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Kunst und Krempel

Ithyphallic Europe Tour 2008

Nile, Grave, Severe Torture

Ort: Hamburg / Markthalle
Datum: 29.09.2008


Bei meinem Eintreffen in der Hamburger Markthalle war der Auftritt von Severe Torture schon in vollem Gang. Diese Band hatte ich bisher auch aufgrund des wenig versprechenden Namens ungeh├Ârt in eine wenig schmeichelhafte Schublade einsortiert. Zwar gab es keinesfalls einen Mangel an heftigem Gekn├╝ppel, allerdings waren die Songs aber von mal groovigen, mal melodischen Passagen durchzogen und damit durchaus kurzweilig.

Grave, die Altmeister des Death Metal lieferten ihr Highlight noch vor dem ersten Song ab. S├Ąnger Ola pr├╝fte sein Mikrofon nicht mit dem ├╝blichen 'one - two - three - check' sondern mit 'Polish - Romanian - Czech'. Ein m├╝des Wortspiel zwar, aber aus meiner Sicht war das der beste Beitrag der Schweden an diesem Abend. Der Auftritt selbst bestand aus simplem und sch├Ârkellosem Death Metal, wie ihn Grave schon vor 15 Jahren gespielt haben. Es gab nichts Originelles, nichts Besonderes - nur gepflegte Langeweile. Einziger Lichtblick: 'You'll Never See...' vom gleichnamigen Album aus dem Jahr 1992. Dieses St├╝ck war ein Funken Nostalgie, der ganze Rest geriet zum lauen Aufgu├č alter Tage. Ich fand es erstaunlich, wie altbacken und angestaubt die Songs vom neuen Album klingen. Warum wird solche Musik heute noch produziert? Worin liegt der Reiz f├╝r die Musiker?

Grave
Grave



Den Beweis, da├č Death Metal originell sein kann ohne sich mit modernem Schnickschnack zu verheben, lieferten danach Nile ab. Schlagzeuger George Kollias erntete schon beim Soundcheck Applaus - und das v├Âllig zu Recht. Allein welche Geschwindigkeit Kollias mit seinen F├╝├čen erreicht, ist atemberaubend. Die etwa einst├╝ndige Show von Nile war dann eine der besten, die ich je erlebt habe. Death Metal auf technisch hohem Niveau spielen mittlerweile sehr viele Bands. Nile verstehen es allerdings, Riffs zu schreiben, die nicht nur ins Ohr gehen sondern dort auch h├Ąngen bleiben. Das alles wird in einer sagenhaften Geschwindigkeit und mit den irrwitzigsten Gitarren- und Schlagzeugkapriolen vorgef├╝hrt. Dazu kommen die abgrundtiefen Stimmen von Karl, Dallas und Chris sowie die ├Ągyptischen Einfl├╝sse, welche vollkommen nat├╝rlich in den Sound eingebettet sind, der Musik etwas Mystisches verleihen und das Werk von Nile endg├╝ltig absolut eigenst├Ąndig machen.

Auch das Publikum war ├Ąu├čerst angetan von der wirklich seltenen Mischung aus brillanter Technik, gro├čen Songs und einem sehr sauber abgemischten Sound. Einzig der ├Ąu├čerst rabiate Moshpit vor der B├╝hne lie├č mich r├Ątseln, ob die Beteiligten die Qualit├Ąt der Musik tats├Ąchlich wertsch├Ątzen. Wenn man mit Anlauf gegen einen ausgestreckten Ellenbogen donnert, ger├Ąt es vermutlich zur Nebensache, ob Kollias stur mit H├Âchstgeschwindigkeit spielt oder extravagante Fills auf den Becken einstreut. Zum Schlu├č jedenfalls spielten Nile mit 'Unas - Slayer of the Gods' noch eines ihrer epischsten und atmosph├Ąrisch dichtesten St├╝cke, das einen ├╝berzeugenden Schlu├čpunkt unter einen wirklich gro├čartigen Auftritt setzte.

Deadleft am 17.12.2008




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