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Black Lava over Europe Tour | Konzertbericht | Vönger Musikmagazin
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Keine Lava

Black Lava over Europe Tour

Satyricon, Khold

Ort: Glauchau / Alte Spinnerei
Datum: 22.03.2003


Über drei Jahre waren seit der letzten Satyricon-Tour in Deutschland vergangen. Seinerzeit hatte es mich große Mühen gekostet, Wehrmut zum Mitkommen zu überreden. Er hat sich furchtbar gelangweilt, für mich war es einer der Konzert-Höhepunkte des Jahres 2000. Es war also nicht verwunderlich, dass ich dieses Mal alleine nach Glauchau fahren musste. Meiner Vorfreude tat das keinen Abbruch, was unter anderem dazu führte, dass ich mir die Eintrittskarte beim Ticketservice meiner Heimatzeitung 'Freie Presse' im Vorverkauf besorgte.
Da ich mir selber keine allzu großen Fähigkeiten in Sachen räumliches Vorstellungsvermögen attestiere - zumal bei Dunkelheit -, hatte ich vor der Abfahrt auf der Webseite der Alten Spinnerei noch einmal den genauen Anfahrtsweg studiert. Diese Vorbereitung konnte aber nicht verhindern, dass ich eine Abfahrt zu spät die Autobahn verließ. Nach einem waghalsigen Wendemanöver, den schelmisch lachenden Wehrmut vor meinem geistigen Auge, fand ich dann aber doch noch den richtigen Weg. An der Alten Spinnerei waren indes alle Parkplätze belegt, weshalb ich ein paar Nebenstraße weiter an einem Wohnhaus parken musste. Meine moralischen Bedenken hinsichtlich des Stellplatzes wurden schnell von der geifernden Erwartung der Vorstellung beiseite gewischt.
Die fehlende Unterstützung des vielleicht nicht gerade bedrohlich wirkenden aber zumindest langhaarigen und damit in dieser Szene einiges mehr an Authentizität transportierenden Kollegen Wehrmut, erzeugte ein gewisses Unwohlsein in mir. Den finsteren Blicken der anderen Besucher begegnete ich voll innerer Angst mit einem möglichst neutralem Gesichtssausdruck und gespielter Gelassenheit; immer hoffend, dass mich niemand als Possenreiser und Scharlatan erkennen und entlarven möge. Mit Erfolg! Ohne eine einzige Pöbelei oder gar Prügelei erreichte ich den Eingang. Letztlich war ich doch etwas enttäuscht, der Stellenwert von Gewalt in der Szene schien offenbar gesunken zu sein.
An der Kasse erlebte ich dann Unaussprechliches. Mein Ticket aus dem Vorverkauf wurde nicht wie erwartet in eine schmucke Eintrittskarte umgetauscht. Einer Ersparnis von 20 Euro-Cent durch den Vorverkauf stand also der Verzicht auf ein weiteres Konzert-Andenken für meine Pinnwand entgegen. Ich fluchte leise über meine anfänglichen Bedenken, dass das Konzert schließlich auch ausverkauft sein könnte und betrat den Veranstaltungsraum. Selbiger war recht gut besucht, auch wenn sich die Mehrheit im hinteren Teil und auf der umlaufenden Galerie aufhielt.
Nach kurzer Wartezeit begannen auch die Satyricon-Landsleute von Khold mit ihrem Auftritt. Die Musik war simpel, rhythmisch streng und von eisiger Intensität. Wirkungsvoll eingesetzte Breaks, ein gewisser Hang zu stoischer und rauschhafter Monotonie und der Verzicht auf Verspieltes verströmten eine durchaus erhabene und bedrohliche Stimmung. Die Lautstärke war im übrigen moderat und der Sound einfach perfekt. Man konnte sogar die Bassgitarre sehr deutlich heraushören. Ich war begeistert. Mit mir teilten diese Meinung offenbar nur wenige, denn der Applaus bleib trotz einer Steigerung im Verlauf des Konzerts insgesamt spärlich. Nach etwas mehr als einer halben Stunde war Kholds Auftritt vorüber.
