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Blut und Spiele

Hellflame Festival

Dark Tranquility, 1349, Belphegor, Napalm Death, Necrophobic, Shining, Dornenreich, Sturmprophet

Ort: Osnabrück / Hyde Park
Datum: 05.09.2009


Nach längerer Festivalabstinenz begab ich mich auf den beschwerlichen Weg nach Osnabrück, um dem Hellflame Festival (dem nördlichen) beizuwohnen. Durch eine mißverständliche Beschilderung im Baustellenbereich zog die Ausfahrt nach Osnabrück an mir vorüber, wodurch ich eine Ehrenrunde auf der Autobahn drehen durfte. Angesichts der heftigen Niederschläge zu dieser Zeit keine schlechte Wahl. Am Ort des Geschehens angekommen, war das Wetter wieder freundlich. Pünktlich zum Beginn der ersten Musikgruppe war ich da, jedoch die Türen zum Hyde Park noch nicht geöffnet. Dies dauerte noch eine Weile und wie sich herausstellte, hatte in der Woche zuvor Chrome Division ihren Auftritt kurzfristig absagen müssen. Damit war nach Moribund Oblivion (deren Absage schon im Vorfeld bekannt war) schon die zweite Gruppe ausgefallen und die fehlende Spielzeit wurde durch längere Auftritte der anderen Gruppen kompensiert (vom späteren Anfang abgesehen). Zum Glück kamen die anderen Bands, sonst wäre aus dem 'Festival' wohl nur ein 'Konzert' geworden. Außerhalb randalierten ein paar angetrunkene Engländer (angeblich) und spielten mit Möbelstückresten Frisbee. Die Lokalität bot im Innenraum viel Platz und Schlupfwinkel um dem Geschehen aus der Ferne beiwohnen zu können. Im Mittelpunkt waren einige Deckenfenster, so daß es nicht gar so dunkel im Raum wurde. Dekoriert war die Decke mit einem ausrangierten (und noch unbefleckten) Fallschirm. Die Toilette hatte allerdings den Charme eines hamburger Bahnhofklos, was durch die von mir beim späteren Besuch als vermeintliche Marihuanakonsumenten identifizierten Personen bestätigt wird. Während ich meine Urinprobe in das Becken abgab, palaverten sie über wichtige Sinnfragen.

Mit einer halben Stunde Verspätung entgegen dem angekündigten Spielplan traten dann endlich Sturmprophet auf. In ihren 30 Minuten spielten die Wittener redlich bemüht eine Mischung aus melodischen Death, Heavy und Thrash Metal, konnten aber keinen in der Menge dazu nötigen, in Ekstase zu verfallen. Sie hatten zwar den Band-Contest gewonnen und waren damit die Einheizer auf dem Festival, jedoch wäre ihnen in einem kleinen Saal mehr Beifall gezollt worden. Sie haben die Sache gut gemacht, jedoch die Menge wohl noch nicht so aufnahmefähig.
Das Publikum wartete mehr auf Shining, die darauffolgend gegen 15 Uhr auftraten. Nach einer großzügig ausgedehnten Umbaupause kamen dann endlich die Mitglieder auf die Bühne und Kvarforth konnte mit seinem Schauspiel beginnen. Ich denke, ohne die extravaganten Shows und Einlagen der 'Diva' wäre Shining eine mittelmäßig bekannte Gruppe, da die Musik zwar extrem, jedoch nicht sonderlich publikumswirksam ist. Also da war er nun, der 'Ritzer' vom Dienst und begnadete Selbstdarsteller. Ich hatte Shining schon vor zwei Jahren gesehen und war frühzeitig gegangen. Das lag wohl aber auch daran, daß sie damals gegen 2 Uhr nachts auftraten. Hier war der Saal gut gefüllt, denn jeder wollte dem Spektakel beiwohnen. Der exzentrische Sänger bot die teils gekreischten, teils geflüsterten und mitunter auch in einer piepsigen Kinderstimme vorgetragenen Texte souverän dar und verstand es, nebenbei die Erwartungen der Fans zu erfüllen. Er trank während des Auftrittes eine halbe Flasche Whiskey, schnitt sich die Unterarme auf und schmuste mit den Gitarristen. Dazu wand er sich auf dem Boden oder machte anderweitig theatralische Bewegungen. Die Musik paßte zu seinem Tun und mir haben am besten die Stücke der 'The Eerie Cold' gefallen. Nach dem Auftritt wurde noch ein Fan vom Sanitäter umsorgt, der sich hat von Kvarforth anschneiden lassen. Der Sani eilte dann auch hinter die Bühne, aber Kvarforth ist wohl Profi genug, um sich selbst verbinden zu können.
Notiz am Rande: Es gibt immer noch Metaller, die sich bei einem Meter Abstand zu den Lautsprechertürmen Taschentuchfetzen in die Ohren stopfen. Die Jugend hat zwar Geld für Wein, Weib und Gesang, aber nicht für zumindest einfache Ohrstöpsel.

