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15 Jahre Hölle, Hölle, Hölle

Party.San Open Air XV

Marduk, Deströyer 666, Psycroptic, Azarath, Postmortem, Satyricon, Unleashed, Misery Index, Thyrfing, Hate Eternal, Swallow the Sun, Evocation, Den Saakaldte, Solstafir, Inhume, Grabak, Summers Dying, Siy Feet Under, Dark Funeral, Eluveitie, Brujeria, Moonsorrow, Sadus, Brutal Truth, Shining, Rotten Sound, Paganizer, Beneath the Massacre, Hellsaw

Ort: Bad Berka / Flughafenwiese
Datum: 06.08.2009 bis 08.08.2009


Nachdem mir der erste und bisher einzige Party.San-Besuch vor fünf Jahren wirklich gut gefallen hatte, war es jetzt endlich an der Zeit, mal wieder in Bad Berka vorbeizuschauen. Die Jahre dazwischen haben sich einfach zu gute Ausreden gefunden. Vermutlich bin ich eben doch nur dann Metaller wenn die Sonne scheint und gerade nichts im Fernsehen kommt.


Donnerstag
Am Mittwoch, dem eigentlichen Anreisetag für alle Party.San-Profis, war ich leider kurzfristig verhindert, so daß ich erst am Donnerstag auf dem Gelände eintraf. An der Einfahrt wurden natürlich die zwei Gläser mit Apfelmus und sauren Gurken in meinem Kofferraum entdeckt und unter vorwurfsvollen Blicken entsorgt. Wegen meiner verspäteten Anreise war es dann gar nicht mehr so einfach, noch Platz für Zelt und Auto bei unserer Festivalgruppe zu finden. Mein Zelt war dann letztlich so positioniert, daß ich bei schwunghaftem Herausklettern sofort mit der Stoßstange von Heikos VW-Bus und einem davor stehenden Müllsack kollidierte. Mein Auto stand ein kleines Stück entfernt vom Rest, so daß ich durch das Camp unserer Nachbarn laufen und mir daher für die nächsten Tage immer wieder den Satz 'Raus aus unserem Wohnzimmer!' anhören durfte.

Gleich beim ersten Rundgang über den Zeltplatz habe ich meine erste musikalische Neuentdeckung des Festivals gemacht: Obscura. Im Vorbeigehen hörte ich die Musik aus irgendeinem Camp und war nach nicht mal einer Minute Zuhören sehr angetan. Technischer aber zeitweise trotzdem melodiöser Death Metal mit verspieltem und deutlich hörbarem Baßspiel, der mich auf angenehme Weise an Cynic erinnert. 'Cosmogenesis', das zweite Album der Band, ist damit die erste CD überhaupt, die ich mir nach derart kurzer Hörprobe gekauft habe. Die erste Live-Band waren diesmal die Thrash Metaller von Postmortem aus Berlin. Ich hatte die Band schon einmal live gesehen und wie schon beim ersten Mal ließ mich der Auftritt - Sirene hin oder her - kalt. In jedem Fall waren sie aber bemüht, für Stimmung beim Publikum zu sorgen und das Festival gebührend zu eröffnen. Azarath habe ich danach aus der Ferne gesehen, was ich inzwischen bedauere. Auf der Bühne war zwar wenig los, aber selbst das Nebenbeihören hinterließ einen positiven Eindruck: technisch vermutlich recht versierter Death Metal ohne viel Firlefanz aber mit gehörig Druck.

Nach diesem musikalischen Einstieg bin ich dann erst einmal mit Heiko zum offiziellen Party.San-Verkaufsstand gegangen, um dort den Absatz des offiziellen Party.San-Samplers zu überwachen. Den hat nämlich Heiko höchstpersönlich auf dem eben erst gegründeten Label Mortem Records produziert und dafür Haus und Hof verpfändet. An dieser Stelle bitte ich den geneigten Leser also höflichst um Beachtung dieses ehrgeizigen wie auch selbstlosen Projekts. Die erste Person, die wir mit Sicherheit als Käufer identifizieren konnten, wurde dann auch sofort leise aus der Ferne beglückwünscht. Nebenbei spielten auf der Bühne Psycroptic, bei denen ich auch bedauere, daß ich sie mir nicht genau angehört habe. Die danach eingesammelten Reaktionen waren jedenfalls durchweg positiv. Auch Deströyer 666 sind ein wenig an mir vorbeigezogen. Ich hatte zwar ein paar Fotos gemacht und mir das Ganze nicht weit von der Bühne angeschaut, insgesamt erschien mir das Gebotene aber wenig sinnvoll.

