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Live Music Hall/K├Âln

Puritanical Euphoric Misanthropia Tour 2001 (1)

Susperia, Lacuna Coil, Nevermore, In Flames, Dimmu Borgir

Ort: K├Âln / Live Music Hall
Datum: 02.04.2001


Susperia: unter grossem Namedropping von der Plattenpresse angek├╝ndigt, entpuppte sich der Opener als heisse Luft. Von wegen intensiver Black Metal. Das war pseudoaggressiver Heavy-Normalokram. Interessant war h├Âchstens, dass der Bassist 'nen 6-Saiter spielte, was in diesem Metier eher ungew├Âhnlich ist. Eine Band, die ich irgendwo unter 'die die Welt nicht braucht' einordnen w├╝rde. Nach der angeblich bewegten Vergangenheit aller Bandmitglieder h├Ątte ich da etwas Professionalit├Ąt erwartet. Und vor allem 'nen Shouter, mit dem man sich sehen lassen kann.

Sehen lassen konnte sich aber, was nun folgte:

Lacuna Coil: Mann, die Scabbia hat sich ja noch die Haare lang wachsen lassen! Wow! Neben den musikalischen Vorfreuden auf diese absolut geniale Band kam direkt der Hormonschub hinzu, als besagte Frontfrau im h├╝ftengen Kleid die B├╝hne betrat. War sie doch vor einiger Zeit auf der Grip Inc.-Tour recht sch├╝chtern hinter'm Mikro, so ist sie heute nicht mehr wiederzuerkennen. Selbstbewusst mit unheimlicher Ausstrahlung bangte sie was das Zeug hielt und gl├Ąnzte mit ihren Sangesleistungen, dass einem fast die Tr├Ąnen in den Augen standen. Leider war ihre Stimme etwas mau abgemischt, was ihr eine unpassende H├Ąrte verlieh. Ihr Sangespartner Andrea sorgte fuer Bewegung am rechten B├╝hnenrand, w├Ąhrend die verstrahlten StarWars-Br├╝der als Background zu Cristina frickelfrackelten und ihr die Show ├╝berliessen. Die Songauswahl war - so wie es in der kurzen Zeit m├Âglich war - ein Streifzug durch alle drei Longplayer. Leider war der Gig viel zu schnell vorbei, denn sp├Ątestens nach dem dritten Song frass das Publikum den Mail├Ąndern aus der Hand. Als mit dem tollen 'My Wings' der Schluss eingel├Ąutet wurde, sah man sogar extreme Schwarzwurzeln mit Nietenarmb├Ąndern begeistert zur Musik mitgehen.

Nevermore: oh Mann, war das Kacke. Dass eine gecrashte Backline nach dem Intro schon nach 3 Takten den ersten Song versaute war Pech. Aber auch als alles lief, bot sich dem Zuh├Ârer eine absolut steife Show mit miesem Gesang und langweiligen Songs. Raus an den Bierbrunnen. Einzig zugute halten muss man dem S├Ąnger, dass er nie um einen Spruch verlegen war, wenn es darum ging, technische Probleme zu ├╝berspielen (z.B. ein fast akzentfreies 'Hau wech die Scheisse....' ;-)).

In Flames: ich fand sie nie schlecht, aber musste die CDs auch nie haben. So war ich gestern ziemlich erstaunt, als ich bemerkte, was f├╝r eine Entwicklung ich bei den Schweden verpasst habe! Fuck, die sind ja richtig geil geworden! Vorbei der vorrangige melodische Elchtod - was da r├╝berkam war eine einzigartige Symbiose aus (jetzt aufgepasst!) Iron Maiden, Paradise Lost, und einer Prise Dismember. Wow! Die Songs hatten wirklich Charakter, und ich sehe mich gezwungen, in die letzten zwei Outputs nochmal genauer reinzuhoeren. Die proppevolle Halle feierte sie auch dementsprechend ab und die Stimmung kochte. Es war geil laut, das Licht war toll, und die Pyros sorgten fuer zus├Ątzliche Stimmung.

Dimmu Borgir: OK, nach einer langweiligen Keyboard-Scheibe haben sie jetzt Ex-Cradle of Filth 'Uncle Fester' an der Schiessbude, der sich zur Aufgabe gemacht hat, aus diesem verweichlichten Tastendampfer wieder echte M├Ąnner mit stahlharten Gitarrengewittern zu machen. Die aktuelle CD ist der beste Beweis daf├╝r. Wer nach dieser Scheibe immer noch lustige Spr├╝che oder Kommerzvorw├╝rfe den Burgern gegenueber ert├Ânen laesst, sollte sp├Ątestens nach diesem Gig das Maul halten. Was da nach einem gelungenen Gruselintro von der B├╝hne geballert wurde, war eine Kampfansage fuer die alleinige Beanspruchung des extremen Black Metal Throns! Es war stimmungsvoller als die letzten Cradle-Touren, und extremer als das was Marduk von der B├╝hne brettern k├Ânnen. Und es war perfekt. Eine Granate jagte die andere in wahrhaft h├Âllischer Lautst├Ąrke. Barker, ├╝ber allen thronend, schoss seine Doublebass-Gewitter pr├Ązise wie ein MG und verzog selbst bei ultraschnellen Blastbeats kaum eine Miene. Mann, schickt die Men In Black vorbei, den mal kontrollieren, ob das nicht ein Zugereister ist, der seinen Bezirk verlassen hat. Der ist nicht von dieser Welt! Das Publikum, noch ausgelaugt von In Flames, wusste gar nicht mehr, wie es reagieren sollte. Zu diesem Gemetzel konnte man weder irgendwie sinnvoll bangen oder moshen noch sonstwie was tun. Die Meute stand mit offenem Maul und begaffte das verdammte H├Âlleninferno, w├Ąhrend ein Song auf den n├Ąchsten ├╝ber sie hinwegrollte, Bomben explodierten und Flammen emporschossen. Viele Power-Metaller und Lacuna-Gothics suchten nach und nach das Weite. Vorbei die Zeit des blutspuckenden Kasperletheaters von einst. Dieser Gig hinterliess verbrannte Erde, als Barkers Drumkit im letzten Song, von Flammens├Ąulen umgeben, noch die letzten Salven abschoss und die Band die Halle sich selbst ├╝berliess und von der B├╝hne stapfte. Es d├╝rfte einige Bands des Genres schwer ├Ąrgern, dass die einst verlachten Norweger mal eben die Messlatte neu ansetzen....

WAHN - SINN!

Stefan Machwirth am 04.06.2005




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