Belphegor
Belphegor



Nach dem Mann der sich in den Arm ritzt, kamen nun Musiker die einfach nur in die Luft ritzen: Dornenreich. Die Gruppe trat diesmal mit einer 'Metal Show' ihrer Werke auf. Ich hatte sie schon auf ihrer Akustiktournee gesehen und muß sagen, daß mir die vielleicht sogar besser gefallen hat. Die Darbietung war gut und die Musik auch, aber die Besetzung war zu klein. Schlagzeug, Gitarre und Violine hatten nicht die Kraft, die nötige Energie zu erzeugen für die Stücke. Es hätten ruhig noch 1-2 Gitarren, Baß und evtl. ein Keyboard zur Unterstützung beitragen können. Das Schlagzeug übertönte die Gitarre und die Violine konnte kaum dagegenhalten. Vorgetragen wurden Stücke aus dem ganzen Schaffen von Dornenreich, so daß die Massen zufrieden waren.
Nach dem stilistischen Wechsel von Shining zu Dornenreich wurde abermals gewechselt, und zwar nun zu Death und Black Metal mit Necrophobic. Die Schweden hatten die Reihenfolge mit Belphegor getauscht und boten den bis dahin besten (musikalischen) Auftritt des Nachmittages und konnten der Menge einheizen. Mit dem schnellen und pausenlos nach vorn gerichtetem Spiel der Gruppe kam keine Langeweile auf. Auch das Einheizen der Massen mit Sprechchören á la 'Death to all' wurde dankend erwidert. Das meist gebrauchte Wort während der Ansagen war allerdings 'Fuck'. Ich habe nicht mitgezählt, aber es könnte dem 'Dude' Konkurrenz machen. Selbst der angeheiterte Kvarforth kam vor die Bühne und lauschte der Musik, während er Frauen in der ersten Reihe belästigte und versuchte, auf ihren Armen eine Zigarette auszudrücken. Am Ende machte er es auf seinem Arm.

