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Black Metal mit Balearenflair

Black-Attack-Festival

Eminenz, Endstille, Minas Morgul, Equilibrium, Apokrypha

Ort: Aalen / Rock-It
Datum: 24.01.2004


Also wenn drau├čen keine Null Grad w├Ąren und einem der kalte schw├Ąbische Wind um die Ohren blasen w├╝rde, h├Ątte ich auch sagen k├Ânnen; '...ich fahr mal schnell nach Palma in den Ballermann'. Aber ich war ja 'nur' in Aalen. Doch dazu sp├Ąter mehr. Ja, also in Aalen. Die Gegend dort d├╝rfte ja mittlerweile jedem Metal-Fan bekannt sein, denn Abtsgm├╝nd ist nur ein paar Meter entfernt. Und dort steigt ja jedes Jahr das 'Wacken des S├╝dens' - das Summer-Breeze.
Aber zur├╝ck nach Aalen und dort ins 'Rock-It'. Dies ist ein kleiner Saal, welcher Platz f├╝r sch├Ątzungsweise 200 bis 300(?) Leute bietet. Eine um vielleicht 30 bis 40 cm erh├Âhte Plattform ist auch vorhanden und wird als B├╝hne genutzt. Naja, mehr geht nicht und das ist auch gut so, denn so bleibt die ganze Sache ziemlich gem├╝tlich und man hat nicht so weite Wege zum Bier holen und Bier leeren. Die Leute die den Laden am Leben halten sind nett und freundlich, die Preise liegen im normalen Rahmen und die Ger├╝chtek├╝che hat mir auch ins Ohr gefl├╝stert, da├č ein gewisser Achim Ostertag (jetzt) auch am 'Rock-It' beteiligt ist. Und steht dieser Name nicht f├╝r perfekte Organisation und Arbeit?

Die ersten Besucher trafen schon gegen 19 Uhr am Ort des Geschehens ein. Wie sich herausstellte, sollte laut einem Flyer aus einem bekannten Metal-Magazin das Event eben um 19 Uhr beginnen. Dies war leider eine Falschinformation (aus welchen Gr├╝nden auch immer) und so durften die schon Anwesenden sich wieder in ihre Fahrzeuge verkriechen, um noch ein bisschen W├Ąrme aufzunehmen. Denn es war wie gesagt, Bitterkalt. So gegen 20 Uhr oder 20.15 Uhr zeigten die Veranstalter Erbarmen und ├Âffneten die Tore um die Schlacht um 20:45 Uhr mit Apokrypha zu beginnen.
Apokrypha kommen aus W├╝rzburg und spielen Black Metal, welcher nicht schlecht ist, aber irgendwie auch nicht sonderlich gut. Ans├Ątze sind auf jeden fall vorhanden und ich werde sie weiterhin im Auge bzw. im Ohr behalten, doch der relativ schlechte Sound haben wohl auch dazu beigetragen, da├č irgendwie nicht so richtig der Funken ├╝berspringen wollte. Die Musik selber kommt ein wenig wie Belphegor r├╝ber, sch├Ân rotzig und dreckig, aber leider mit zu vielen Midtempo-Parts, welche die Songs mittig und zum ende hin etwas langweilig wirken lie├čen. Jungs, spielt die Songs so zu ende, wie ihr sie anfangt! Schnell und brutal! Beim Publikum kam der Gig trotz allem an, denn schon beim zweiten Song kreisten einige vor der B├╝hne ihre K├Âpfe. Eine Zugabe gab es auch und nach ca. 45 Minuten (immerhin) war dann Schlu├č.

Nach der Umbauphase enterte Equilibrium die B├╝hne. Und wie! Es ist der pure Wahnsinn, diese noch recht jungen 5 Bayern (eigentlich sind es ja 6) erleben zu d├╝rfen. Ihr Viking Metal ist so facettenreich, da├č man sofort Vergleiche mit anderen Bands des Genres heranzieht. Aber nicht irgendwelche, doch wenn man Finntroll, Ensiferum oder auch Graveworm nennt, dann soll es zeigen, was einem musikalisch geboten wird. Wobei zu bemerken ist, da├č Equilibrium kein Abklatsch genannter Bands sind. Eher im Gegenteil. Eigener Witz und Spielfreude machen jeden Song zu einer Hymne. Jedes Teil passt perfekt und so merkt man, da├č hier wirklich mit viel Hingabe und Perfektion an den in deutscher Sprache vorgetragenen Songs gearbeitet wurde.
Ein Auszug gef├Ąllig?