In der recht langen Umbaupause entdeckte ich unter anderem ein paar augenscheinlich rechts im politischen Spektrum verwurzelte Menschen. Meinen Plan, sie in zersetzende Dispute zu verwickeln, verwarf ich angesichts meiner körperlichen Verfassung schnell. Als niemand hinsah, schüttelte ich - kaum sichtbar - verächtlich den Kopf. Das musste genügen. Kurz darauf traf ich auf einen höchstens flüchtig Bekannten samt Begleitung, den ich nach dem Austausch von einigen Floskeln nach seiner Meinung zu Khold befragte. Seine Antwort und die eines seiner Begleiters stützte meine These, wonach der Auftritt von Khold nicht allzu großen Anklang fand. Die Musik ginge mehr so in die Death Metal Richtung. Na ja. Auf meine Frage, was ihm denn besser gefiele, deutete er vielsagend auf mein Immortal-Longsleeve. Ich hingegen nahm mir vor, in nächster Zeit nach den Alben von Khold Ausschau zu halten. Zum Zeitvertreib schaute ich mir die am Eingang verteilten Flyer etwas genauer an, Interessantes entdecken konnte ich jedoch nicht. Also stierte ich den umstehenden Menschen ins Gesicht und pfiff in Ermangelung eines größeren Repertoires abwechselnd Kinderlieder und die US-amerikanische Nationalhymne leise vor mich hin.
Als ich kaum noch wusste, wohin ich noch hinstieren sollte, betraten endlich Satyricon die Bühne. Trotz Dunkelheit und dichten Nebels konnte ich erkennen, wie Frost, auf zwei Krücken gestützt, zu seinem Schlagzeug humpelte. Er hatte sich zu Beginn der Tour den Fuß gebrochen, entschied sich aber dazu, trotz großer Schmerzen weiterzuspielen. Die Show von Satyricon war einfach grandios. Mit der Songauswahl konnte ich - trotz der hohen Gewichtung des aktuellen Albums 'Volcano' - ganz gut leben. 'The Dawn of a New Age' wurde ebenso wenig vergessen wie 'Supersonic Journey' und 'Hvite Krists Dod'. Die Idee, den Refrain von Venoms Genre-Klassiker 'Black Metal' anzuspielen fand ich ebenso gelungen wie die gitarrenlastige Umsetzung des experimentellen Ambient-Stücks 'Blessed from Below' vom Mini-Album 'Intermezzo II'. Unverständlich bleibt mir aber, dass 'Black Lava' - eben jener Titel, der dieser Tour den Namen lieh - nicht gespielt wurde. Zwar waren einige Takte von 'Black Lava' zu hören, noch vor dem Refrain ging man aber zu einem der Gassenhauer von 'Volcano' über. Immerhin wurde mit einigen ansehnlichen pyrotechnischen Effekten auch dem Auge etwas geboten.
Die Stimmung im Publikum war ausgelassen; vor allem bei der Zugabe 'Mother North' und den eingängigen Nummern vom aktuellen Album, 'Repined Bastard Nation' und 'Fuel for Hatred', gaben viele ihrem Bewegungsdrang nach und eröffneten einen respektablen Moshpit. Bemerkenswert war schließlich noch die Leistung von Schlagzeuger Frost. Trotz seiner Verletzung erzeugte er einen unglaublichen Druck und wahnsinnige Aggression. Durch den - im Vergleich zu den Studioalben - hervorgehobenen Schlagzeugsound, klangen die Songs schneller, zielstrebiger und gnadenlos. Bei 'Supersonic Journey' schüttelte ich unter dem Eindruck des entfesselten Klanges ungläubig staunend den Kopf. Die einsame und anstrengende 15-minütige Anreise, der Verzicht auf eine richtige Eintrittkarte, ja selbst die vielen, stinkenden Rauch atmenden Menschen um mich herum, alles war in diesem Augenblick bedeutungslos geworden. Diese Begeisterung flammte von Zeit zu Zeit, je nach gespieltem Titel, wieder auf. Ich war zufrieden. Insgesamt dauerte der musikalische Rausch etwas mehr als eine Stunde. Zwar viel zu kurz nach meinem Geschmack, aber nach zahllosen schlechten Konzerten war ich für eine derartige sowohl technisch als auch atmosphärisch sehr gut gelungene Vorstellung mehr als nur dankbar.
Als ich zu meinem Auto, gelegentlich immer noch spöttisch Prötzer genannt, zurückgekehrt war, stellte ich fest, dass dieser weder abgeschleppt noch mit einem Strafzettel versehen worden war. Ich stieg also leise ein und fuhr, leise Musik hörend, wieder nach Hause. Den Weg fand ich übrigens dank meiner Gedächtnisleistung ohne Umwege.

Deadleft am 04.06.2005




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