg Heil-Ruf noch auf die Ank√ľndigung des Vilkatess√§ngers, jetzt einen Titel √ľber den Abschaum der Menschheit zu singen, Juden einwurfen. Es gibt halt Leute, die nichts, aber auch rein gar nichts begriffen haben!

Damit w√§re genug √ľber das Konzert gesagt. Aber genau, wo waren Andras?! Tja, das wird wohl immer ein Mysterium bleiben und so bleibt nur noch zu sagen, da√ü nicht alles was aus Deutschland kommt auch den Anspr√ľchen der Fans entspricht und wenn man f√ľr DM 25 nicht das bringen kann, was man verspricht, dann sollte √ľberlegt werden, ob es vielleicht nicht besser w√§re die Sache noch einmal zu √ľberdenken.

Wehrmut am 04.06.2005




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