Kennst Du den Urknall aus dem Horn?
Kennst Du den Grund f├╝r der Nordmannen Zorn?
Klar wie das Wasser aus unseren T├Ąlern,
Gelb wie reife Weizen├Ąhren,
Aus dem Fasse muss es fliessen,
Damit wir Schlacht und Sieg begiessen.

Met, Met, Met, Met, Met, Met



Das alles dargeboten von einem Frontman, welchen wohl so gerne manche andere Band ihr Eigen nennen w├╝rde. Immer ein freundliches L├Ącheln f├╝r die Fans, perfektes Zusammenspiel mit seinen Bandkollegen und eben Spielfreude

Nach diesem grandiosen Auftritt von Equilibrium enterten Minas Morgul die kleine B├╝hne. Auch hier gab es kleinere Probleme mit der Technik, welche aber locker vom imposanten Frontman weggesteckt wurden. Imposant deswegen, weil er sich alleine durch sein ├äu├čeres stark von seinen Bandkollegen abhebt. Ja, so kann man sich einen nordischen Krieger aus der guten alten Zeit, welche wir heute Mittelalter nennen, vorstellen. Odin selbst h├Ątte wohl alles darangesetzt, solch ein tolles Outfit sein Eigen nennen zu d├╝rfen. Musikalisch gesehen haben Minas Morgul dann eine ziemlich geniale Show abgeliefert. Ihr Pagan Metal hatte es zwar schwer nach dem Auftritt von Equilibrium beim Publikum anzukommen, aber wer sich etwas mit dieser Musik besch├Ąftigt, wurde nicht entt├Ąuscht. Die melodischen Parts, gepaart mit aggressiven Basseinlagen wurden astrein auf die Fans losgelassen, was auch einige wieder dazu bewog, ihr K├Âpfe kreisen zu lassen.
Man sollte diese noch junge Band auf jeden fall weiter beobachten. So werde ich mein CD-Regal mit den bisher ver├Âffentlichten Alben von Minas Morgul bereichern, so wie ich es schon mit Endstille getan habe, welche nach einer kurzen Umbauphase die B├╝hne mit 'Fr├╝hlingserwachen' st├╝rmten. Aber der Sturm kam irgendwie nicht beim Publikum an. So z├Ąhlte ich wieder ein paar weniger Leute, welche sich wirklich f├╝r Endstille zu interessieren schienen und vor der B├╝hne ihren Tribut zollten. 'Iblis', seines Zeichen Vokalist, merkte dies wohl auch und scheute sich nicht im geringsten seinen Unmut dar├╝ber auf k├╝hle, mit klasse nordischem Dialekt, Art und Weise die Anwesenden im Saal zu animieren, mehr Aufmerksamkeit den K├╝nstlern zu widmen. Der Grund schien klar, denn Endstille gaben alles! Sie spielten sich den Frust in perfekter Manie vom Leib. Und wie! Ihr brachialer, gnadenlos schneller Black Metal der alten Schule kam in der Tat wie aus der Kanone geschossen und traf die Zuh├Ârer genau da, wo es mit am meisten Weh tut. So wurde ein klasse Song nach dem anderen in perfekter Manier durch den Saal geblasen. Dabei wurden Songs von den beiden Alben (Fr├╝hlingserwachen, Operation Wintersturm) und ich glaube auch vom Demo 'DemoN' gespielt.
Zu guter letzt wurde es auch noch ein wenig lustig. Denn Endstille spielten ihren letzten Song, verabschiedeten sich dann und gingen von der B├╝hne. Ja und dann hat es doch tats├Ąchlich jemand aus dem Publikum gewagt, 'Zugabe!' zu rufen. Auf Grund mangelnder Interesse des Publikums, k├Ânnte man das auch als Farce sehen. Doch Endstille lie├čen sich nicht lumpen, kamen zur├╝ck auf die B├╝hne, warnten das Publikum mit 'OK, ihr Schwachmaten! Ihr habt es ja nicht anders gewollt!' und lie├čen den Kanonen noch ein letztes mal freien Lauf. Das mu├č wohl nordische K├╝hnheit sein. Klasse!