Ganz genau hingegen habe ich danach den Auftritt von Marduk verfolgt. Die Band spielte tatsächlich gleich am Anfang das komplette 'Panzer Division Marduk'-Album und rundete das Ganze dann mit ein paar weiteren Songs jüngeren Datums ab. Ich persönlich finde nur zwei Arten von Marduk-Songs einigermaßen hörenswert: die schnellen Songs mit Wiedererkennungswert (z.B. 'Christraping Black Metal' durch seinen Refrain) und die mittelschnellen Stücke. Diese Kriterien erfüllen allerdings nur gefühlte 5% des Marduk-Repertoires. Der Rest ist einfach nur extrem schnell und äußerst langweilig. Bei einer Stunde Musik in Höchstgeschwindigkeit sinkt die Wirkung eines Blast Beats auf ziemlich genau Null.


Freitag
Nachdem ich Summers Dying, die erste Band des Tages, ausgelassen hatte, war ich dann bei Grabak zur Stelle. Die Band kam nur zu diesem Auftritt, weil sich Glorior Belli aus Frankreich wenige Tage vor dem Festival aufgelöst hatten. Schade fand ich das aus zwei Gründen: Erstens klang die Beschreibung im Party.San-Programmheft vielversprechend (avantgardistischer Black Metal) und zweitens boten Grabak lediglich hyperschnellen und durchweg üblichen Black Metal. Möglicherweise klingt die Musik von CD differenzierter, beim Party.San erschien sie einfach nur verzichtbar. Große Freude hatte ich hingegen bei Inhume, die mit einer energiegeladenen Mischung aus Death Metal und Grindcore auch für Hochstimmung beim Publikum sorgten. Die beiden Sänger waren sichtlich bester Laune, vollführten wilde Luftsprünge auf der Bühne und schrieen bzw. brüllten sich die Seele aus dem Leib. Zum ersten Mal bildete sich daraufhin auch ein respektabler Moshpit vor der Bühne, in dem sich gegen Ende mehrere Dutzend Fans in irrwitzigen Kostümen im Kreis jagten. Auch Fuchs von den Apokalyptischen Reitern, der den Auftritt von der Bühne aus verfolgte, hatte ein Dauergrinsen im Gesicht. Ein Album von Inhume würde ich mir vermutlich nicht anhören, aber bei einem Open-Air-Festival ist die Musik recht unterhaltsam.

Die danach angekündigten Solstafir hatte mir Heiko bereits im Vorfeld besonders empfohlen. Ich selbst kannte die Band nur vom Namen und hatte sie gedanklich irgendwo unter 'Black Metal' und 'unwesentlich' einsortiert. Daher war ich durchaus überrascht, daß gar keine geschminkten Bösewichte die Bühne betraten. Die beiden Gitarristen sahen in ihren abgewetzten Lederklamotten sowie mit Cowboyhut und Sonnenbrille unfaßbar cool aus. Mit Black Metal hatte die Musik dann auch überhaupt nichts zu tun. Geboten wurde stattdessen eine Art völlig überzogene und metallisierter Post-Rock-Variante: Minutenlange Intros, sich langsam aufbäumende, repetitive Strukturen, die schließlich in einer Wand aus Gitarren, Schlagzeug und der emotionalen Stimme von Sänger Aðalbjörn entluden. Zwar wirkte der Auftritt von Solstafir wie eine vollkommen übertrieben Hommage an das Lebenswerk der Post-Rock-Legende Godspeed You Black Emperor und gepaßt hat die Band partout nicht ins Billing - ich habe die erhabene Stimmung und das völlig unbefangene Auftreten jedoch sehr genossen.

Solstafir
Solstafir



Nach den Isländern war wieder einmal eine echte Black-Metal-Band an der Reihe. Interessant an Den Saakaldte aus Norwegen fand ich indes lediglich das Gebaren von Sänger Kvarforth, der hauptsächlich durch seine Band Shining bekannt sein dürfte. Dieser Kvarforth also schrie und spuckte auf der Bühne, beleidigte das Publikum, soff ohne Unterlaß aus einer Flasche Whisky und kotzte fast schon beiläufig alles wieder aus. Vor dem Auftritt hatten Heiko und ich ihn noch hinter der Bühne gesehen, wie er freundlich mit ein paar Bandkollegen scherzte und fast panisch vor einer Wespe davonrannte. Ein zwiespältiger Geselle.

