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Nukleare Sternstunde der Alienfreunde

Nuclear Blast Festival

Hypocrisy, Benediction, Agathodaimon, Children Of Bodom, Disbelief

Ort: Werdau / Stadthalle Pleißental
Datum: 28.03.1998


Da sich fast alle uns bekannten Metalfreunde langsam zu sich betrinkenden und verweichlichten Posern hinzuentwickeln scheinen (grins), sahen sich Wehrmut und ich gezwungen, allein zum Nuclear Blast Festival zu fahren, zumal die zu erwartenden Bands große Popularität genießen. Man sollte vorher trotzdem wohl erwänhen, daß wir bei Hypochrisy und Benediction etwas skeptisch waren, da wir erstere Band noch nicht ausreichend testen konnten und die Musik der letzteren eher weniger genießen. Aber schließlich sollten ja noch Covenant, die Wehrmut seit kurzem als das Non-Plus-Ultra bezeichnet, und Children of Bodom, die von ihrem Label als Kultband und geil und überhaupt unerläßlich beworben wird, kommen. Kurz vorher stellte sich aber heraus, das Covenant nicht auftreten können, da Nagash zur Zeit in Polen ein paar Gigs für seine Stammband Dimmu Borgir spielen muß. Das zeigt zum einen, daß es ziemlich problematisch sein kann, mit 'All-Star-Bands' zu touren und zum anderen, daß für Nuclear Blast Dimmu Borgir wichtiger als Covenant sind und das bestimmt nicht, weil Dimmu Borgir 'Kult' ist, sondern einfach mehr Geld in die Labelkassen bringt. Trotzdem wollte Wehrmut immer noch nach Werdau, denn Agathodaimon sollten quasi als Ersatz auftreten, was uns beiden recht war, da Wehrmut mit Sathonys seit einiger Zeit Briefkontakt pflegt und somit auf ein Zusammentreffen mit jenem hoffen durfte und ich Agathodaimon den 'Mainstream-Poppern' Covenant sowieso vorziehe.

Am Eingang wartete gleich eine Überraschung auf uns, da Wehrmut mit seinem Patronengürtel nicht hereingelassen und damit zum Ablegen desselben gezwungen wurde. In der Stadthalle aber, die wir übrigens ganz problemlos erreichen konnten (siehe Konzertbericht zum Gods of Darkness Festival), trafen wir immer wieder auf Leute, denen ganz offensichtlich trotz zentimeterlanger Spikes und Patronengürtel der Einlaß gewährt wurde. Da war sich die Security am Eingang wohl etwas uneinig, eigentlich unverständlich weil sie mit solchen 'Instrumentarien' ja wohl rechnen mußten.
Doch zu Beginn enterten gleich Agathodaimon aus Mainz die Bühne und entschädigten zunächst für die erlittenen Qualen. Nach einigen wenigen Titeln, unter anderem auch 'Banner of Blasphemie', war die 'Wiedergutmachung' aber auch schon vorbei, da der ansprechende und vielschichtige Sound, die Zeit wie im Flug vergessen ließ. Einziges aber dennoch großes Manko war, daß das Keyboard kaum zu hören war und damit ein erheblicher Teil des agathodaimonschen Zaubers verloren ging. Kommentar eines Konzertbesuchers: 'Bei jedem Konzert irgendwelcher Scheiß-Black Metal!'

Agathodaimon-Autogramme
Agathodaimon-Autogramme



Als nunmehr zweiter Opener fungierten Disbelief, einer neuen deutschen Death Metal Hoffnung, die die prall gefüllt Halle nun in Metzellaune bringen sollte. Der Sänger kniete sich voll in seine Aufgabe und brüllte sehr energisch und ambitioniert in das Mikro. Der Sound war hier wohl noch als in Ordnung zu bezeichnen, da er den ziemlich heftigen und gitarrendominierten Songstrukturen von Disbelief gerecht wurde. Das Publikum betrachtete diesen Einstieg wohl nur als einen eben solchen und hielt sich mit einem positiven Feedback zurück.

Die dannach auftretenden Finnen Children of Bodom brachten da deutlich mehr Schwung in die Bude. Grund dafür war die Mischung aus fast schon massenkompatibler Black Metal Stimme und den zahlreichen Heavy Metal Gitarrensoli. Vor allem Fans von Hammerfall dürften da fleißig mitgebangt haben. Auch hier wäre es aber egal gewesen, ob nun eine Keyboard samt Keyboraderin auf der Bühne gestanden hätte, oder nicht. Ersteres war nun nämlich überhaupt nicht mehr zu erkennen (die Tastenvirtuosin ob ihrer leiblichen Dominanz dafür umso deutlicher). Die Begeisterung der Zuhörer gipfelte in einer Zugabe, was bei Supportacts ja sonst eher die Ausnahme ist.

Agathodaimonautogramme Als im Zuge der folgenden Umbauphase zwei riesige Alienskullwimpel auf der Bühne plaziert wurden, erwachte das Publikum vollends und strömte emsig in die vorderen Reihen. Die Begeisterung kannte spätestens dann keine Grenzen mehr, als Peter Tägtgren hinter den Drums mit einer Alienmaske posierte, gleichzeitig mit einem süffisantem Lächeln aber andeudete, daß es so ernst nicht um seine extraterrestrische Passion stehen kann. Hypocrisy spielten ein äußerst abwechslungsreiches Programm, daß alle Perioden ihres Schaffens berücksichtigte. Die zahlreichen Fans rasteten vor allem bei den schnellern Stücken vollkommen aus und erkletterten desöfteren die Bühne, von der sie von den offensichtlich erbosten Security-Guys wieder heruntergeschubst wurden. Meistens waren die Spurts der Sicherheitsverantwortlichen aber vergeblich, die Stagediver hatten oft schon zum Sprung in die Menge angesetzt. Nach diesem Höhepunkt machten wir uns auf die Suche nach Sathonys, den wir auch alsbald fanden. Nachdem wir mit Autogrammen (in denen der altehrwürdige 'Wein, Weib und Gesang'-Spruch in die leicht verständliche Musiker- und Fansprache umformulliert wurde) ausgesstattet waren und einen kurzen Smalltalk mit der Band geführt hatten, schauten wir noch einmal schnell bei Benediction vorbei, denen wir aber nach ein paar Schnappschüssen den Rücken kehrten und gen Heimat davonschwebten. Auf dem Weg aus den heiligen werdauer Musikhallen wurde Wehrmut dann von einem erkranktem Musikbegeisterten aufs Boshaftsete mit einer Virusgrippe infiziert, an der er noch mehr als zwei Wochen zu zehren hatte!

Deadleft am 04.06.2005




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