Was man vom n├Ąchsten Ereignis nicht unbedingt sagen konnte. Damit meine ich nicht den Auftritt von Eminenz, sondern das, was in der Umbaupause geschah. Die schon genannten Probleme mit der Technik hatte ich schon angesprochen und zwischen dem Auftritt von Apokrypha und Equilibrium kam der Veranstalter auf die B├╝hne um sich daf├╝r zu entschuldigen. Dies ist ja im eigentlich eine gute Sache, doch bot er als Entsch├Ądigung eine 'J├Ągermeister-Show' an. Und genau das war es, was mich nicht mehr in den Glauben setzte, ich sei auf einem Metal-Konzert. Es war einfach oberpeinlich, wie sich Metaler mit den aufgemotzten M├Ądels mit orangener Per├╝cken benahmen. Aber das nennt man wohl Party, womit ich pers├Ânlich rein gar nichts anfangen kann. Wie ich es schon erw├Ąhnte hatte ich sp├Ątestens ab da den Eindruck ich sei im Ballermann (oder schaue Blitz! mit Caroline Beil), als es soweit war, da├č sich einige wirklich auf die Tische stellten und anfingen sich auszuziehen. Toll, wirklich toll. Warum geht ihr auf ein Black Metal-Konzert, wenn ihr euch doch nur zudr├Âhnt und f├╝r die Musik nichts ├╝brig habt.
Naja, ich habe mich dann entschlossen mal frische Luft zu schnappen und bin den Weg ins Freie gegangen. Dort wurde ich auch sogleich mit einem Schneeball an der Stirn begr├╝├čt. Ich wollte es kaum glauben, es schneite wie in besten norwegischen N├Ąchten. Entsprechend konnte ich mir dann ausmalen, da├č meine Heimreise wohl doch l├Ąnger dauern w├╝rde. Aber das war egal, w├╝rde ich doch noch die alten Haudegen von Eminenz sehen d├╝rfen. Also ging ich wieder rein, wo sich die JM-Show langsam ihrem Ende neigte und man auch Zeuge wurde, wie ein Gast vom Veranstalter des Saales verwiesen wurde. Warum, kann ich nicht sagen, aber denke ich, da├č es mit der JM-Show zusammenh├Ąngen musste.

Der Abend sollte aber wieder den Verlauf nehmen, weswegen ich und einige andere angereist waren. Eminenz gaben sich nach doch einiger Zeit mal wieder die Ehre und man war gespannt was auf einen zukam. Und es kam, wie es kommen musste. Auch sie spielten auf der kleinen B├╝hne eine klasse Show und bei den wenigen noch vor der B├╝hne anwesenden Fans wurden sie gut abgefeiert. Sie w├Ąhlten eine gute Setliste aus allen Alben aus und verstanden es, diese perfekt umzusetzen. Ein sch├Ânes Zusammenspiel mit den teilweise be├Ąngstigenden Keyboard-Einlagen, welche live und nicht vom Band gespielt wurden.
Eminenz, die s├Ąchsischen Urv├Ąter des deutschen Black Metal - Sch├Ân dass ich euch live sehen durfte. (Wenn man sich nicht schon aus alten Zeiten aus'm Auer Treff kennen sollte.)

Fazit des Abends:
Bis auf die JM-Show und den technischen Problemen, mit welchen jede Band k├Ąmpfen mu├čte, war es doch ein gelungener Abend. Drei neue Bands kennen gelernt und alle zum ersten Mal live gesehen. Niemand entt├Ąuschte und alles lief sauber und im ordentlichen Rahmen ab. Danke auch an die Veranstalter die es m├Âglich machen, da├č in Aalen auch mal der Underground nicht zu kurz kommt und entsprechende Konzerte anbieten und organisieren. Ich war auf jeden Fall nicht das letzte Mal bei euch!

PS: Die Heimreise war dann doch nicht ganz so schlimm, denn erfreulicherweise sind die Kollegen vom Winterdienst aus ihren Federn gekrochen und haben die Stra├čen so gut es ging freigelegt. Danke daf├╝r!

pwyll am 05.06.2005




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