Danach kamen Belphegor aus Österreich und Sänger Helmuth schien sichtlich Spaß am Auftritt zu haben. Der schnelle Death/Black Metal durchdrang den Saal und die Leute wurden nicht müde, 'Helmuth' zu rufen. Der Schimpfwortdurchdringungsfaktor lag diesmal nicht so hoch, allerdings war es der bis dahin blutigste Auftritt. Bei den letzten Liedern übergoß sich zuerst der Sänger, später auch die restlichen Mitglieder mit Blut. Die Kappe von Helmuth tat ihr übriges. So brachte das druckvolle Spiel der Musiker gepaart mit einer guten Show die Menge in Stimmung, so daß am Ende sogar 'Belphegor'-Rufe durch den Raum schallten. Es war das erste Mal beim Festival, daß überhaupt vom Publikum am Ende mehr gefordert wurde, da zuvor auch keine Zugaben verlangt wurden. Zum Schluß warfen Belphegor die Blutflaschen in die Menge, wobei der Fallschirm in der Raummitte etwas besudelt wurde.
Mit Napalm Death folgte eine Alt-Herren-Combo, die schon vor zwei Dekaden im Hyde Park spielte. Nach anfänglichen Schwierigkeiten wurde der unrhythmische Grindcore für mich etwas zugänglicher, jedoch zählte der Auftritt zumindest musikalisch nicht zu meinen Favoriten. Auch phototechnisch stellte mich der umhersausende Sänger vor Probleme. Viel interessanter fand ich die Zwischenansagen von Mark 'Barney' Greenway. Diese waren in einer normalen Sprachweise und mit einem schönen englischen Akzent gehalten, welcher einen herben Kontrast zu dem sonstigen Gegrunze bei den Liedern darstelle, wo man gar nichts verstand. Greenway philosophierte über Krieg und Frieden, eine bessere Welt und Intoleranz. Manchmal erinnerte er mich dabei an einen Lehrer oder Fernsehmoderator. Gegen Ende wurden die Stücke immer kürzer und blieben zum Teil unter einer Minute. Der Höhepunkt des Auftrittes stellte dabei das Dead Kennedys Cover 'Nazi Punks Fuck Off!' dar. Das F-Wort wurde übrigens verhältnismäßig selten benutzt und meist nur in Verbindung mit Schmähworten gegenüber Regierungen oder intoleranten Gruppen.

Nachdem es während der Umbaupause im Außenbereich ein wohl nicht genehmigtes, sehr bodennahes und großes Feuerwerk gab, eröffnete auch die Kantine innerhalb des Hyde Parks. Die Karte versprach, ganz im Gegensatz zu den unansehnlichen Pizzaschnitten die vor der Halle feilgeboten wurden, eine angenehme Auswahl. Ich wählte der Gesundheit wegen ein Pangasiusfilet, worauf der Küchenchef meinte, er hätte alles da außer diesem. Eine Schale fritierte Kartoffelscheiben mit Hackfleisch und einer Portion Knoblauchmayonaisedip tat es dann auch. Gut gesättigt überstand ich so die lange Umbaupause von 1349. Schon auf einem Party.San Festival, wo sie auftraten, brauchten sie ewig. Die Musiker waren zwar schon während des Napalm Death Auftrittes fertig geschminkt im Backstage-Bereich zu sehen, aber der Sound war mal wieder schuld, obwohl er beim Festival an sich recht passabel war. Aber nicht die Musiker eröffneten den Auftritt, sonder der völlig nackte Kvarforth kroch auf der Bühne herum und gab seltsame Laute von sich. Ich dachte schon er singt jetzt auch hier, aber er kroch dann auf allen Vieren, das Gesäß zum Publikum, wieder hinweg. Danach folgte die langweilige Old-School-Show mit einfallslosen Black Metal von 1349. Kvarforth kam zum Zuhören wieder vor die Bühne, diesmal mit einer halb leeren Flasche Jägermeister und seine Freundin/Frau/Betreuerin hatte Mühe, ihn von den Leuten fern und am Stehen zu halten. Die Menge war von der Show nicht sonderlich begeistert und ich dachte schon, viele würden gehen.

Aber weit gefehlt, denn für die Fans kam mit Dark Tranquility noch einmal ein Höhepunkt des Festivals. Halb zwölf Uhr nachts traten die Schweden mit ihrem melodischen Death Metal an, die Menge zu begeistern. Dies gelang ihnen spielend und die Fans lebten förmlich noch einmal auf. Ich hatte zuweilen die Befürchtung, der Sänger würde von der Bühne stürzen, da er oft bis zum Rand lief und dann abrupt stehen blieb. Am besten gefiel mir am Auftritt, daß endlich wieder eine respektable Lichtshow geboten wurde und die Bilder etwas bunter werden konnten. Als ich genügend aufgenommen hatte (so nach zehn Minuten), konnte ich dann gehen, denn die Musik war mir zu langweilig. Mädchen-Metal.
Außerdem mußte ich ja noch zwei Stunden durch die Dunkelheit zurück nach Hause fahren. Dort angekommen legte ich mich ins Bett und schlief fest ein – in den Träumen verfolgt von Kvarforth' Hinterteil!

Wehrmut am 09.09.2009




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