Von Swallow the Sun und Evocation habe ich danach nicht mehr viel gehört. Erstere erschienen mir furchtbar seicht und langweilig, letztere dagegen melodisch-rasant aber wenig originell. Bei Hate Eternal befand ich dann wieder etwas näher an der Bühne, was jedoch nicht nötig gewesen wäre. Auf dem Programm stand mal wieder Hochgeschwindigkeitsgebolze, bei dem allenfalls das beinahe unmenschliche Schlagzeugspiel hörenswert war. Im Anschluß daran langweilte ich mich weitere 45 Minuten bei der Musik von Thyrfing. Im Grunde genommen machen die Schweden eine Art Gute-Laune-Musik mit süßlichen Schunkelmelodien und unverblümten Schlageranleihen. Ein paar freundlich mitbrummende Gitarren reichten aber offensichtlich den meisten im Publikum aus, um das Ganze als harte Musik zu klassifizieren und die Köpfe kreisen zu lassen. Die folgenden Misery Index habe ich dann ausgelassen, um mich auf Unleashed, die vorletzte Band des zweiten Abends, konzentrieren zu können.

Auch wenn ich der Musik von Unleashed nicht allzu viel abgewinnen kann, als Live-Band sind die Schweden einfach ungeschlagen. Viele der recht simpel gestrickten Songs haben Refrains, die ganz einfach zum Mitgrölen einladen. Und auf genau dieser Grundlage beherrscht es Johnny Hedlund meisterhaft, das Publikum einzubeziehen. Auch an jenem Abend dirigierte er die Massen und veranstaltete unter anderem einen Lautstärkewettbewerb, indem er das Publikum in zwei Hälften unterteilte und abwechselnd 'Death Metal Victory' schreien ließ. Sehr unterhaltsam.

Den Abschluß des zweiten Festivaltags bildete der Auftritt von Satyricon. Der Umbau dauerte außergewöhnlich lange, so daß Satyr und Co. erst mit einer halben Stunde Verspätung aufliefen. Gleich zu Beginn des Auftritts gab das Keyboard seinen Geist auf, woraufhin Satyr wutentbrannt das inzwischen leere Gestell in die Ecke feuerte. Gleich nachdem ein eifriger Bühnentechniker es wieder an seinen Platz gestellt hatte, schnappte es sich Satyr und beförderte es erneut unsanft von der Bühne. Erst als Satyr ein paar Minuten am Stück mit Singen abgelenkt war, gelang der neuerliche Wiederaufbauversuch. Auch der Gitarrensound war am Anfang äußerst verwaschen, klang aber nach ein paar Optimierungen derart gut, daß sogar die eher subtilen Gitarreneffekte hervorragend zur Geltung kamen. Die Setlist bot hingegen wenige Überraschungen. Die Norweger spielten zum größten Teil Songs von den letzten drei Alben, einzig 'Den Siste' von 'The Age of Nero' und 'Havoc Vulture' von 'Rebel Extravaganza' stachen ein wenig heraus. Auch die Stimmung war eher verhalten und mit dem Jubel bei Unleashed überhaupt nicht zu vergleichen. Am Ende kam dann noch ein wenig Leben in die Bude als wie üblich 'Mother North' gespielt wurde. Na ja.


Samstag
Den letzten Festivaltag ließ ich sehr gemächlich angehen, weshalb ich die ersten vier Bands verpaßt habe. Erst bei den Suizid-Apologeten von Shining war ich wieder zur Stelle, um noch einmal den übelgelaunten Kvarforth zu sehen. Der ließ sich auch nicht lange bitten, wälzte sich auf dem Bühnenboden, knutschte den einen Gitarristen ab und leckte dem anderen die Stiefel. Musikalisch war die Show auch ganz ordentlich, auch wenn diese Art von Musik, die doch klaustrophobisch und beängstigend wirken soll, meines Erachtens nicht für ein Open Air-Festival geeignet ist. Vor allem 'The Claws of Perdition' vom vierten Album 'The Eerie Cold' gefiel mir allerdings selbst bei Sonnenschein und inmitten von tausend anderen Menschen recht gut. Sicherlich wegen einer Art musikindizierter Mini-Depression habe ich dann Brutal Truth ausgelassen. Sadus wollte ich hingegen nicht verpassen, nachdem ich kurz zuvor in unserem Zeltlager einen kurzen Vortrag über den Bassisten Steve DiGirgio gehört hatte. Folglich habe ich dann beinahe ausschließlich auf das tatsächlich beeindruckende Spiel der Baß-Legende geachtet und vom Rest wenig mitbekommen. Interessant fand ich es aber allemal. Nach technischer Feinkost folgte mit Moonsorrow jedoch wieder einmal in Schokosoße getauchtes Fast Food. Das Publikum war jedoch begeistert und genoß 45 Minuten lang in Keyboardkleister getränkte Fantasy-Geschichten mit Gitarrenuntermalung.

