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Hunde, Bravo & Survival - Angriff auf den guten Geschmack

Under The Sign Of Hell Tour

Gorgoroth, Mystic Circle, Aura Noir

Ort: Chemnitz / Black Out
Datum: 04.10.1997


Endlich wurde auch einmal wieder die 'Kulturmetropole' Chemnitz von einer Black Metal Band heimgesucht, was in letzter Zeit komischerweise zu einer Seltenheit geworden war. Am 4. Oktober luden Gorgoroth mit Aura Noir und Mystic Circle als Support zum Gemetzel, bei dem wir natĂŒrlich nicht fehlen durften. Also zwĂ€ngten wir uns in den allseits beliebten 'Panzer' und dröhnten um drei bis vier HĂ€userecken unserer Weltstadt bis ins Black Out.

Am Veranstaltungsort angekommen, erkannten wir auch jene Zeitgenossen wieder, die Deadleft etwas frĂŒher am Tage garantiert ĂŒber mehrere Umwege hierher gelotst hatte. Nach einigen Umherschauen sah und traf man wieder alte Bekannte und mehr oder weniger geliebte Gesichter, die schon zu frĂŒheren Konzerten zur FĂŒllung der Kassen beitrugen. Die Einlaßzeremonie gestaltete sich fĂŒr einige von uns wie schon in Werdau zu einem Survival-Trip, da endlos scheinenden Nieten- und StocherĂ€rmeln ausgewichen werden mußten. (Hier sei ĂŒbrigens einmal angemerkt, daß NietenarmbĂ€nder laut §1 Abs. 7 WaffG zu Hiebwaffen gezĂ€hlt werden und somit das Tragen bei öffentlichen Veranstaltungen gemĂ€ĂŸ §§53 Abs. 3 Ziffer 5, 39 Abs. 1 WaffG mit Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren oder mit Geldstrafe geahndet werden kann!!) Der schlauchartige Innenraum erwies sich insofern als Vorteil, als das sich die WĂ€nde hervorragend zum Anbringen von Homepagewerbung eigneten, so daß sich Wehrmut sich eben jenem Tun zugewandt hatte, wĂ€hrend wir nacheinander zum gewohnten Stammplatz links-mitte-Wand strömten.
Inoffiziellen Insiderkreisen zufolge waren es am Ende 600 Fans, die um 21.15 Aura Noir als Opener erleben durften (mußten?). Die NordmĂ€nner um Appolyon boten eine knappe dreiviertel Stunde bodenstĂ€ndigen Black-Trash-Metal, der allerderings nur die vorderen Reihen zum Kochen bzw. Headbangen brachte. Durch die impusliv-prĂ€gnante und variationsreiche Eintönigkeit dieses Allerwelts-Black-Metals, war es uns spĂ€ter nicht mehr möglich, auch nur bruchstĂŒckhaft das musikalische Wesen von Aura Noir zu rekonstruieren.

So war
So war's!



Nach einer viertel Stunde Pause betraten dann unter ĂŒbermĂ€ĂŸigem Nebelausfluß, begleitet von einem ansprechenden Intro, Mystic Circle das winzige BĂŒhnchen. Graf von Beelzebub traute sich auch ohne seine Höllenhunde zum fröhlichen Singsang, der alsbald das Black Out erfĂŒllen sollte. Die Mucke war weitaus abwechslungsreicher und melodischer als die ihrer VorgĂ€nger, so daß auch bedeutend mehr Besucher mit ihren ExtremitĂ€ten wedelten und um sich schlugen. Die deutschen Newcomer spielen das, was zur Zeit mĂ€chtig im Trend liegt: eingĂ€ngig-melodischen Black Metal, der durchaus semimassenkompatibel Des Grafs Mikrodaherkommt. Als Tribut an Jean PĂŒtz' Hobbythek, basteltete sich der Mann mit dem neben Mck (Vintersemestre) und Mr. Violence (Gehennah) wohl dĂ€mlichsten Pseudonym, aus dem MikrofonstĂ€nder ein Kreuz (siehe Frontcover des Last Episode Kataloges Okt.97), was er auch alsbald zur Freude des Publikums umdrehte und theatralisch mit seiner wohl rabenschwarzen Zunge bearbeitete, wobei das Publikum krĂ€ftig mithelfen durfte. An dieser Stelle sei erwĂ€hnt, daß die Menge, die die Nebelmaschine ausstieß, um ein vielfaches zu hoch war, da man teilweise nichts mehr vom Geschehen zwei Reihen weiter vorn bzw. hinten, geschweige denn von dem auf der BĂŒhne, mitbekam. Auch eher negativ belegt war wohl wie so hĂ€ufig die Rolle der Fachkraft fĂŒr Tonmischung und Lichteffekterzeugung. Besagte Person sah aus wie frisch aus der Bravo-Modeseite geschnitten und verzapfte einen Unsinn, dergestalt, daß dem Publikum Hören und Sehen verging: Die einzelnen SchlĂ€ge des Drummers waren nicht mehr voneinander zu unterscheiden, die Stimme ging im Gitarrenbrummen unter, Basslinien und Keyboardtöne waren teilweise kaum zu hören, da fast alle Instrumente stĂ€ndig ĂŒbersteuert waren.

Den Vogel des Abends aber schoß Gorgorotz (und das ist kein Tippfehler!!) ab. Schon ihr lĂ€cherliches Auftreten mit HeinzelmĂ€nnchenkostĂŒmen ließ allenfalls Stoff fĂŒr's Zwerchfell erwarten. Nach den ersten fĂŒnfzehn Minuten brachen die Mannen um Infernus ersteinmal, und, wie man fairerweise sagen muß, berechtigterweise, ihre 250-Blastbeats-Doublebass-Klickorgie wegen einiger 'UnzulĂ€nglichkeiten' im Sound ab, kamen aber nach nur kurzer Zeit wieder zurĂŒck und setzten fort, was sie begonnen hatten: stumpfsinniges, monotones, verzerrtes, disonantes und -harmonisches GeprĂŒgel. Solcherlei Unfug fĂŒhrte auch zu einem Novum innerhalb unserer zwölf-monatigen Konzertbesuchsgeschichte: Nach einer Dreiviertelstunde Gorgorotz verließen wir erstmals vorzeitig die RĂ€ume des Black Out, gerade rechtzeitig vor der Zugabe. Am Ausgang kam es dann noch zu einem kleinen Disput zwischen einigen Herumstehenden und uns. Erstgenannte wollten den Grund fĂŒr das vorzeitige Verlassen wissen, darauf NIKE's Kommentar: 'So'n Rotz'.

Es blieb also beim positiven Eindruck von Mystic Circle, der durch zwei, jedenfalls live, völlig unfĂ€higen Bands geschmĂ€lert wurde. Wir sehen uns dann hoffentlich wieder beim Satyricon-Konzert im MĂ€rz nĂ€chsten Jahres, oder doch schon frĂŒher, wenn nicht wieder, wie beim Out of the Dark IV oder bei der Emperor-Tour, irgendwelche Transport- und/oder Zeitprobleme dazwischen kommen.

Wehrmut am 04.06.2005




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