Der Auftritt von Brujeria kam mir dann als Kontrastprogramm ganz gelegen. Die Musik ist schnell beschrieben: rasanter Death Metal mit heftigen Grind-Einflüssen. Soweit so langweilig. Wenn überhaupt ist die Band nur deswegen beachtenswert weil die Musiker offensichtlich viel Spaß dabei haben, südamerikanische Drogenhändler zu mimen. Maskiert und mit Machete am Gürtel brüllen und grunzen sich die beiden übergewichtigen Sänger durch den Auftritt, unterhalten sich zwischen den Songs auf spanisch und tun so, als ob sie Werbung für Drogen machen würden. Wenn man bei einem Festival gerade nichts Besseres zu tun hat, kann man sich das durchaus mal anschauen.

Bei Eluveitie aus der Schweiz war dann wieder Schluß mit lustig. Plötzlich standen 9 in Lumpen gehüllte Leute auf der Bühne, die Instrumente aus Holz, Horn und Tierhaar in den Händen trugen. Dazu kamen noch Kulissenteile mit Motiven aus dem Märchenwald und ziemlich schnell wurde klar, daß mir eine musikalische Zeitreise bevorstehen würde. Und in der Tat, nach wenigen Minuten schunkelte das Publikum bei fröhlichem Mittelalter-Tralala. Vermutlich erschien es auch nur mir etwas seltsam, daß die beiden Damen auf der Bühne wild ihre Köpfe schüttelten während der Frontmann auf seiner Flöte so etwas wie ein vorzeitliches Kneipenlied spielte.

Nachdem ich heimlich die Band und das Publikum ausgiebig beschimpft hatte, waren Dark Funeral an der Reihe. Zum Einstieg hatten die Schweden 'The Secrets of the Black Arts' ausgewählt, was mich schon im Fotograben sehr erfreute. Allerdings stimmte es mich ein wenig mißmutig, daß der Sound bei weitem nicht so transparent ausfiel wie bei Satyricon am Vortag. Vor allem wegen des zu lauten Schlagzeugs und der breiigen Gitarren ereilte so manche Melodie der Verstärkertod. Die Setlist wiederum bot eine schöne Mischung aus neueren und alten Songs, wobei für mich der Höhepunkt definitiv mit 'Open the Gates' vom Debüt-Album erreicht war. So sehr ich Dark Funeral jedoch für die wirklich hörenswerte Mischung aus Geschwindigkeit und Melodie schätze, umso lächerlicher finde ich deren Auftreten. Es gibt wahrlich viele Bands, die beinahe krampfhaft versuchen, sich ein satanisches Image zu geben. Dark Funeral überdrehen das Satanische aber ins Comichafte: Frontmann Caligula sagte den Song 'Arrival of Satan's Empire' an, indem er etwas vom schönsten Tag überhaupt faselte. Auf den letzten Alben gibt es zudem kaum noch einen Titel, der ohne Referenz an das Böse oder den Teufel persönlich auskommt und die Teufels- und Dämonenfratzen auf den Bühnenbildern machen aus der Band einfach nur die böseste Clownstruppe der Welt.

Zum Abschluß des 15. Party.San-Festivals durften Six Feet Under spielen. Ich finde die Musik zwar ordentlich, was vor allem an der Eingängigkeit und dem groovigen Charakter liegt, diese beiden Punkte reichen im Fall von Six Feet Under aber für maximal 20 Minuten. Danach nutzt sich das Konzept bei mir sehr recht schnell ab. Zugegeben: Die Mischung aus sehr tiefem Grunzen und markerschütternden Schreien von Chris Barnes sind schon mal hörenswert, aber für eine Stunde Musik ist mir das immer noch zu wenig. Als letztes Lied spielten Six Feet Under 'T.N.T.' von AC/DC, was beim Publikum ganz gut ankam, bei mir die Gleichgültigkeit aber nur verstärkte, da ich AC/DC ohnehin für eine völlig überschätzte Band halte.

Den Irrsinn im Partyzelt habe ich danach wie üblich weggelassen und bin gleich zurück ins Zeltlager gegangen. Dort gab es aber amüsanten Irrsinnsersatz in Form eines Franken, der sich zu uns in die Runde gesetzt hatte und uns die aus seiner Sicht brandheiße Neuigkeit erzählte, daß nicht nur Gaahl von Gorgoroth sondern auch Rob Halford von Judas Priest schwul sein soll.

Deadleft am 31.08.2009




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